Ehemalige Verdingkinder berichten in der Stadtbibliothek Thun

Am Mittwoch, 27. Oktober 2010, organisiert der Verein "netzwerk-verdingt" eine Lesung in der Stadtbibliothek Thun. Die Geschichten der ehemaligen Verdingkinder Dora Stettler, Albrecht Zaugg und Godi Brunner werden dabei näher vorgestellt.

Dora Stettler wurde mit ihrem Buch "Im stillen klagte ich die Welt an" einer breiteren Öffentlichkeit bereits 2004 bekannt. Sie verbrachte nach der Scheidung der Eltern vier schwere Jahre als Verdingkind, zuerst in Oberdiessbach, später in Zäziwil. Dank Einsatz ihres Vaters und der neuen Stiefmutter wurde Dora Stettler zusammen mit der Schwester Elsbeth vom schlimmen Hof weggeholt. Die beiden jungen Mädchen, 11 und 12 Jahre alt, waren aber für ihr Leben geprägt.

Das autobiographische Buch "Der steinige Weg vom Verdingkind zum Fachdozenten" von Albrecht Zaugg ist im März dieses Jahres erschienen. Leider ist Albrecht Zaugg dieses Jahr verstorben, deshalb wird seine Tochter, Brigitte Zaugg, aus dem Buch lesen. Albrecht Zaugg wurde als zehntes von dreizehn Kindern 1933 geboren. Sein Vater wurde lungenkrank und von da an nie mehr wirklich gesund, da schaltete sich die Gemeinde gegen den Willen der Mutter ein und verdingte die Kinder an unterschiedliche Orte. Sein ältester Bruder übernahm später die Vormundschaft, was Albrecht Zaugg eine Ausbildung als Krankenpfleger ermöglichte. Er wurde am Regionalspital Thun Leiter des OP- und Gipszimmer-Fachpersonals, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war.

Auch Gottlieb Brunner wird aus seiner Lebensgeschichte erzählen. Ursprünglich in Zürich geboren, kam er durch diverse Umzüge der Eltern ins Berner Oberland. Die Ehe der Eltern war nicht einfach, sein Vater kam öfters in Konflikt mit dem Gesetz, seine Mutter gab Godi Brunner schliesslich zu einem Bauern. Später kam er auf Intervention der Behörden zu unterschiedlichen Familien und an verschiedene Orte als Verdingbub, bis er als 20-jähriger seine Lehre abschloss und aus der Vormundschaft entlassen wurde.

Anschliessend an die Pause wird ein kurzer Einblick in die Geschichte des Verdinges gegeben. Die Vortragenden selber, der Verein wie auch weitere Mitglieder des Vereins "netzwerk-verdingt" werden gerne Fragen aus dem Publikum beantworten.
Die oben genannten und weitere Bücher sowie die von ehemaligen Verdingkindern selbstgestrickten Handpuppen stehen anschliessend an die Lesung zum Verkauf.

Der Verein ist letztes Jahr mit der Ausstellung "Enfance volée - Verdingkinder reden" im Käfigturm in Bern bekannt geworden. Die Ausstellung tourt nun von Kanton zu Kanton, gleichzeitig organisiert der Verein in diversen Regionen Veranstaltungen, um die Geschichte der Verdingkinder aufzuarbeiten und persönlich Betroffenen der Region die Möglichkeit zu geben, sich einzubringen.

Lesung des Vereins "netzwerk-verdingt"

Mittwoch, 27. Oktober 2010, Beginn um 19h45 (Türöffnung um 19h30). Dauer der Veranstaltung ca. 2h, mit Pause.

Eintritt frei, Kollekte zur Deckung der Unkosten.

Bücher und Handpuppen werden im Anschluss an die Veranstaltung verkauft.

Weitere Informationen:
www.thun.ch\stadtbibliothek
  oder  www.netzwerk-verdingt.ch

Auskünfte an die Redaktionen

· Helen Schärer, Stadtbibliothek Thun, Tel. 033 225 85 03, Dienstag bis Freitag ab 10 Uhr

· Walter Zwahlen, Verein "netzwerk-verdingt", Tel. 031 302 41 26

 

Thun, 22. Oktober 2010