Thuner Gemeinderat lehnt BLS-Werkstätte auf dem Areal ESP Thun Nord ab

Anfang Mai 2016 wurde bekannt, dass die mit der Standortsuche für eine neue BLS-Werkstätte beauftragte Begleitgruppe das Areal des Entwicklungsschwerpunktes (ESP) Thun Nord als theoretisch mögliche Option bewertet hat. Nachdem die Begleitgruppe die Planung offenbar weiterverfolgt, erachtet es der Thuner Gemeinderat als erforderlich, seine Ablehnung dezidiert darzulegen. Das Areal des ESP Thun Nord soll für Wirtschaftsvorhaben mit hoher Wertschöpfung reserviert bleiben.

 

Ursprünglich wollte die BLS in Bern-Riedbach eine neue Werkstätte bauen. Nachdem dieses Vorhaben auf Kritik gestossen war, hat die BLS eine Begleitgruppe mit der Evaluation von möglichen Alternativstandorten beauftragt. Wie Anfang Mai 2016 bekannt wurde, beinhaltet die Shortlist fünf Standorte, welche für die BLS-Begleitgruppe prioritär in Frage kommen. Hierbei wurde der Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Thun Nord mit einem Bedarf von 10 Hektaren als die denkbare Option bewertet. Die Stadt Thun hatte bereits am 3. Mai in einer Medienmitteilung kommuniziert, dass sie den ESP Thun Nord als nicht geeigneten Standort für die BLS-Werkstätte erachtet.

 

Wahrung der Thuner Interessen

Bei der personellen Zusammensetzung der BLS-Begleitgruppe wurde die Stadt Thun nicht berücksichtigt. Die Anliegen von Thun sind deshalb bisher nicht in die Überlegungen und Aktivitäten der Begleitgruppe eingeflossen. Offenbar verfolgt die Begleitgruppe die Planungsarbeiten für eine BLS-Werkstätte auf dem Areal ESP Thun-Nord weiter. Dies sowie der von der Fraktion der Grünen eingereichte Vorstoss vom 3. Juni, der die Prüfung des Standortes ESP Thun Nord für die Werkstätte verlangt, veranlasst den Gemeinderat, seine Gründe für die Ablehnung ausführlicher darzulegen und die Auswirkungen aufzuzeigen.

 

Areal mit grösstem Entwicklungspotenzial

Der ESP Thun Nord stellt eines der wichtigsten wirtschaftlichen Zukunftspotenziale der Stadt Thun dar. Hier soll sich die Stadt mittel- und langfristig im Bereich Wirtschaft und Arbeit entwickeln können. Die Umnutzung des ehemaligen Armeeareales wird seit rund zehn Jahren geplant. Ziel ist es, auf dem Areal des ESP Thun Nord eine florierende wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen. In Anbetracht der in Thun für Wirtschaft und Arbeiten nur beschränkt zur Verfügung stehenden Bodenflächen, stellt das Areal des ESP Thun Nord für die Stadt Thun ein wertvolles und knappes Gut dar. Höchste Priorität hat deshalb die Ansiedelung von Unternehmungen mit hoher Wertschöpfung und mit möglichst grossen positiven Auswirkungen für die Stadt Thun.

 

Top-Entwicklungsstandort der Hauptstadtregion Schweiz

Nachdem der ESP Thun Nord bereits im Rahmen des kantonalen ESP-Programmes als Premium-Standort klassifiziert wurde, hat im Frühjahr dieses Jahres die Hauptstadtregion Schweiz (HRS) das ESP-Areal auf die Liste der Top-Entwicklungsstandorte aufgenommen. Diese Qualifikation deklariert den Standort nicht nur aus kantonaler Optik, sondern über ein Gebiet von fünf Kantonen (Bern, Freiburg, Neuchâtel, Solothurn und Wallis) hinweg als bedeutend.

 

Situation bei den Grundeigentümern

Sowohl die RUAG Real Estate AG als auch die Armasuisse als Grundeigentümerinnen im Areal ESP Thun Nord nutzen die betroffenen Bodenflächen entweder aktuell oder haben konkrete Pläne für deren weitere Entwicklung. Beide Grundeigentümerinnen sehen keine Möglichkeit, der BLS eine für den Bau einer Werkstätte geeignete Bodenfläche zur Verfügung zu stellen. Zudem bilden die RUAG Real Estate AG und die Armasuisse zusammen mit dem Kanton Bern, der Stadt Thun und der Gemeinde Steffisburg die einfache Gesellschaft „ESP Thun Nord“, welche in den letzten rund zehn Jahren die Planung für die künftige Nutzung des ESP-Areales vorangetrieben hat. Der Gemeinderat wäre sehr überrascht, wenn die Planungspartner das Areal für einen planungswidrigen Zweck zur Verfügung stellen würden.

 

Ausbildung der Truppe

Zudem findet auf dem zentralen Baufeld B8 (kleine Allmend) immer noch die Ausbildung der Truppen der Armee statt. Deshalb ist eine zivile Umnutzung in absehbarer Zeit nicht möglich. Die Armee benötigt dieses Areal mindestens bis ins Jahr 2035 zu Ausbildungszwecken. Rein aus zeitlichen Überlegungen ist der Bau der BLS-Werkstätte in naher Zukunft nicht möglich. Das ESP-Areal soll schrittweise entwickelt werden, was die Umnutzung des Baufeldes B8 zu gegebenem Zeitpunkt ermöglicht.

 

Unterhaltsbetrieb für Eisenbahn-Rollmaterial

Gemäss Information der BLS-Begleitgruppe ist bei der angedachten BLS-Werkstätte ein 24-Stunden-Betrieb vorgesehen, bei dem laufend mit Lärmemissionen infolge Rangierbetrieb und Unterhaltsarbeiten zu rechnen ist. Zudem ist das Areal in der Nacht permanent beleuchtet. Es ist davon auszugehen, dass Beleuchtung und Lärmemissionen die Wohn- und Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner des nahe liegenden Wohnquartieres Lerchenfeld erheblich beeinträchtigen.

 

Stadträtliche Interpellation vom 3. Juni 2016

Die Fraktion der Grünen hat an der Stadtratssitzung vom 3. Juni 2016 eine Interpellation eingereicht, welche die Prüfung des Standortes ESP Thun Nord für die BLS-Werkstätte verlangt. Der Thuner Gemeinderat wird diesen Vorstoss im Sinne der hier dargelegten Gründe beantworten. Das Geschäft ist für die Stadtratssitzung vom 24. August traktandiert.

 

 

Auskünfte an die Redaktionen:

  • Raphael Lanz, Stadtpräsident, Telefon 033 225 82 15

 

 

Thun, 30. Juni 2016