Thun ehrt Paul Le Grand mit dem Kunstpreis und vergibt weitere Kulturpreise

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Die Stadt Thun zeichnet den Künstler Paul Le Grand mit dem Kunstpreis 2017 aus. Zudem wird der Verein Schlosskonzerte Thun mit dem Kulturstreuer geehrt. Kulturförderpreise erhalten die Tänzerin und Choreografin Agata Lawniczak sowie die Musikerin Mariella Bachmann. Die öffentliche Preisverleihung findet am 3. November im Kultur- und Kongresszentrum Thun statt.

Für sein vielschichtiges Werk, das durch Tiefe und formale Stimmigkeit besticht, ehrt die Stadt Thun den Künstler Paul Le Grand mit dem Kunstpreis 2017. „Paul Le Grand ist weit über Thun hinaus bekannt. Mit den Fragen, die er an die Kunst und durch sie stellt, nimmt er den Blickwinkel der Betrachterin und des Betrachters stets ernst und macht sie zu einem bestimmenden Bestandteil seiner Arbeiten“, begründet die Kulturkommission ihren Entscheid weiter. Der Kunstpreis ist mit 10‘000 Franken dotiert und zeichnet qualitativ hochstehende Leistungen in den Sparten Musik, Literatur, Film oder bildende, darstellende und angewandte Kunst aus.

Paul Le Grand – von Thun über Genf und Bern bis Genua

Paul Le Grand (*1949) lebt und arbeitet in Thun, wo er auch aufgewachsen ist. Er erlangte sein Diplom an der Ecole supérieure d’Arts Visuels in Genf. Paul Le Grand konzentriert sich in seinem Schaffen auf installative Werke im Aussen- und Innenraum sowie auf Kunst und Architektur. Unter seinen bevorzugten Materialien kommt dem Spiegel eine besondere Bedeutung zu. Mit ihm reflektiert er in seinen Werken zentrale Fragen von Bildlichkeit, Repräsentation von Wirklichkeit und Wahrnehmung. Le Grands Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, u.a. wiederholt an der Skulpturen-Triennale „Bex & Arts“ in Bex, im Kunstmuseum Thun, im Palazzo Ferretto in Genua oder an der Skulpturenausstellung „Jetzt Kunst“ in Bern. Seine Werke wurden unter anderem vom Kunstmuseum Thun angekauft. In Thun sind zahlreiche installative Arbeiten von Paul Le Grand zu sehen – wie beispielsweise „Bumps“ beim Schulhaus Dürrenast, „Instauration“ im Schulhaus Länggasse, „Der Bogen“ im Innenhof des Berufsbildungszentrums IDM oder das interaktive Projekt „www.mysouvenir“ (zusammen mit Dominik Stauch) auf dem Aarefeldplatz. 

Verein Schlosskonzerte Thun – innovative Wege

Für ihr innovatives und bereicherndes Festival zeichnet die Stadt Thun den Verein Schlosskonzerte Thun mit dem Kulturstreuer aus. Der Preis ist mit 5000 Franken dotiert und wird für ausserordentliche Leistungen in der Kulturvermittlung oder Kulturförderung verliehen. Die Schlosskonzerte finden seit 1968 jährlich im Juni statt und bringen einem breiten Publikum ein hochkarätiges und abwechslungsreiches Programm zu Gehör – im Rittersaal im Schloss Thun sowie an anderen Orten. Getragen wird die Konzertreihe nicht zuletzt auch von einem grossen ehrenamtlichen Engagement. „In den 50 Jahren ihres Bestehens gingen die Schlosskonzerte stets innovative Wege. Mit einer genre- und spartenübergreifenden Programmgestaltung und mitunter aussergewöhnlichen Veranstaltungsorten vermochte jede Ausgabe mit Ungewohntem zu überraschen“, schreibt die Kulturkommission in ihrer Begründung.

