Mittelzone mit blauen Wellen hat sich bewährt und bleibt vorerst als Übergangslösung

In der Stadt Thun ist der vor einem Jahr gestartete Verkehrsversuch mit einer Mittelzone aus auffälligen blauen Wellenlinien zwischen Guisanplatz und Sternenplatz erfolgreich verlaufen. Dies zeigen Videoaufnahmen und Verkehrszählungen. Da die Fussgänger überall queren können, läuft der Verkehr flüssiger. Der Gemeinderat hat deshalb entschieden, die Mittelzone mit den blauen Wellen als Übergangslösung bis zur definitiven Strassenraumgestaltung zu belassen.

 

Ein Jahr dauert nun der am 22. August 2011 lancierte Verkehrsversuch mit einer auffällig markierten Mittelzone im Strassenabschnitt Guisanplatz bis Sternenplatz (Allmendbrücke – Kuhbrücke) in der unteren Thuner Innenstadt. Gekennzeichnet ist die Mittelzone, die an Stelle der drei Fussgängerstreifen markiert wurde, mit blauen Wellenlinien. Sie sollen Fussgängern das Queren der Strasse erleichtern. Die Fussgänger haben nicht mehr automatisch Vortritt. Es gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Videoaufnahmen und Verkehrszählungen belegen nun: Der gewünschte Effekt ist eingetreten. Die neue, durch Aufmerksamkeit, Höflichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme geprägte Verkehrskultur nach dem Motto "Syt so guet" hat sich im 160 Meter langen Versuchsabschnitt gut eingespielt. Der Thuner Gemeinderat hat von den positiven Resultaten und den Empfehlungen des Tiefbauamtes und der externen Berater Kenntnis genommen und entschieden, die Mittelzone mit den blauen Wellen vorerst als Übergangslösung bis zur definitiven Strassenraumgestaltung zu belassen.

 

Frühere positive Resultate haben sich bestätigt

Die Begleitgruppe zum Verkehrsversuch Mittelzone Innenstadt mit Vertretungen der regionalen Verkehrsorganisationen Pro Velo, TCS und VCS, den Verkehrsbetrieben STI, der City-Vereinigung Innenstadt-Genossenschaft Thun (IGT), der Kantonspolizei und des Oberingenieurkreises I nahm bereits Ende 2011 erste Erkenntnisse aus den Erhebungen positiv auf (vgl. Communiqué vom 6. Dezember 2011). Nun hat sich die damalige Beurteilung bestätigt:

·              Die Verkehrssituation zwischen Guisanplatz und Sternenplatz hat sich wesentlich entspannt. Der Verkehr läuft flüssiger, mit weniger Stau- und Stop-and-go-Situationen.

·              Die zu Fuss Gehenden überqueren die Strasse auf der gesamten Länge des Versuchsperimeters, oft losgelöst von den früheren Standorten der Fussgängerstreifen. Sie bewegen sich näher an der jeweiligen Wunschlinie, ohne Umwege über die Fussgängerstreifen. Das flächige Queren vermindert die vorher markanten Stausituationen.

·              Das Prinzip "miteinander statt nacheinander" wirkt. Mit dem Auto braucht man heute vom Guisanplatz bis zum Sternenplatz im Durchschnitt 40 Sekunden. Vor dem Versuch benötigte man bei Anwesenheit des Verkehrsdienstes 47 Sekunden, resp. 55 ohne Verkehrsdienst.

·              Die verbesserte Durchfahrtssituation geht nicht zu Lasten der Fussgänger. Im Durchschnitt überquert ein Fussgänger die Strasse bereits nach zwei Sekunden, fast gleich schnell wie vorher am Fussgängerstreifen mit Vortritt und wesentlich schneller als am Fussgängerstreifen mit Verkehrsdiensten.

