Thuner Stimmvolk entscheidet über die Zukunft der Hofgruppe Goldiwil-Melli

Aufgrund des zustandegekommenen Referendums befinden die Thuner Stimmberechtigten am 24. September 2017 über die Überbauungsordnung „Goldiwil-Melli“. Gemeinderat und Stadtrat empfehlen, die Vorlage anzunehmen, damit die Liegenschaften der Hofgruppe saniert oder als Wohngebäude sanft umgenutzt werden können.

Die Überbauungsordnung „Goldiwil-Melli“ schafft die Voraussetzungen für die Sanierung und Umnutzung der bestehenden Bauten der Hofgruppe Melli. Sie ermöglicht eine massvolle und sorgfältige Erweiterung im Sinne der Siedlungsentwicklung nach innen. Letztere geschieht vor dem Hintergrund des sensiblen Ortes entsprechend zurückhaltender als in den städtischen Teilen Thuns. Das ländliche Ortsbild sowie die Verkehrssicherheit werden gewahrt, der nahe gelegene Schiessbetrieb wird nicht beeinträchtigt. Der Thuner Gemeinderat sowie der Stadtrat empfehlen den Stimmberechtigten, der Überbauungsordnung am 24. September zuzustimmen.

Ziel des Gemeinderates: mehr Wohnungen schaffen

Die heutige Leerwohnungsziffer in Thun beträgt 0,22 Prozent und ist damit im schweizweiten Vergleich sehr tief. Es ist ein erklärtes Ziel des Gemeinderates, die Anzahl Wohnungen zu erhöhen. Dies hat er in der Wohnstrategie festgehalten. Für die Umsetzung dieses Ziels ist der Gemeinderat auf Private angewiesen, die investieren und Wohnungen bauen. Deshalb betreibt die Stadt eine aktive Bodenpolitik und will für Investorinnen, Grundeigentümer, Institutionen, Bau- und Immobilienfirmen, Wohnbaugenossenschaften und für andere die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen schaffen – so auch in Goldiwil-Melli.

Heutiges Nutzungsmass verunmöglicht sinnvolle Entwicklung

Nach dem Wegzug der holzverarbeitenden Betriebe äusserte die Stadt Thun bereits 2001 im Rahmen der letzten Ortsplanungsrevision die Absicht, die Hofgruppe einer Wohnnutzung zuzuführen. Ein 2013/14 durchgeführtes Gutachterverfahren in Begleitung von städtischen und externen Fachleuten lotete die Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung im Melli aus. Es zeigte sich, dass das heutige Nutzungsmass der Zone mit Planungspflicht ZPP Z „Goldiwil-Melli“ eine sinnvolle und aus städtebaulicher Sicht gute Weiterentwicklung verunmöglicht. Deshalb wurde beschlossen, die ZPP aufzuheben und durch die Überbauungsordnung zu ersetzen. Bezüglich der Höhe der künftigen Gebäude ändert sich nichts. Es sind jedoch, statt wie bisher zwei Geschosse plus ein Dachgeschoss oder ein Attikageschoss, in Zukunft drei Vollgeschosse möglich – allerdings ohne weitere Dach- oder Attikageschosse. Insgesamt beinhaltet die Überbauungsordnung deutlich mehr Regelungen, als dies in einer „normalen“ Bauzone der Fall wäre. Die Grundeigentümerschaft wird nicht bevorteilt.

Die Bevölkerung konnte mitreden

Das kantonale Baugesetz schreibt für eine solche Änderung des Zonenplans die öffentliche Mitwirkungsmöglichkeit vor. Mit der nun vorliegenden Planung hat die Grundeigentümerschaft in Zusammenarbeit mit der Stadt Thun – auf eigene Kosten – diese Planungspflicht erfüllt. Von Dezember 2014 bis Januar 2015 fand die öffentliche Mitwirkung statt und im Herbst 2016 die Planauflage. Während erstere eine anonyme Eingabe hervorbrachte, wurde in der Planauflage eine Einsprache von privater Seite erhoben. Der Stadtrat hat der Planung am 16. Februar 2017 mit 24 zu 13 Stimmen und einer Enthaltung zugestimmt. Auch der Kanton Bern hat die Unterlagen geprüft und in seinem Bericht die Zustimmung zur Planung in Aussicht gestellt. Aufgrund des zustande gekommenen Referendums befinden am 24. September die Thuner Stimmberechtigten über die Vorlage.

Überbauungsordnung schafft Planungs- und Rechtssicherheit

Eine Ablehnung der Überbauungsordnung hätte für die Eigentümerschaft weitreichende Folgen: Da das Planungsresultat und damit auch die aufgebrachten Kosten für das aufwändige Verfahren verloren gingen, stünde sie wieder ganz am Anfang. Denn die demnach gültige ZPP würde für die Realisierung von Projekten weiterhin eine Überbauungsordnung erforderlich machen. Eine Ablehnung hätte aber auch für die Stadt Thun Folgen. Neben der fehlenden Umsetzbarkeit der Ziele – nämlich der angestrebte Aufwertung und Umnutzung der Hofgruppe – litte insbesondere die Planungssicherheit und damit das Vertrauen der Grundeigentümerinnen und -eigentümer in anderen Planungsgebieten der Stadt darunter.