Kulturpreise 2015: Stefan Guggisberg, Sabine und Tuomas Kaipainen, Tanja Schwarz, Jonas Tschanz

Die Stadt Thun ehrt in diesem Jahr den bildenden Künstler Stefan Guggisberg mit dem Kunstpreis und das Musikerpaar Sabine und Tuomas Kaipainen mit einem Kulturstreuer. Je einen Kulturförderpreis erhalten die bildende Künstlerin Tanja Schwarz und der klassische Saxofonist Jonas Tschanz.

 

Der Kunstpreis 2015 der Stadt Thun in der Höhe von 10‘000 Franken geht an den in Thun aufgewachsenen bildenden Künstler Stefan Guggisberg, der mit 5’000 Franken dotierte sogenannte Kulturstreuer an Sabine und Tuomas Kaipainen für ihre Verdienste in der Kultur- und Kunstvermittlung. Die 28-jährige, aus Thun stammende bildende Künstlerin Tanja Schwarz und der 29-jährige, in Uetendorf und Steffisburg aufgewachsene Musiker Jonas Tschanz werden mit Kulturförderpreisen von je 10‘000 Franken geehrt.

 

Die Preisträger werden durch die Kulturkommission der Stadt Thun bestimmt, die Gewinner der Kulturförderpreise durch eine speziell dafür gewählte Jury. Beide Gremien präsidiert Gemeinderat Roman Gimmel. Die Preisgelder werden aus dem Heinrich und Martha Streuli-Fonds finanziert, der Kulturförderpreis seit 2004 durch den Gemeindeverband Amtsanzeiger Verwaltungskreis Thun. Auf den jährlich ausgeschriebenen Preis können sich Kulturschaffende aller Sparten bis zum 40. Lebensjahr bewerben. Das Preisgeld soll vor allem für die Aus- und Weiterbildung verwendet werden.

 

Stefan Guggisberg: „Unverkennbares künstlerisches Werk“

Der bildende Künstler Stefan Guggisberg (*1980) ist in Thun geboren und aufgewachsen. Nachdem er als 18-jähriger den Fotopreis des Fotoforums im Centre Pasquart in Biel gewonnen hatte, besuchte er von 1999 bis 2003 die Grafikfachklasse an der Schule für Gestaltung in Biel. Im Jahr 2004 erhielt er von der Stadt Thun einen Kulturförderpreis. Seit 2004 lebt und arbeitet Stefan Guggisberg in Leipzig (D), wo er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Fotografie und Malerei studierte. Von 2010 bis 2012 war er Meisterschüler bei Neo Rauch, dem bekanntesten Vertreter der sogenannten „Neuen Leipziger Schule“. Im Jahre 2013 wurde er sowohl durch die Kunstgesellschaft Bern mit dem Louise Aeschlimann und Margareta Corti Stipendium ausgezeichnet wie auch mit einem Projektstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie dem Woldemar-Winkler-Förderpreis der Sparkasse Gütersloh.

 

Die Kulturkommission begründet die Preisvergabe an Stefan Guggisberg wie folgt: „Der in Thun, Bern und der ganzen Schweiz sehr präsente Künstler Stefan Guggisberg arbeitet in erster Linie mit dem Medium der Zeichnung und Malerei. Sein Interesse an nicht schlüssig erkennbarem Gegenständlichem, das im Raum zu schweben scheint und beim Betrachtenden Assoziationen zu wogenden Traumwelten weckt, zeigte sich schon in seinen frühen Fotografien. Zwischenzeitlich hat er eine unverkennbare Handschrift und eine ausgefeilte, mehrschichtige Zeichnungs- und Maltechnik entwickelt, mit der er seinen eigenen, unfassbaren Bilderkosmos gekonnt in Klein- und Grossformaten umsetzt. Der innovative, eigenständige technische Ansatz und die innere Stimmigkeit des unverkennbaren künstlerischen Werks von Stefan Guggisberg haben die Kulturkommission der Stadt Thun veranlasst, ihm 2015 den Kunstpreis zu verleihen.“

 

Sabine und Tuomas Kaipainen: „Unermüdliches Engagement“

Das Musikerpaar Sabine und Tuomas Kaipainen leitet bereits im neunten Jahr gemeinsam die Konzertreihe „Im Rathaus um 4“. Jeden ersten Samstag des Monats werden dem Publikum im Thuner Rathaus Trouvaillen aus der Welt des Barock, der Klassik, des zeitgenössischen Musikschaffens sowie Text und Musik in einem präsentiert. Die Mezzosopranistin und Flötistin Sabine Kaipainen studierte Gesang und Traversflöte, darüber hinaus barocke Gestik in London und Paris. Tuomas Kaipainen wurde in Helsinki geboren und studierte Blockflöte und Barockoboe in Wien, wo er Mitglied des bekannten Ensembles „Les Menestrels“ und „Musica Antiqua Wien“ war. In Bern und Linz (A) studierte er moderne Oboe. Beide wirkten bereits bei zahlreichen Aufnahmen und Konzerten mit, so zum Beispiel an den Festspielen in Moskau und Helsinki. Als Dozenten unterrichteten sie an zahlreichen Meisterkursen, unter anderem am Tschaikowski-Konservatorium in Moskau.