·              85 Prozent der Fahrzeuge fahren im Wochendurchschnitt mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h oder langsamer. Tagsüber liegt dieser Wert bei rund 25 km/h. Von den rund 200'000 innert jeweils zwei Wochen gemessenen Fahrzeugen fuhren nur knapp 150 über 50 km/h (0.07 %).

·              Die auffällige und wahrnehmbare Strassenraumgestaltung vermittelt den Verkehrsteilnehmenden, dass sie sich in einem Bereich mit vielfältigen Nutzungen und Bedürfnissen befinden. Es wird gefahren, gelaufen, gequert und abgebogen. Die Gestaltung beeinflusst das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmenden wesentlich wirksamer als Geschwindigkeitssignalisationen.

·              Insbesondere für Linienbusse ist die flüssigere Verkehrssituation ein grosser Vorteil. Sie werden deutlich weniger durch Stau behindert.

·              Bei der Kantonspolizei sind keine Rückmeldungen und Reklamationen eingegangen. Unfälle wurden keine registriert.

·              Velofahrenden ermöglicht die Mittelzone das problemlose Linksabbiegen, z. B. zu den Abstellplätzen.

·              Auch Personen, die vorher kritisch eingestellt waren, haben die Vorteile der neuen Verkehrslösung erkannt und stehen nun hinter dem Versuch.

 

Mittelzone wird auch andernorts in der Stadt geprüft

In einem nächsten Schritt werden nun bis 2013 Vorprojekte für die Strassenraumgestaltungen der beiden aarequerenden Achsen in der Thuner Innenstadt vom Guisanplatz bis zum Berntorplatz (Unteres Bälliz – Marktgasse – Untere Hauptgasse mit Schwäbisgasse) und vom Maulbeerplatz bis zum Lauitor (Freienhofgasse – Obere Hauptgasse) ausgearbeitet. Dabei werden die Resultate des Verkehrsversuches berücksichtigt. Das Element der Mittelzone soll weiterverfolgt werden.

 

Bypass Thun Nord und Einbahn zur künftigen Entlastung

Mit dem Bypass Thun Nord als Kernelement des Agglomerationsprogrammes erhält die Region Thun ab etwa 2018 eine neue Brücke über die Aare und damit die einmalige Chance, die Thuner Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Die zwingende Begleitmassnahme einer Einbahn-Regelung in der Thuner Innenstadt soll den Durchgangsverkehr auf den Bypass lenken. Die Verkehrsentlastung erlaubt es, die innerstädtischen Verkehrsräume an die heutigen und zukünftigen Verhältnisse, Bedürfnisse und Funktionen der Thuner Innenstadt als Arbeits-, Einkaufs- und Wohnort anzupassen resp. aufzuwerten. Bund und Kanton beteiligen sich im Rahmen des Agglomerationsprogrammes mit rund 1 Mio. Franken an den voraussichtlichen Kosten von 1.5 Mio. Franken für die Strassenraumgestaltung und den Einbahnverkehr.

 

Regeln, die den Verkehr flüssig halten

 

Wer folgende einfachen Regeln befolgt, hilft mit, den Verkehr insbesondere in der Thuner Innenstadt flüssig zu halten:

-          Seien Sie aufmerksam.

-          Halten Sie Blickkontakt, und geben Sie Handzeichen.

-          Fahren Sie mit angepasster Geschwindigkeit.

-          Lassen Sie eine Lücke zum vorderen Fahrzeug.

-          Verlangsamen Sie die Fahrt, und ermöglichen Sie den Fussgängern das Überqueren der Strasse.

-          Halten Sie auch mal an.

 

Weitere Informationen

·       Verkehrsversuch, Zusammenfassung und Bilanz: www.thun.ch/verkehrsversuch

 

Auskünfte an die Redaktionen

 

·       Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Lie-genschaften, Tel. 033 225 83 35

·       Rolf Maurer, Stadtingenieur, Tiefbauamt, Tel. 033 225 83 52

 

Thun, 21. August 2012