Alkohol- und Tabakverkauf: Betreiber von Thuner Tankstellenshops wurden an einer Tagung für den Jugendschutz sensibilisiert

Im Rahmen einer Fachtagung unter dem Patronat der Schweizerischen Erdöl-Vereinigung setzten sich Betreiber von Thuner Tankstellenshops mit dem Thema Jugendschutz beim Verkauf von alkoholischen Getränken und Tabakwaren auseinander. Das Gewerbeinspektorat Thun, die Fachstelle Berner Gesundheit und das Regierungsstatthalteramt Thun orientierten über geltende und neue gesetzliche Bestimmungen, Sanktionsmöglichkeiten und Verhaltensregeln. Unter anderem dürfen Tabakwaren seit Anfang Jahr nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden.

Der Thuner Gewerbeinspektor, Reto Keller, schlug letztes Jahr Alarm: Auch die Stadt Thun muss sich vermehrt mit Klagen von Anwohnern und Geschäftsleuten über Lärm, Vandalismus, Verunreinigungen und Gewalt auseinandersetzen. Beobachtungen haben gezeigt, dass Jugendliche alkoholische Getränke des Öfteren in Tankstellenshops oder in bahnhofnahen Geschäften einkaufen und danach auf öffentlichen Plätzen konsumieren. Die Verpackungen und Flaschen werden kaum jemals ordnungsgemäss entsorgt und zwischen Urin, Kot und Erbrochenem liegen gelassen. Die Stadt Thun hat deshalb den Tankstellenshopbetreibern und Geschäften mit verlängerten Öffnungszeiten Sanktionen angedroht. Daraufhin organisierte der Geschäftsführer der Schweizerischen Erdöl-Vereinigung, Rolf Hartl, eine Fachtagung für die Betreiber von Tankstellenshops. Der Anlass fand diese Woche in Thun statt.

Rolf Hartl wies die Tagungsteilnehmer darauf hin, dass die Tankstellenshopbetreiber rund um das Einhalten der Jugendschutzbestimmungen ihren Beitrag leisten wollen. Die Durchsetzung der Ausweispflicht ist seiner Ansicht nach letztlich eine reine Willensfrage. Chefs von Unternehmen und Shops müssen ihren Angestellten immer wieder den Rücken stärken. Es ist aber laut Hartl nicht Sache der Branche, Nacherziehungsarbeit zu leisten. Diese Aufgabe gehöre ohne Wenn und Aber in den Zuständigkeitsbereich der Eltern. Ebenso plädierte er dafür, auch die Gastgewerbebetriebe, die anderen Verkaufsgeschäfte und die Betreiber von Festwirtschaften in die Pflicht zu nehmen.

Regierungsstatthalter Bernhard Wyttenbach zeigte auf, dass die Einweisungen im Rahmen des Fürsorgerischen Freiheitsentzugs von Jahr zu Jahr zunehmen. 70 % der Einweisungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit übermässigem Alkoholkonsum. Der Regierungsstatthalter unterstrich deshalb die Wichtigkeit der Bemühungen rund um den Jugendschutz.

Alkoholführende Gastgewerbebetriebe und Verkaufsstellen sowie Betreiber von Festwirtschaften müssten die gesetzlichen Bestimmungen rund um den Jugendschutz besser einhalten, so der Regierungsstatthalter. Bewilligungsinhaber, die sich nicht an die Vorschriften halten, müssen mit Sanktionen - Verweis, befristetes Alkoholverkaufsverbot bis hin zu einer definitiven Betriebsschliessung - rechnen. Zudem wird Strafanzeige erstattet.

Der Thuner Gewerbeinspektor Reto Keller, nahm anhand von eindrücklichen Bildern zu den Folgen von Vandalismus und Verunreinigung eine Lagebeurteilung in der Stadt Thun vor. Er gab zudem einen Überblick über die geltenden gesetzlichen Bestimmungen auf den Stufen Bund und Kanton. Im Weiteren berichtete er über die Erfahrungen rund um die getätigten Testkäufe im Jahr 2006. Die Tests werden im Jahr 2007 fortgeführt.

Tabakverkauf neu erst ab 18 Jahren
Wie Reto Keller weiter orientierte, wurde das kantonale Gesetz über Handel und Gewerbe per 1. Januar 2007 rund um die Werbung zu Suchtmitteln und Tabakverkauf verschärft. Neu darf kein Tabak mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden. Zusätzlich wird die Weitergabe alkoholischer Getränke oder von Tabak an Kinder und Jugendliche unter Strafe gestellt. Suchtmittelwerbung auf öffentlichem Grund sowie auf von diesem einsehbarem privatem Grund ist neu verboten.

Klarer Auftritt gegenüber Jugendlichen
Roland Petschen, Psychologe bei der Berner Gesundheit, zeigte die Folgen auf, wenn Jugendliche saufen. Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Das sogenannte "Kampfsaufen" bildet ein neues Phänomen, mit dem sich die Fachleute auseinandersetzen müssen.

Damit die Jugenschutzbestimmungen möglichst wirkungsvoll umgesetzt werden können, braucht es klare Regeln, Unterstützung durch den Vorgesetzten, Selbstsicherheit, Fachwissen, Sozialkompetenz und Weiterbildung. Auch Kontrollen und Sanktionen sind notwendig. Im Rahmen von Rollenspielen erhielten die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer Gelegenheit, richtiges Verhalten im Umgang mit schwierigen KundInnen und Kunden zu üben.

Weitere Verbesserungen geplant
Folgende Massnahmen werden  bereits angewendet:
Alkoholverkauf nur gegen Vorlage eines rechtsgültigen amtlichen Ausweises (Identitätskarte oder Pass);
Einheitlicher Auftritt bzw. einheitliche Plakate zu den Abgabeverboten;
aufende und umfassende Orientierung und Sensibilisierung des Verkaufspersonals.

Folgende Verbesserungen sind geplant oder werden noch geprüft:

  • Anpassung der Kassensysteme, die eine bessere Überprüfung der Alterslimiten erlauben
  • regelmässige Schulungen in Zusammenarbeit mit der Berner Gesundheit und der Behörden für das Verkaufspersonal
  • Einführung brancheninterner Testkäufe
  • weiter verstärkte Öffentlichkeitsarbeit

Auskünfte an die Redaktionen:

  • Reto Keller, Gewerbeinspektor, Tel. 079 311 12 60
  • Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung, Tel. 044 218 50 10
  • Bernhard Wyttenbach, Regierungsstatthalter, Tel. 033 227 69 01
  • Roland Petschen, Psychologe, Berner Gesundheit, Tel. 033 225 44 00

Thun, 19. Januar 2007