Praxis

In Thun werden im Rahmen von städtischen Um- und Neubauten sowohl in den Bereichen Hoch- wie auch Tiefbau Kunstprojekte realisiert. Die Federführung der Projekte liegt bei der städtischen Kulturabteilung, die gemäss ihrem Leitbild die Kunst im öffentlichen Raum fördert. Kriterien für die Initiierung eines Projektes sind die Publikumsfrequenz und die Relevanz des Ortes. Die Finanzierung erfolgt in der Regel über ein Prozent des Baubudgets. Die Projekte werden durch Wettbewerbsverfahren ausgewählt und von einem Gremium beurteilt, das sich aus Kunstexpertinnen und -experten, der Bauherrschaft, den Architekten und je nach Projekt aus weiteren Personengruppen zusammensetzt. Nur vereinzelt werden auch Direktaufträge vergeben. Hinzu kommen die von den Kunstschaffenden selbst initiierten, teils temporären Aktionen und Arbeiten, die nicht an einen städtischen Um- oder Neubau gebunden sind.

Erfreulich ist, dass in Thun künstlerische Interventionen nicht nur von öffentlicher Seite, sondern auch von privater Seite veranlasst wurden und werden.

Oft begegnet das Publikum den künstlerischen Interventionen ahnungslos und zufällig. Umso wichtiger sind eine umfassende Kommunikation und Vermittlung, um Neugierde und Interesse an den Werken zu wecken und eine ablehnende Haltung oder Gleichgültigkeit zu vermeiden.

Ausserdem ist zu bedenken, dass die Kunst im öffentlichen Raum für viele Kunstschaffende eine nicht zu unterschätzende Existenzsicherung bildet. Auch das lokale Gewerbe − Handwerker, Elektriker, Metallbauer etc. − wird für die Umsetzung der Werke beigezogen.

Der urbane Raum ist laufend Veränderungen ausgesetzt, sowohl in baulicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Plätze werden umgestaltet und von neuen Personengruppen genutzt, Strassen werden umgebaut, Häuser erweitert oder abgerissen. In diesem Zusammenhang stellt sich nicht nur die Frage nach neuen Interventionen im Stadtraum, sondern ebenso diejenige, wie mit Werken umgegangen werden soll, deren Standort durch die Umgestaltung an Qualität verloren hat. In solchen Fällen ist die Diskussion um einen Standortwechsel, der eine Aufwertung des Werks bewirkt und zugleich die neue Umgebung frisch belebt, sicher angebracht. Die aktuelle Debatte, die unter anderem in Zürich lanciert wurde, geht sogar noch einen Schritt weiter und fragt, ob einzelne Werke aus dem Stadtraum entfernt werden sollen, um Neuem Platz zu machen.

Neben der Initiierung neuer Projekte hat die Stadt Thun auch die Aufgabe, das kulturelle Erbe zu bewahren. Die über hundert Werke im öffentlichen Raum aus dem 20. und 21. Jahrhundert sind inventarisiert und werden gewartet. Im Jahr 2001 wurde der Erhaltungszustand aller Objekte von Kunst im öffentlichen Raum begutachtet und mit einer positiven Gesamtbeurteilung abgeschlossen. Der Erhaltungszustand ist mit wenigen Ausnahmen sehr gut, was auch für die hohe Akzeptanz der Kunstwerke in der Öffentlichkeit und für die umsichtige Unterhaltsarbeit spricht.