Ergebnisse der Testplanung Freistatt werden der Öffentlichkeit vorgestellt

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Drei interdisziplinäre Teams haben sich im letzten Jahr mit der Zukunft des Freistatt-Areals in Thun auseinandergesetzt. Auch Interessegruppen konnten sich im Rahmen verschiedener Veranstaltungen in den Prozess einbringen. Die Resultate der Testplanung sind vom 14. bis zum 24. März im Rathaus ausgestellt. Als nächster Schritt ist eine Zonenplanänderung vorgesehen.

2015 hat sich die Stadt Thun gemeinsam mit der gemeinnützigen Bau- und Wohngenossenschaft (GBWG) Freistatt und der Post Immobilien AG entschieden, für das Freistatt-Areal eine Testplanung durchzuführen. Drei interdisziplinäre Teams entwarfen im letzten Jahr Szenarien zur künftigen Nutzung und Neugestaltung der sanierungsbedürftigen Siedlung im Westen Thuns. In Echoräumen konnten sich auch Interessevertreterinnen und -vertreter in den Prozess einbringen. Damit hat die Stadt Thun eine der Massnahmen umgesetzt, die im Rahmen des Legislaturziels „Thun zusammen mit einer engagierten Bevölkerung entwickeln“ definiert worden waren. Die Ergebnisse der Testplanung sind nun in einem Synthesebericht zusammengefasst. Dieser dient der Stadt als Grundlage für die Ausarbeitung der Zonenplanänderung.

Erkenntnisse aus der Testplanung

Aus den Entwürfen der drei Teams werden die folgenden wichtigsten Erkenntnisse abgeleitet:

Grundsätzliches zur Entwicklung

Zwischen den beiden Teilgebieten westlich und östlich der Mattenstrasse bestehen verschiedene Abhängigkeiten und Wechselwirkungen, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Das bedeutet, dass in der weiteren Planung (Zonenplanänderung und Architekturwettbewerb) wiederum eine Gesamtplanung notwendig ist. Im Teilgebiet Ost soll die Bebauung längs zur Länggasse ausgerichtet werden. Die Weiterentwicklung und Neuinterpretation bisheriger Strukturen und ortstypischer Eigenschaften werden als erfolgversprechend beurteilt. Die Ensemblewirkung ist auch künftig zu berücksichtigen. Im Teilgebiet West sind verschiedene Baumuster denkbar.

Bebauungsdichte und Gebäudehöhe

Eine Bebauungsdichte mit einer Ausnützungsziffer (AZ) von bis zu 1.2 wird als verträglich beurteilt (zum Vergleich: Die heute bestehende Siedlung hat eine AZ von etwa 0.3). Die Testplanung zeigt verträgliche Lösungen mit einer Bebauung von in der Regel bis zu vier Geschossen im Teilgebiet Ost und bis zu fünf Geschossen im Teilgebiet West. Höhere Bauten im Sinne eines städtebaulichen Akzentes sind im Kreuzungsbereich Länggasse/Mattenstrasse denkbar.

Verschiedene Nutzungen

Der Knotenbereich Länggasse/Mattenstrasse eignet sich zudem zur Anordnung eines neuen Quartierzentrums, das mit einem attraktiven öffentlichen Platz und umgebenden publikumsorientierten Nutzungen ausgestattet werden soll. Der Platz ist Ankunftsort (ÖV-Haltestellen) und gleichzeitig Begegnungsraum für die Quartierbevölkerung. Im Teilgebiet Ost sollen vorwiegend Wohnnutzungen angeordnet werden. Im Teilgebiet West ist eine Mischnutzung Wohnen/Arbeiten denkbar.

Aussenraum

Wenn dichter gebaut wird, sind gut gestaltete, abwechslungsreiche und angemessen dimensionierte Freiräume umso bedeutender und erhöhen die Lebensqualität. Das Areal braucht deshalb einen grossen, gut nutzbaren, gemeinschaftlichen Grün- und Freiraum.

Dieser ist Begegnungsort für Jung und Alt. Auch der Quartierplatz und weitere Teilräume schaffen sozialräumliche Interaktionen und Identität.

Durchmischung

Das Areal Freistatt eignet sich für die Realisierung einer durchmischten Siedlung mit verschiedenen Nutzersegmenten. Es ist sogar erstrebenswert, dass eine vielfältige Mischung erreicht werden kann durch Massnahmen wie Wohnungsmix, Wohnungsstandard, Belegungsvorschriften im genossenschaftlichen Bereich.