 

Ihr Schaffen wird durch die Kulturkommission wie folgt gewürdigt: „Sabine und Tuomas Kaipainen organisieren mit der Reihe „Im Rathaus um 4“ seit 2007 jedes Jahr zwölf Konzerte der verschiedensten Sparten. Persönlich treten sie ebenfalls regelmässig ins Rampenlicht, um die ihnen sehr am Herzen liegende Barockmusik zu pflegen. Sabine und Tuomas Kaipainen lassen sich auf Experimente ein und geben ihrer Reihe so ein ganz eigenes, farbiges und vielfältiges Gepräge. Für ihr unermüdliches Engagement um die klassische Musik und die Bereicherung des Kulturstandortes Thun werden Sabine und Tuomas Kaipainen mit dem Kulturstreuer 2015 geehrt.“

 

Tanja Schwarz: „Kraftvoller Ansatz“

Tanja Schwarz (*1987) ist in Thun geboren und aufgewachsen. Nach Abbruch des Studiums in Germanistik und Philosophie studierte sie ab 2009 an der Hochschule der Künste (HKB) in Bern und schloss ihre Ausbildung 2013 mit einem Bachelor in Fine Arts ab. Seither arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Bern, zeitweise auch in Istanbul oder anderen Teilen der Welt. Ihre Werke konnte sie unter anderem im Rahmen der „Cantonale Berne Jura“ ausstellen, der Filmessay „Ich werde mir das Leid der anderen nicht vorstellen“ wurde 2013/14 im Kino Kunstmuseum Bern sowie an Filmfestivals im Ausland gezeigt. Ihre Arbeiten sind spartenübergreifend, nebst Aktionen im öffentlichen Raum und installativen Arbeiten setzt sie sich heute vor allem mit der Welt der Filmessays auseinander.

 

Die Jury Kulturförderpreis äusserte sich zum Entscheid, Tanja Schwarz auszuzeichnen, wie folgt: „Die bildende Künstlerin Tanja Schwarz hat die Jury sowohl mit ihren Arbeiten als auch dem kraftvollen Ansatz und intellektuellen Anspruch ihres Dossiers überzeugt. Mit dem Preisgeld des Thuner Kulturförderpreis will sie einen neuen Filmessay finanzieren und bessere Infrastruktur für die Projekte ihres Künstlerkollektivs schaffen.“

 

Jonas Tschanz: „Auf internationalem Niveau“

Der in Uetendorf und Steffisburg aufgewachsene klassische Saxofonist Jonas Tschanz (*1986) besuchte die Musikschule Thun, danach die Talentförderung Musik im Gymnasium Hofwil in Münchenbuchsee. 2008 erlangte er das Lehrdiplom mit Auszeichnung an der Hochschule der Künste Bern, 2012 den „Master of Arts in Music“ am Conservatorium van Amsterdam und 2014 zusätzlich den „Master of Specialized Performance“ an der Hochschule für Musik in Basel. In seiner noch jungen Karriere konnte er bereits verschiedene Schweizer Musikpreise gewinnen, so zum Beispiel zwei Jahresstipendien der Ernst-Göhner-Stiftung und von Migros-Kulturprozent, sowie Preise am Swiss Chamber Music Competition und am Concours Nicati. Seine Konzerttätigkeit führte ihn sowohl als Solist wie auch als Ensemblemitglied durch ganz Europa, nach China und nach Japan.

 

„Jonas Tschanz ist ein vielversprechender klassischer Saxofonist. Er verfügt über eine komplette Technik, die es ihm ermöglicht, sein Instrument auf internationalem Niveau zu spielen. Seine Aufnahmen als Mitglied der beiden bekannten Saxophon-Formationen Konus-Quartett und Melisma-Quartett belegen dies auf eindrückliche Weise. Mit dem Preisgeld möchte er ein Soloalbum einspielen und dazu Kompositionsaufträge an junge Schweizer Komponisten vergeben. Die Jury ist überzeugt, mit Jonas Tschanz einen Musiker mit dem Kulturförderpreis zu ehren, von dem auch in Zukunft interessante musikalische Projekte zu erwarten sind.“

 

Kulturpreisverleihung am 5. November 2015

An der jährlich stattfindenden öffentlichen Kulturpreisverleihung im Kultur- und Kongresszentrum Thun (KKThun) werden die Geehrten am Donnerstagabend, 5. November 2015 um 20 Uhr ihre Auszeichnungen entgegennehmen und dem Thuner Publikum ihr künstlerisches Schaffen präsentieren. Details zum Anlass folgen Anfang November.

  

Auskünfte an die Redaktionen:

 

  • Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bildung Sport Kultur, Tel. 077 405 48 18
  • Marianne Flubacher, Leiterin Kulturabteilung,
    Tel. 079 246 18 55

 

 

Thun, 14. August 2015

Jonas Tschanz / (c) Thomas Bigler
Sabine und Tuomas Kaipainen / (c) Reto Camenisch
Stefan Guggisberg / zvg
Tanja Schwarz / zvg