Mobilitätsapéro

17. Thuner Mobilitätsapéro: «Mobilität: Wohin geht die Reise?»

Schauen Sie sich hier die Aufzeichnung der Veranstaltung aus der Thuner Westhalle vom Dienstag, 17 November 2020 an. Unter dem Thema «Mobilität: Wohin geht die Reise?» zeigten Fachpersonen verschiedene Wege in die Mobilitätszukunft auf und richteten dabei den Blick auch auf die Stadt Thun. Nach den Themeninputs stand eine Podiumsdiskussion mit allen Referentinnen und Referenten auf dem Programm. Interessierte aus der Bevölkerung hatten die Möglichkeit, sich via Chat einzubringen und beim Podium «mitzudiskutieren». Die Zuschauerfragen und Antworten der Expertinnen und Experten sind unterhalb des Videos aufgeführt.

Fragen & Antworten

Wann öffnet die Uttigenstrasse?
R. Maurer: Im Sommer 2021 sollten die notwendigen Arbeiten der RUAG an der Uttigenstrasse, welche eine Privatstrasse im Besitz der armasuisse und der RUAG ist, soweit abgeschlossen sein, dass sie für den Veloverkehr geöffnet werden kann.

Kann ich in Zukunft Busticket mit Bikesharing zusammen lösen?
Fachstelle UwEM: Ja, davon ist auszugehen. Abklärungen zwischen Bike-Sharing-Systemanbieter Donkey Republic und ÖV-App Entwicklern laufen.

Ab wann kann ich in Thun mit einer App den Parkplatz bezahlen?
R. Maurer: Ab 5. Januar 2021 mit den beiden Apps Parking Pay und SEPP

Wie ist aktuell die Nutzung Bikesharing in Thun, Anzahl Velos pro Tag?
Fachstelle UwEM: Im Schnitt 1'400 Nutzende pro Monat. Je nach COVID-Massnahmen des Kantons und Bundes variieren die Zahlen stark.

An was ist die Aarequerung Süd bisher gescheitert? Und wer kann das Einbahnregime in Thun aufheben?
R. Maurer: Die Aarequerung Süd ist nicht gescheitert. In der Gesamtverkehrsstudie Agglomeration Thun ist diese im Massnahmenpaket 3 als Variante neben dem Hübelitunnel vorgesehen. Das Massnahmenpaket 3 wird aber erst in Angriff genommen, wenn die Massnahmenpakete 1 und 2 in Betrieb sind und die Notwendigkeit ausgewiesen werden kann. Zur Frage 2 folgende Antwort: Der Kanton auf Antrag der Stadt Thun. Es sei darauf hingewiesen, dass der Grosse Rat des Kantons Bern die Forderung nach dem Aufheben des Einbahnregimes in der Motion 144-2019 Amstutz (Sigriswil, SVP) abgelehnt hat. Somit darf der Oberingenieurkreis I seine Zustimmung zum Aufheben gar nicht erteilen.

Wird es auch andere Sharingfahrzeuge geben? Zbsp. E-Trottinette?
Fachstelle UwEM: Ja, Cargo-Bikes (carvelo2go) und E-Bikes (geplant). E-Trottis sind wegen ihrer kurzen technischen Lebensdauer derzeit zu wenig nachhaltig.

Gesamtpaket: Wollen wir Mobilität zu Google auslagern? Ist dies sinnvoll?
Th. Sauter-Servaes: Nein, als Orchestratoren von Mobilitätsdienstleistungspaketen, welche zukünftig das Besitzauto tatsächlich ersetzen können, sehe ich eher die Städte. Diese haben die notwendige lokale Verankerung und Glaubwürdigkeit bei der Datensicherheit. Sicherlich werden und sollen die Städte keine eigene Software programmieren. Stattdessen werden diese neuen "digitalen Stadtwerke" die Software-Leistung ausschreiben. Die IT-Giganten würden also nicht im Markt um den Mobilitätsendkunden werben, sondern um den befristeten Zuschlag für das Betreiben der von den Städten organisierten Mobilitätsplattformen.

Frage an Frau Hauert: Die Nutzung von Donkey Republic ist ohne Smartphone nicht möglich, stimmt das?
Fachstelle UwEM: Ja

@Bikesharing: was ist mit sicherem Parken hochwertiger Räder. Nicht jeder will schlichte, ungepflegte Leihräder fahren?
Fachstelle UwEM: Hochwertige Velos stellen auf jeden Fall andere Anforderungen an Abstellplätze. Sie werden daher nicht überall zur Verfügung stehen können. Mit dem Flottenmanagement stellt die Stadt Thun sicher, dass Leihvelos gepflegt werden.

