Neues Kunstmuseum: Gemeinderat sieht Potential und grosse Herausforderungen

Basierend auf einem Vorstoss hat der Gemeinderat die Schadaugärtnerei als möglichen Standort für das Kunstmuseum geprüft. Die Machbarkeitsstudie sieht Potential in der visionären Idee, zeigt aber auch Hürden auf, insbesondere bezüglich der Finanzierung. Der Gemeinderat will das Areal vorerst für eine öffentliche kulturelle Nutzung reservieren.

Im Februar 2019 erhielt der Gemeinderat im Rahmen des Postulats 21/2018 vom Stadtrat den Auftrag, vertieft zu prüfen, ob und in welcher Form die Realisierung des Kunstmuseums in der Schadaugärtnerei möglich wäre. Grundsätzlich ist der Gemeinderat der Idee gegenüber positiv eingestellt, zumal er gemäss einem aktuellen Legislaturziel das Gebiet Schadau noch attraktiver gestalten und es schrittweise zu einem vielfältig genutzten, öffentlichen Erlebnisraum entwickeln will. Auch die nun vorliegende Machbarkeitsstudie sieht Potential in einem solchen Projekt, macht aber auch verschiedene Herausforderungen deutlich.

Mehr Platz für Museum mit grösserer Ausstrahlung
Die Machbarkeitsstudie zeigt klar auf, dass eine Neukonzeption des Museums mit einer räumlichen Vergrösserung einhergeht. Ein neues Museum benötigte idealerweise rund dreimal so viel Fläche wie das heutige im Thunerhof. Dadurch würde es stark an Bedeutung gewinnen und sich von einem regionalen zu einem mittelgrossen Schweizer Museum mit grösserer Strahlkraft und höheren Besuchszahlen entwickeln. Mehr Platz ermöglichte grössere Wechselausstellungen ohne zeitweilige Schliessung des Betriebs während des Ausstellungsaufbaus und -abbaus. Zudem erhielte die bestehende Sammlung einen grösseren Stellenwert, indem diese permanent präsentiert werden könnte. Des Weiteren könnten die heutigen Aussenstandorte (Lager, Kunstküche) an einem Ort vereint werden.

Idealer Standort, aber nur mit Anpassung der ZPP realisierbar
Die Studie sieht im Museum in der Schadaugärtnerei aufgrund der einmaligen Lage am See und der unmittelbaren Nähe zum Thun-Panorama, zur Kirche Scherzligen und zum Schloss Schadau viel Potential für eine gegenseitige Befruchtung. Den idealen Standort für das Museum sieht die Studie – aufgrund des Volumens und der Gesamteinbettung – gegenüber der Scherzligkirche. Die bestehenden Bauten der Schadaugärtnerei könnten als Ergänzung oder zur Nutzung von Synergien (z.B. mit einer künftigen Jugendherberge) dienen. Grundsätzlich wäre ein repräsentatives Gebäude mit genügend Abstand zur Wohnsiedlung denkbar und quartierverträglich. Um einen solchen Bau zu ermöglichen, bedarf es jedoch einer Anpassung der ZPP J Schadau. Die Schadaugärtnerei müsste von der Zone W3 in die Zone W4 aufgezont werden, um für Bauten mit kultureller Nutzung eine Fassadenhöhe von 13 Metern zu ermöglichen. (Aktuell ist eine Gebäudehöhe von 10 Metern erlaubt.) Im Rahmen der Mitwirkung zur Ortsplanungsrevision waren die Gebäudehöhen kritisch beurteilt worden. Zu klären wäre zudem die Parkplatzsituation.

Projekt zum heutigen Zeitpunkt finanziell nicht tragbar
Die Machbarkeitsstudie schätzt die Kosten auf rund 35,3 Millionen Franken für die Erstellung des Museums und rund 7 Millionen Franken für eine zusätzliche Einstellhalle (Kostenungenauigkeit von +/- 25 Prozent). Die jährlichen Betriebskosten werden auf 3,84 Millionen Franken geschätzt. Ein neues Museum führte grundsätzlich zu Mehraufwänden, die mit den üblichen Einnahmenquellen (Ticketverkauf, Shop, Events) nicht gedeckt werden könnten. Die Grundinvestitionen wären für den Thuner Finanzhaushalt nur mit einer Verschuldung oder Steuererhöhung tragbar. Wie in den meisten Museumsprojekten wäre daher eine externe Finanzierungshilfe (Privatpersonen, Stiftungen, Unternehmen) nötig, auch für den künftigen Betrieb.

Fazit: Areal für öffentliche kulturelle Nutzung wird reserviert
Ein öffentlich zugänglicher Bau mit kultureller und touristischer Ausrichtung könnte die Schadaugärtnerei zum attraktiven Ausflugsziel machen. Von diesem bedeutenden Standortfaktor könnten die Stadt und ihre Bevölkerung, die Wirtschaft und der Tourismus gleichermassen profitieren. Der Gemeinderat gibt jedoch die oben aufgeführten Herausforderungen zu bedenken wie die Finanzierung, Anpassung des Zonenplans bzw. die notwendige Gebäudehöhe. Ungeklärt ist zudem auch die Frage, was nach dem Auszug des Kunstmuseums mit dem Thunerhof geschehen würde. Trotz dieser Hürden und der aktuell ungewissen Finanzierbarkeit will der Gemeinderat die Chancen für eine allfällige Realisierung dieses visionären Projekts aufrechterhalten. Er hat deshalb beschlossen, das Areal vorläufig für eine entsprechende öffentliche kulturelle Nutzung zu reservieren. Die Kulturabteilung wurde beauftragt, Reaktionen und Rückmeldungen zur Idee des Kunstmuseums in der Schadaugärtnerei zu sammeln und zuhanden des Gemeinderats auszuwerten. Gleichzeitig sollen auch andere Ideen weiterverfolgt werden. Im Rahmen der Prüfung des Postulats P17/2020 wird beispielsweise die Realisierung einer Jugendherberge geprüft, welche auf der Restfläche angesiedelt würde.