Agata Lawniczak – grosses Engagement für die Kunstform Tanz

Die Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Agata Lawniczak (*1979) erhält den Kulturförderpreis für ihr „grosses Engagement für die Kunstform Tanz“ und ihr „konstantes, vielseitiges Schaffen“, so die Jury in ihrer Würdigung. Ihre Ballettausbildung erhielt Lawniczak an der Grande Ecole de Danse in Bern und Thun. An der Hochschule für Musik der Ballettakademie Heinz-Bosel-Stiftung in München absolvierte sie 1996 bis 1999 ihre Ausbildung zur diplomierten Bühnentänzerin. Ihre Tanzkarriere führte sie nach Kanada, Braunschweig, Shanghai, Berlin, Turin, Dublin, Paris und zurück in die Schweiz, wo sie von 1999 bis 2013 professionell tanzte. Seit 2011 liegt der Schwerpunkt ihres Schaffens auf Choreografie und Tanzpädagogik. Ihr besonderes Augenmerk gilt Tanzprojekten mit Schulklassen, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Agata Lawniczak lebt in Steffisburg. Das Preisgeld von 5000 Franken verwendet sie für ein Weiterbildungs-studium zur Vertiefung ihrer Lehr- und Vermittlungstätigkeit.

Mariella Bachmann – musikalische Neugierde

Ein weiterer Kulturförderpreis im Wert von 5000 Franken geht an die Thuner Klarinettistin Mariella Bachmann (*1988) für ihr ausserordentliches Können, ihre Vielseitigkeit und ihr breites Repertoire. Bachmann erlangte 2013 ihr Masterdiplom in Musik (Hauptfach Klarinette) an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau sowie 2016 einen Master of Arts in Spezialisierter Musikalischer Performance in zeitgenössischer Musik an der Musik Akademie Basel. Sie hat Engagements in ausgezeichneten Ensembles, tritt an internationalen Festivals auf und erhielt mehrere Auszeichnungen. In zahlreichen Uraufführungen zeige sich Mariella Bachmanns Einsatz für die zeitgenössische klassische Musik und ihre musikalische Neugierde, so die Jury in ihrer Würdigung. Das Preisgeld verwendet Bachmann für die Einstudierung und vertiefte Auseinandersetzung von Karlheinz Stockhausens szenischem Musikwerk „Harlekin“ für Klarinette solo.

Karen Moser – Weiterentwicklung der Formensprache

Weiter hat die Kulturkommission die Thuner Künstlerin Karen Moser für das Atelier der Städtekonferenz Kultur (SKK) in Genua bestimmt (2. März bis 30. Mai 2018). Moser arbeitet skulptural und installativ. Ihre Formensprache habe sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, so die Kulturkommission in ihrer Begründung. Karen Moser (*1988) lebt und arbeitet zurzeit in Antwerpen. Sie erlangte ihren Bachelor of Arts 2014 an der Hochschule der Künste Bern und ihren Master of Arts 2016 an der Sint Lucas School of Arts in Antwerpen. 2014 erhielt sie den Kulturförderpreis der Stadt Thun. Ihre Arbeiten haben oft einen orts- und raumbezogenen Charakter. Sie werden international gezeigt und waren mehrfach im Kunstmuseum Thun zu sehen. 

Kulturpreisverleihung am 3. November 2017

Die Preisträger werden durch die Kulturkommission der Stadt Thun bestimmt, die Gewinner der Kulturförderpreise durch eine speziell dafür gewählte Jury. Beide Gremien präsidiert Gemeinderat Roman Gimmel. Die Preisgelder werden aus dem Heinrich und Martha Streuli-Fonds finanziert, der Kulturförderpreis seit 2004 durch den Gemeindeverband Amtsanzeiger Verwaltungskreis Thun. Auf den jährlich ausgeschriebenen Preis können sich Kulturschaffende aller Sparten bis zum 40. Lebensjahr bewerben. Das Preisgeld soll vor allem für die Aus- und Weiterbildung verwendet werden.

Die öffentliche Preisverleihung findet am Freitag, 3. November, um 20 Uhr, im Kultur- und Kongresszentrum Thun (KKThun) statt.

Paul Le Grand (© Christian Helmle)
Verein Schlosskonzerte Thun: Ursula Stucki, Elisabeth Müller, Heidi Gersch, Lorenz Hasler, Denise Rist, Gisela Trost, Marianne Burkhard (von links)