Schulanlage Pestalozzi

Gesamtsanierung

Ausgangslage

Das Pestalozzischulhaus wurde 1907 -1909 nach dem Entwurf der Thuner Architekten Grütter & Schneider in einem frühen neubarocken Heimatstil mit starken Jugendstileinschlägen erstellt. Der Ausführung der Sanie-rungsarbeiten vorausgehend wurde 2010 ein SIA 142 konformes anonymes Wettbewerbsverfahren durchge-führt. Zielsetzung war die Erneuerung der Schulanlage von 1909 in ihrer Gesamtheit, die Anpassung an die pädagogischen und betrieblichen Erfordernisse des modernen Schulbetriebes sowie der sorgfältige Umgang mit der historischen Bausubstanz. Die Arbeitsgemeinschaft aus den Architekturbüros Ammann Architekten AG und Müller Verdan Architekten, beide Zürich, verstärkt mit Herrn Bernhard Furrer, denkmalpflegerische Beratung und Herr Hansjörg Jauch, Landschaftsarchitekt, hat den Wettbewerb mit dem Projekt „adapté“ gewonnen und wurde mit der Ausführung beauftragt. Für die Zeitspanne der umfassenden Gesamtsanierung wurden die Schüler des Pestalozzischulhauses während zweier Jahre in die umliegenden Schulen ausquar-tiert. Die Eingriffstiefe mit Abbrucharbeiten bis auf Niveau Rohbau hätten einen Schulbetrieb während der Arbeiten nicht zugelassen.

Projektbeschrieb

Bei der Gesamtsanierung, von der Kantonalen Denkmalpflege und dem Restaurator eng begleitet, wurde ein spezielles Augenmerk auf ein substanzerhaltendes Vorgehen gerichtet. Im Dachbereich konnten ca. 75% der originalen Thuner Ziegel wiederverwendet werden. Die sehr gut erhaltenen Eichenfenster wurden mit einer Isolierverglasung ergänzt und wieder gängig gemacht. Der nur noch selten vorkommende Riesel-Verputz der Fassade wurde gereinigt, lose Stellen neu aufgebaut und im ursprünglichen Farbton neu gestrichen. Der Sockelbereich aus Natursteinen wurde sorgfältig gereinigt und bei den Abgrabungen zum Untergeschoss mit dem gleichen Naturstein ergänzt. Im Korridorbereich wurden die bestehenden Holz-Gewänder wo notwendig geflickt, ergänzt und angepasst. Mit dem Verzicht auf den Einbau einer kontrollierten Lüftung in den Klassenzimmern war es möglich die bestehenden Betonhohlkörper-Böden zu erhalten. Die bestehenden Einbauschränke wurden ausgebaut, überholt und wieder eingebaut. Die Innentüren wurden in einem speziellen Verfahren Brandschutztechnisch aufgerüstet und mit einem modernen Schliesssystem erweitert.

Im Innern des Gebäudes mussten bei den Ausbauarbeiten diverse Anpassungen an die heute aktuellen Vorschriften vorgenommen werden. Für die Erdbebenertüchtigung wurden mit einer geeigneten Stahlkonstruktion aus Eckwinkeln und geklebten Lamellen alle Böden/Decken verstärkt. Im Zusammenhang mit den Brandschutztechnischen Anforderungen mussten alle Geschosse mit Brandschutzverkleidungen voneinander abgetrennt werden. Der Keller- und Estrichboden wurden wärmetechnisch zusätzlich isoliert, sowie auch die Aussenwände des Schulhauses und der Turnhalle. Die Einzelbauteile entsprechen dem MINERGIE-Standard.

