Thun unterstützt soziale Sicherheit von Kulturschaffenden

Die Stadt Thun entrichtet neu Beiträge für die berufsspezifische Vorsorgeversicherung von Kunst- und Kulturschaffenden. Damit wird deren Risiko vermindert, im Alter auf Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen angewiesen zu sein.

Bedingt durch ihren Beruf sind Kulturschaffende oft nicht in einem herkömmlichen Anstellungsverhältnis und weisen Lücken in ihrer Altersvorsorge auf. Um diese zu verbessern, sind das Bundesamt für Kultur und Pro Helvetia gemäss Kulturfördergesetz (KFG) verpflichtet, die obligatorischen Beiträge der Kulturschaffenden an die Pensionskasse oder an die Säule 3a zu entrichten. Da die Bestimmung für Kantone, Städte und Gemeinden nicht gilt, haben die Vereinigungen der Kulturbeauftragten eine Empfehlung verabschiedet. Sie fordert Städte und Kantone auf, die soziale Sicherheit von Kunst- und Kulturschaffenden zu verbessern. Die Stadt Thun folgt der Empfehlung und kommt damit auch ihrem im Kulturleitbild formulierten Anliegen nach, die Altersvorsorge von Kulturschaffenden zu unterstützen.

Konkrete Massnahmen
Mit der neuen Regelung wird das Risiko für Kulturschaffende vermindert, im Alter auf Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen angewiesen zu sein. Zudem stärkt die Lösung ihre Eigenverantwortung und erhöht die Sensibilisierung für das Thema. Konkret entrichtet die Kulturabteilung der Stadt Thun neu ab einem Beitrag von 10'000 Franken pro Jahr (Projektbei-träge, Beiträge bei Atelierstipendien) zusätzlich maximal sechs Prozent für die berufsspezifische Vorsorgeversicherung. Die Kulturschaffenden müssen nachweisen, dass sie ihren Beitrag in gleicher Höhe und denjenigen der Kulturabteilung auf ihr Vorsorgekonto einbezahlt haben.

Auch die Vorsorgesituation von fest oder temporär angestellten Kunst- und Kulturschaffenden soll mit der neuen Regelung verbessert werden, unabhängig davon, ob sie dem BVG-Obligatorium unterstellt sind oder nicht. Die Kulturabteilung der Stadt Thun fordert die kulturellen Institutionen auf, allen angestellten Kulturschaffenden dieses Angebot zu unter-breiten und sie darüber zu informieren. Erfreulich ist die Tatsache, dass viele Arbeitgeber diese Praxis bereits anwenden.

Beiträge an Altersvorsorge erfolgen budgetneutral
Die Beiträge der Stadt Thun an die Altersvorsorge erfolgen budgetneutral. Gemäss Hochrechnungen der Kulturabteilung wären in den vergangenen vier Jahren pro Jahr zusätzlich rund 3'000 Franken für Vorsorgeleistungen angefallen.
Die neue Regelung tritt per sofort in Kraft. Davon ausgeschlossen sind Kultur- und Förderpreise. Diese gelten als Schenkungen und unterliegen deshalb weder der Einkommenssteuer noch der AHV.