Was haben die Bikes für eine Lebenserwartung?
Fachstelle UwEM: Es sind heute nach wie vor zahlreiche Leihvelos mit Jahrgang 2014 in Betrieb. Robustheit und eine lange Lebensdauer sind für die Stadt wichtige Anforderung an die Nachhaltigkeit geteilter Fahrzeuge.

Wann findet das erste slowUp um den Thunersee statt?
Stadtmarketing: Im Jahr 2019 fand bereits ein Gespräch mit dem slowUp-Vertreter statt. Von einer Durchführung rund um den Thunersee wurde allerdings abgesehen. Die Strecke ist einerseits zu lang und auch die Sperrung des rechten Thunerseeufers ist problematisch. Nach wie vor ist es jedoch eine prüfenswerte Idee und es werden Überlegungen angestellt, wie die Umsetzung aussehen könnte.

Bikesharing: Haben Sie kaum Probleme im Zusammenhang mit Vandalismus?
Fachstelle UwEM: Vandalismus kommt vor, ist aber relativ selten. Pro Jahr werden im Schnitt 5 Velos mutwillig beschädigt.

Ist autofreies Wohnen kein Thema?
S. Szentkuti: Auch autoreduziertes oder autofreies Wohnen kann in Thun Thema sein (z.B. im Rahmen grösserer Arealentwicklungen) und wird - wo geeignet - im Rahmen von qualitätssichernden Verfahren und den zu erarbeitenden Betriebskonzepten Mobilität geprüft.

Corona lässt viele Leute wieder aufs Auto umsteigen. Gibt es auch Überlegungen, wie sich der ÖV langfristig anpassen lässt?
Fachstelle UwEM: Die Stadt Thun setzt sich weiterhin für einen attraktiven ÖV ein. So ist eine neue S-Bahnhaltestelle Thun Nord inkl. deren Einbindung ins städtische Busnetz in Planung. COVID-bedingte, Anpassungen des Angebots obliegt den Transportunternehmungen.

Sehr gut, diese Fördermassnahmen für das Velo. Und Massnahmen zur Eindämmung der Autonutzung (Parkgebühren, Reduzierung der Parkplätze,...)?
S. Szentkuti, R. Maurer: Bei Bauvorhaben mit erheblichen Auswirkungen auf das Verkehrsnetz in der Regelbauzone wie auch bei grösseren Arealentwicklungen im Rahmen von ZPP/UeO  wird die Erarbeitung eines Betriebskonzeptes Mobilität im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens eingefordert. Dieses Konzept beinhaltet auch Massnahmen zur Lenkung des motorisierten Individualverkehrs und der Anzahl realisierter Parkplätze.  Parkplätze auf öffentlichem Grund werden in Thun bereits heute flächendeckend bewirtschaftet.

Was wird im Bereich Sicherheit, wie zum Beispiel erhöhter Fahrstreifen, für Velofahrer gemacht?
R. Maurer: Erhöhte Fahrstreifen sind in der Stadt bei den engen Platzverhältnissen wenig sinnvoll und sind in den meisten Fällen gegen die Interessen der Behinderten (Rollstuhlfahrende). Wir setzen vermehrt auf einfache klare Markierungen und optimierte Fahrbahngestaltung, z.B. bei Kreisel.

Gibt es irgendwann eine Zeit ohne Baustellen?
R. Maurer: Nein, das ist unwahrscheinlich.

Ist Verbindung vom Bahnhof in Selve eine solche Vorrangroute?
R. Maurer: Diese Verbindung ist ein Fuss- und Veloweg und hat durch die Lage entlang der Bahn und ohne Kreuzungen keinen Vorrang im eigentlichen Sinn notwendig. E. Gorrengourt: Gemäss Sachplan Veloverkehr liegt diese Verbindung innerhalb eines Vorrangroutenkorridors und kann bei entsprechender Ausgestaltung eine sinnvolle Linienführung darstellen. Dies ist jedoch in einer Korridorstudie zu bestätigen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang insbesondere auch die Lage einer allfällig neuen Aarequerung für den Fuss- und Veloverkehr im Bereich Selve/Schwäbis.

Schade, dass fast nur die Velo-Fragen beantwortet wurden.
Kritik, keine Antwort nötig.