Beschrieb

Ueli Berger, Umkehrtreppe, 1992, Beton, Länge 25 m, Oberstufenschulhaus Progymatte, Jungfraustrasse 2. Foto: Christian Helmle.

Mit künstlerischen Eingriffen verändern, manipulieren und beleben Kunstschaffende öffentliche Orte, tragen wesentlich zur Gestaltung und Wahrnehmung des Stadtraumes bei und regen zu Diskussionen an.

In Thun sind über hundert Arbeiten aus dem 20. und 21. Jahrhundert auf Plätzen, in Schulhäusern und Kirchen, an Wänden und auf Dächern oder in Parkanlagen zu entdecken. Diese beachtliche Zahl zeigt zum einen, dass die Kunst im öffentlichen Raum in Thun auf eine lange Tradition zurückblicken kann, und zum anderen, dass sie eine Bedeutung hat.

Bis in die 1950er-Jahre machten Wandarbeiten wie Gemälde, Mosaike, Teppiche, Glasfenster und Reliefs die Mehrheit der künstlerischen Werke im öffentlichen Raum Thuns aus. Insbesondere Schulhäuser und Kindergärten wurden mit Wandarbeiten ausgestaltet. Die Motive standen jeweils in Zusammenhang mit der Nutzung des Gebäudes. Beliebte Sujets waren beispielsweise Landschaften oder Tierdarstellungen. Neben den Wandmalereien wurden verschiedene figürliche Freiplastiken und von Bildhauern gestaltete Brunnen aufgestellt. Seit den 1950er-Jahren fanden neben gegenständlichen Werken auch abstrakte Plastiken Platz im öffentlichen Raum.

Lange Zeit verfolgte die Kunst im öffentlichen Raum hauptsächlich das Ziel, ein Gebäude oder einen Platz auszuschmücken. Die Werke hatten sich den Vorgaben der Architektur unterzuordnen und kamen erst nach der Fertigstellung des Baus hinzu. Die Vorgehensweise und der Anspruch an die Kunst haben sich heute geändert. Die Kunstschaffenden werden möglichst früh in die Planungsphase einbezogen, um eine Diskussion zwischen ihnen und den Architekten, Städteplanern, Kunstschaffenden und Nutzern zu veranlassen und ästhetische, wahrnehmungsspezifische und gesellschaftliche Fragen gemeinsam zu behandeln.

In den letzten zehn Jahren hat sich das Spektrum der Kunstwerke im städtischen Raum deutlich erweitert und gewandelt. Vermehrt werden interaktive und temporäre Projekte und Aktionen initiiert oder partizipative Arbeiten realisiert, die Personengruppen in den Entstehungsprozess einbeziehen. Die grosse Bandbreite und die Beschaffenheit der jüngeren Interventionen im öffentlichen Raum haben auch zur Folge, dass sie nicht mehr explizit als Kunstwerke zu identifizieren sind. Die Grenzen zwischen Kunst und Design, zwischen Kunst, Spiel und Alltag lösen sich auf.