Die Materialisierung lehnt sich grösstenteils am historischen Befund an. Im Korridor wurden die bestehenden Holzgewänder restauriert, wo notwendig ergänzt und im originalen Grünton gestrichen. Die oberen Wandflächen und der Deckenbereich sind mit einem Gipsglattstrich ausgeführt. Die Böden sind, mit Ausnahme des Erdgeschosses, mit einem Gummigranulat-Boden ausgeführt. Farblich sind diese dem erhaltenen Gussasphaltboden im Erdgeschoss angepasst. Die Korridorbänke sind analog der Fensterbretter und Fussleisten aus naturbelassener geölter Eiche. Die Wände in den (Klassen-) Zimmern wurden im unteren Bereich mit einer hellgrün gestrichenen Jute und im oberen Bereich mit einem Gipsglattstrich realisiert. Ein dunkelroter Gummigranulat-Boden ergänzt diese farblich. Die Korridorseitigen Wände sind jeweils mit einer Magnetfarbe beschichtet. Die Decken wurden mit einem akustisch absorbierenden Material ausgeführt. Der Wandtafelbereich wurde als ein neues in sich abgrenzendes Element gestaltet. Die Säulenwandtafeln mit integriertem interaktivem Beamer sind seitlich je mit einer die vertikale Erschliessung einfassenden Verkleidung begrenzt. Die horizontale Elektroverteilung verläuft in einem abgehängten geschlossenen Kabelkanal.

Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Grundwasser-Wärmepumpe. Mit Ausnahme des Untergeschosses wo eine Bodenheizung installiert wurde, sind die Räume mit Heizkörper ausgestattet. Alle Beleuchtungskörper im Schulhaus und in der Turnhalle sind neu und mit LED ausgeführt. Die sanitären Bereiche werden mechanisch gelüftet.

Die Turnhalle wurde zusammen mit dem angrenzenden Garderobenbereich komplett neu gestaltet. Im technischen Bereich wurden zusätzlich ein behindertengerechtes WC und für den Betriebsunterhalt ein zusätzlicher Putzraum eingerichtet. Mit der Neugestaltung der Turnhalle konnten die aktuellen Sicherheitsvorschriften berücksichtigt werden. Die Innenverkleidung wurde mit einem hellen Birkensperrholz ausgeführt. Der rote Sportboden steht im Kontrast zur dunkel gehaltenen Decke. Die Gebäudehülle wurde wie das Schulhaus im originalen Stil Instand gesetzt. Beheizt wird die Turnhalle mit einer Drall-Heizlüftung.

Der Aussenbereich der Schulanlage konnte mit der Ergänzung der Umfassungsmauer/Zaun um die gesamte Schulanlage klarer definiert werden. Die Schulanlage wird heute als eine Einheit wahrgenommen. Im Innern des Schulareals wurden der bestehende Verkehrsgarten und grosse Teile des befestigten Pausenplatzes erhalten. Für die Nutzung der Tagesschule wurde neu ein mit einer Hecke umschlossener Aussenraum gestaltet. Die neuen Veloständer wurden zur Gurnigelstrasse hin verschoben, was Platz für einen geordneten PW-Parkplatz vor dem Schulgebäude mit sich gebracht hat. Zwischen diesen Zonen finden sich die Kick-Board Ständer. Der öffentliche Spielplatz hinter der Turnhalle wurde neu gestaltet.

Termine

Realisierung September 2013 – August 2015

Kosten

Anlagekosten Schulhaus inkl. UmgebungCHF19'500'000.00
Anlagekosten TurnhalleCHF2'200'000.00

Kennwerte Schulhaus

Volumen  SIA 41624'400
GF SIA 4166'998
BGF (Art. 93 BauV)5'623

Architekt

Müller Verdan Architekten
Dipl. Architekten ETH SIA
Hardturmstrasse 76
8005 Zürich

Restaurator

H. + A. Fischer AG
Restauratoren
Mattenenge 10
3011 Bern

Kantonale Denkmalpflege

Stefan Moser
Bauberatung und Ortsbildpflege
Amt für Kultur / Denkmalpflege
Münstergasse 32
3011 Bern

Bilder