Erschliessung, Verkehr/Mobilität

Hinsichtlich Erschliessungs-, Verkehrs- und Mobilitätsfragen werden folgende Schlüsse gezogen und Empfehlungen gemacht:

- Das Areal soll mit Autos ab der Mattenstrasse und Länggasse erschlossen werden.

- Der Knotenbereich Länggasse/Mattenstrasse ist so auszugestalten, dass angepasste Geschwindigkeiten gefahren werden und eine starke Platzwirkung entsteht.

- In der weiteren Projektentwicklung sind die nötigen Entscheide hinsichtlich einer nachhaltigen Mobilität zeit- und stufengerecht vorzunehmen.

 

Baubeginn frühestens ab 2020 möglich

Das Ergebnis der Testplanung wird nun in gewissen Punkten (z.B. der Frage des Öffentlichkeitsgrades des Freiraumes) mit den Erkenntnissen und Empfehlungen aus der laufenden Ortsplanungsrevision abgestimmt. Danach kann die Zonenplanänderung wieder aufgenommen und voraussichtlich bis Ende 2018 genehmigt werden. Anschliessend soll ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden, dessen Ergebnis nicht vor Ende 2019 vorliegt. Erst dann könnten etappenweise die konkreten Bauprojekte ausgearbeitet werden; ein Baubeginn wäre frühestens ab 2020 möglich.

 

Der Zwischenschritt mit einer Testplanung hat sich gemäss Gemeinderätin Marianne Dumermuth aus verschiedener Hinsicht gelohnt: „Thun erhält nun an einem guten Standort ohne zusätzlichen Landbedarf mehr neuzeitliche Wohnungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen und Generationen, das Quartier wird städtebaulich aufgewertet. Die GBWG Freistatt geht finanziell gesundet mit marktgerechten Wohnungen in die Zukunft und bleibt der Stadt Thun als gemeinnütziger Wohnungsanbieter langfristig erhalten. Zudem entspricht verdichtetes Bauen Thuns Strategie zur Stadtentwicklung“.

 

Die Vorgeschichte

 

Der Perimeter der Testplanung Freistatt umfasst eine Fläche von rund 24‘000 Quadratmetern: Vierzehn Gebäude mit 72 Wohnungen im Baurecht auf Stadtland gehören der gemeinnützigen Bau- und Wohngenossenschaft (GBWG) Freistatt, weitere 30 Wohnungen in fünf Gebäuden auf zwei angrenzenden Parzellen der Stadt Thun. Auch das kleinere Grundstück der Schweizerischen Post mit dem Postgebäude Länggasse wurde in die Planung miteinbezogen.

Die GBWG wandte sich wegen des Erneuerungsbedarfs und finanzieller Schwierigkeiten 2009 an die Stadt. Gemeinsam entwickelten die Beteiligten den Planungsprozess. Ende Oktober 2013 stimmte die Genossenschaft der vorzeitigen Kündigung des bis 2043 laufenden Baurechtsvertrages mit der Stadt zu. Eine Werthaltigkeits- und eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der GBWG zeigten, dass die Renovation der Gebäude gegenüber einem Neubauprojekt unverhältnismässig teuer wäre.

Die in der Mitwirkung vorgestellte Zone mit Planungspflicht sah eine Wohnüberbauung mit maximal drei Geschossen vor. Das Verfahren wurde aufgrund der sehr vielschichtigen und teilweise widersprüchlichen Vorstellungen und Eingaben aus der Mitwirkung und angesichts der Bedeutung dieser Siedlung im Quartier sistiert.

 

 

Ausstellung und weitere Informationen

 

Die Pläne der Teams sowie der Synthesebericht sind vom 14. bis 24. März 2017 im Foyer des Rathauses der Stadt Thun ausgestellt.

 

Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag:           08.00 bis 11.45 Uhr, 14.00 bis 17.00 Uhr

Freitag:                        08.00 bis 11.45 Uhr, 14.00 bis 16.00 Uhr

 

Am Donnerstag, 16. und am Dienstag, 21. März steht von 17.00 bis 18.00 Uhr der Projektleiter der Stadtplanung vor Ort für Auskünfte zur Verfügung.

 

Der Synthesebericht kann im Internet unter www.thun.ch/freistatt eingesehen und heruntergeladen werden.

 

Thun, 14. März 2017