Sanierter Durchgangsplatz für Fahrende in Allmendingen eingeweiht

In den letzten Monaten wurde der seit 1990 bestehende Durchgangsplatz für Fahrende in Thun-Allmendingen einer Totalsanierung unterzogen. Heute Donnerstag konnten ihn Behördenvertreter von Stadt und Kanton anlässlich einer kleinen Feier zur Benützung freigeben. Neu wird der Platz das ganze Jahr offen gehalten. Er soll wie bis anhin in erster Linie Schweizer Fahrenden zur Verfügung stehen. Damit leisten die Stadt Thun und der Kanton einen Beitrag gegen den immer noch herrschenden Mangel an Durchgangsplätzen für Fahrende in der Schweiz. Die Sanierungskosten wurden vollumfänglich vom Kanton getragen, die Stadt übernimmt die Betriebskosten.

 

„Dank einem sehr guten Zusammenspiel zwischen Kanton und Stadt auf allen Ebenen ist es gelungen, innerhalb kurzer Zeit eine Lösung zu erarbeiten und umzusetzen“, freut sich Gemeinderat Peter Siegenthaler, Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales, auf die heutige Einweihung des frisch sanierten Durchgangsplatzes für Fahrende in Thun-Allmendingen. An der Feier anwesend sein wird auch Regierungsrat Christoph Neuhaus, kantonaler Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor. Der Kanton hat die Kosten für die Sanierung des Platzes übernommen, während die Stadt für die Betriebskosten aufkommen wird. Der Sanitärtrakt wurde in den letzten drei Monaten vollständig erneuert und bietet neben Toiletten nun auch Duschen an. Ebenfalls neu konzipiert wurde die Stromversorgung. Um den Platz zu schützen, wurde er umzäunt. Er bietet wie bis anhin Platz für rund 15 Wohneinheiten. Der Strombezug und die Kosten für die Duschenbenützung können neu verbrauchsabhängig verrechnet werden.

 

Siegenthaler: „Fahrende sollen Durchgangsplatz rege aufsuchen“

Die Stadt Thun betreibt in Thun-Allmendingen seit 25 Jahren einen Durchgangsplatz vorwiegend für Schweizer Fahrende. „Mit der Sanierung wollen wir auch zeigen, dass uns die Anliegen von anerkannten Minderheiten wichtig sind“, sagt Peter Siegenthaler. „Im Gegenzug erwarten wir von den Fahrenden, dass sie den Thuner Durchgangsplatz rege aufsuchen, dabei zur Infrastruktur Sorge tragen und natürlich die Platzordnung einhalten.“

 

Kostendach wird eingehalten

Das vom Kanton vorgegebene Kostendach von 435‘000 Franken für die Sanierung (s. Communiqué vom 17. Sept. 2014) konnte eingehalten werden und kann gemäss einer provisorischen Abrechnung sogar unterschritten werden. Regierungsrat Christoph Neuhaus schätzt das Engagement der Stadt Thun ganz besonders: „Halteplätze für Fahrende können nur in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kanton, den Gemeinden und den Fahrenden realisiert werden. Der Platz in Thun ist ein erfolgreiches Beispiel einer solchen Zusammenarbeit.“ Frühzeitig einbezogen wurde auch der Vorstand des Allmendingen-Quartierleists. Da der frühere Betrieb des Durchgangsplatzes keine nennenswerten Probleme schuf, unterstützte der Quartierleist auch die Sanierung.

 

 

 

Stadt arbeitet in kantonaler Arbeitsgruppe mit

 

Die Schweiz ratifizierte im Jahr 1998 das Rahmenübereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten. Die Fahrenden beklagen sich seit Jahren über fehlende Stand-, Durchgangs- und Transitplätze in der Schweiz. Im Kanton Bern wurde im Jahr 2006 eine Arbeitsgruppe für die Anliegen der Fahrenden ins Leben gerufen, mit dem Ziel, auch im Kanton Bern Plätze für Fahrende zu realisieren. Auch die Stadt Thun ist in der Arbeitsgruppe vertreten. Eine Umfrage in den Gemeinden ergab 2008, dass kaum eine Gemeinde bereit war, Terrain zur Verfügung zustellen. Lange Zeit zeichnete sich keine Lösung ab.

 

Die Stadt Thun erklärte sich 2012 bereit, den Durchgangsplatz in Thun-Allmendingen das ganze Jahr offenzuhalten, sofern der Kanton Bern die dringend erforderliche Sanierung des Platzes finanziert. Der Kanton stimmte dieser Lösung zu. Gegen das Baugesuch im vergangenen Sommer gingen keine Einsprachen ein.

 

 

Auskünfte an die Redaktionen:

 

  • Gemeinderat Peter Siegenthaler, Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales der Stadt Thun, Tel. 079 208 27 93
  • Regierungsrat Christoph Neuhaus, Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor des Kantons Bern, Tel. 031 633 76 76

 

 

Thun, 11. Juni 2015