Denkmalpflegerische Würdigung des Bonstettenguts

«Mit seiner monumentalen, zum Thunersee hin von einem schiffbaren Kanal beherrschten Hauptachse, kommt dem Landsitz Bellerive im Gwatt innerhalb der schweizerischen Campagnen des 18. Jahrhunderts eine Sonderstellung zu. Wenige Landsitze können sich einer solch grosszügigen Disposition rühmen, die auch sonst vom Pioniergeist Ihres Erbauers zeugt. In der streng geomet-rischen Grunddisposition noch barocken französischen, auf das Herrenhaus bezogenen Mustern folgend, führt Emanuel Friedrich Fischer mit den verschlungenen Pfaden im Lustwäldchen, dem in weiter Ferne beim Hochgebirge liegenden Point de vue und der Freifläche des «Blätzlin» am See bereits Elemente des englischen Landschaftsgartens ein.
Die Campagne Bellerive ist zudem eines der wenigen Ensembles, das bis heute einer eigentums-rechtlichen Zersplitterung entgangen ist und mit der für Landsitze des Ancien Régime typischen Kombination von Sommerhaus und nach wie vor bewirtschaftetem Gutsbetrieb ein wertvolles kulturgeschichtliches Zeugnis ablegt.

Der Landsitz Bellerive ist damit ein lebendiges und öffentlich zugängliches Kulturdenkmal von hohem Rang, das den heutigen Besucherinnen und Besuchern wie einst ihren Vorgängern im 18. Jahrhundert Raum für «rêveries» vor grandioser Naturkulisse bietet.»

Auszug aus: Hühnerwadel, Jürg; Streun, Franziska; Die Campagne Bellerive – das Bonstettengut in Thun-Gwatt; Schweizerischer Kunstführer GSK, 2016, Seite 55.