Parking im Schlossberg: Parlament entscheidet über Investitionsbeitrag und Planung

Der Thuner Stadtrat stellt am 23. August zwei entscheidende Weichen zur Realisierung einer Parkieranlage im Innern des Schlossbergs. Es geht um einen städtischen Beitrag von 6 Mio. Franken an das auf 40 bis 45 Mio. Franken veranschlagte Parking sowie um die planerischen Voraussetzungen, welche für die Realisierung des Parkings geschaffen werden müssen.

Der Thuner Gemeinderat möchte die Attraktivität der Thuner Innenstadt gezielt erhöhen und dadurch das Stadtzentrum als Einkaufs- und Wohnort gesamthaft stärken. Voraussetzungen dazu sind möglichst verkehrsarme Altstadtgassen und Plätze sowie gute Fusswegverbindungen, aber auch genügend Parkplätze an der Peripherie der Innenstadt. Der Gemeinderat will deshalb die bestehenden öffentlichen Parkhäuser "City West" (Aarestrasse) und "City Nord" (Grabenstrasse) sowie ein geplantes Angebot in Bahnhofnähe (Mönchstrasse) durch ein Parking "City Ost" ergänzen, das im Innern des Schlossberges realisiert werden soll. Gleichzeitig ist gemäss der Parkraumplanung der Stadt vorgesehen, die heutigen oberirdischen öffentlichen Parkplätze in der Innenstadt zum Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Parkings grösstenteils aufzuheben und umzunutzen – beispielsweise für Aussenrestaurants, Aussenverkauf, Behindertenparkplätze, zusätzliche Veloparkplätze oder für Warenumschlag. Bauen und mehrheitlich über Parkiergebühren finanzieren wird die Anlage mit etwa 350 Parkplätzen die Parkhaus Thun AG. Hauptaktionärin der Parkhaus Thun AG ist mit einer Beteiligung von 57 Prozent die Stadt, die jedoch bisher keine Parkhaus-Projekte mitfinanziert hat.

Der Gemeinderat stellt nun dem Stadtrat an dessen Sitzung vom 23. August 2012 zwei Anträge:

Einen städtischen Investitionsbeitrag in der Höhe von 6 Mio. Franken an die Gesamtkosten von 40 bis 45 Mio. Franken. Stimmt der Stadtrat zu, werden die Stimmberechtigten am 25. November 2012 ebenfalls darüber befinden. Die 6 Mio. Franken hat der Stadtrat bereits 2011 aus dem guten Rechnungsergebnis 2010 zurückgestellt.

Eine Zonenplanänderung bzw. eine Überbauungsordnung, die es ermöglicht, im Innern des Schlossbergs im Untertagbau ein Parking zu erstellen, ohne die oberirdischen Anlagen, Liegenschaften und Gärten zu beeinträchtigen. Rechtlich und planerisch ermöglicht werden dadurch auch eine Zufahrt ab einem neuen Kreisel im Norden (ab der Burgstrasse) sowie Fusswegverbindungen vom Parking direkt in die Hauptgasse und zum Spital sowie ein Lift auf den Schlossberg.

Möglicherweise zwei Volksabstimmungs-Vorlagen

Sollte gegen die Zonenplanänderung das Referendum ergriffen werden, würde auch über diese am 25. November 2012 abgestimmt.

An guter Lage am Rand der Innenstadt

Das zusätzliche Parking im Schlossberg ist nach Überzeugung des Gemeinderates sinnvoll und nötig, weil in der Nähe der Oberen und Unteren Hauptgasse und allgemein am Ostrand der Altstadt schon heute Parkiermöglichkeiten fehlen. „Das neue Parking ergänzt den Ring der Parkieranlagen um die Innenstadt optimal, ist vom rechten Thunerseeufer und vom Osten der Stadt leicht erreichbar und entlastet so die Innenstadt von unnötigem Verkehr.“, sagt Gemeinderätin Marianne Dumermuth, Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung. „Die Umnutzung der oberirdischen Parkfelder wird zudem die Lebensqualität in der Innenstadt markant erhöhen.“ Die Parkieranlage im Schlossberg wird auch nach Realisierung der grossräumigen Umfahrung Thuns ab 2017, wenn der sogenannte Bypass Nord realisiert sein wird, an einem verkehrsmässig günstigen Ort liegen. Es könnte im selben Jahr wie der Bypass Nord eröffnet werden.

Finanz- und verkehrspolitisch günstiger Zeitpunkt

Aus finanzpolitischer Sicht sind sowohl der Gemeinderat wie auch die Parkhaus Thun AG davon überzeugt, dass der Zeitpunkt angesichts der tiefen Bankzinsen kaum je wieder so günstig sein dürfte. „Diese Chance sollten wir nun nutzen“, betont Stadtpräsident und Finanzvorsteher Raphael Lanz mit Blick auf die lange Vorgeschichte der Parkhausplanung in Thun. 2001 hatten die Stimmberechtigten einen Parkhausring mit einem neuen Parking unter der Aare abgelehnt. Zu Widerständen hatte damals unter anderem die geplante Aufhebung der oberirdischen Parkfelder geführt. Der Aufhebung und Umnutzung zum Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Parkings haben nun die Geschäftsleute der Innenstadt-Genossenschaft (IGT) sowie die Regionalgruppe Thun-Oberland des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) in einer Acht-Punkte-Vereinbarung mit dem Thuner Gemeinderat zugestimmt.

Auch neue Schlossberg-Nutzungen sollen profitieren

Vorteilhaft gelegen ist das künftige Parking auch mit Blick auf die Belebung des Schlossbergs durch die Schlossberg Thun AG. Der Belper Unternehmer Hans-Ulrich Müller wird die Schlossliegenschaften – ausser dem alten Donjon – als Baurechtsnehmer frühestens ab Herbst dieses Jahres umbauen und neu nutzen. Kernelemente sind eine Erweiterung des Schlossmuseums mit neuem Empfangsbereich, ein Restaurant, eine Winebar sowie Veranstaltungs- und Schulungsräume für KMU (kleine und mittlere Unternehmungen) im Neuen Schloss. Aus dem Alten Gefängnis wird ein Hotel entstehen, im ehemaligen Statthalterhaus sowie im benachbarten Abzugshaus werden Wohnungen angeboten. Zusätzlich wird im ehemaligen Statthalterhaus eine bereits heute eingemietete Kindertagesstätte (KITA) definitiv Platz finden.

Auskünfte an die Redaktionen:

  • Stadtpräsident Raphael Lanz, Vorsteher der Direktion Präsidiales und Finanzen, Tel. 033 225 82 15
  • Gemeinderätin Marianne Dumermuth, Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung, Tel. 033 225 85 96