Sichere Kleingewässer: 73 Brunnen, Teiche und Biotope überprüft

Idyllisches, aber gefährliches Nass – Brunnen, Teiche und Biotope sehen zwar harmlos aus, können aber für Kleinkinder eine grosse Gefahr darstellen. Deshalb hat die Direktion Bau und Liegenschaften der Stadt Thun den bfu-Sicherheitsdelegierten insgesamt 73 Kleingewässer überprüfen lassen. Gut die Hälfte der Kleingewässer erfüllten die bfu-Empfehlungen nicht ganz. Nach einer Risikoabschätzung wurden jedoch nur zwei Brunnen und zwei Teiche baulich angepasst. Der Gemeinderat setzt auf Aufklärung und appelliert an die Eigenverantwortung der Eltern und der Lehrkräfte.

 

Nachdem im Juni 2011 in Bregenz ein zweijähriger Knabe auf tragische Art in einem Brunnen ertrunken war, überprüfte die Direktion Bau und Liegenschaften der Stadt Thun vorsorglich alle öffentlichen Brunnen, Biotope und Teiche auf Thuner Boden auf ihre Sicherheit. Jetzt im Frühling, wenn die Temperaturen wieder steigen und auch Kinder sich wieder vermehrt ins Freie begeben, werden Fragen der Sicherheit und der Unfallgefahren wieder aktueller. Insgesamt hat der bfu-Sicherheitsdelegierte der Stadt Thun 73 Kleingewässer untersucht. Dabei zeigte sich, dass lediglich 35 Werke die von der bfu und der SIA empfohlenen Abmessungen (siehe Kasten) erfüllten. Aufgrund dieser Erkenntnisse liess der Thuner Gemeinderat abklären, bei welchen Kleingewässern bauliche Massnahmen vorgenommen werden sollten, um vor allem Kleinkinder im Vorschulalter bis 6-jährig und ältere, gebrechliche Menschen ab 65 Jahren zu schützen.

 

Risikoabschätzung bei allen kritischen Kleingewässern

Bei jedem einzelnen jener 38 Werke,die bei der ersten Überprüfung nicht alle Empfehlungen erfüllten, wurde eine Risikoabschätzung vorgenommen. Die Umsetzung baulicher Massnahmen sollte nach den Vorgaben des Gemeinderates nicht nur nach strikten gesetzlichen Vorschriften, sondern auch nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und der Verhältnismässigkeit erfolgen. Gleichzeitig galt es zu beachten, dass viele Werke unter Denkmalschutz gestellt sind. In Abwägung aller Faktoren wurden schlussendlich nur zwei Brunnen in Schulanlagen und zwei Teiche auf dem Areal der Musikschule Region Thun baulich angepasst. Bei den beiden Brunnen wurden Gitterroste eingebaut. Der kleine Teich bei der Musikschule wurde mit Steinen aufgefüllt, der grosse mit Warnschildern versehen. Gleichzeitg wurden die Nutzer sensibilisiert. Die Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen kostete letztlich nur noch 5‘000 Franken. Budgetiert gewesen waren rund 80‘000 Franken.

 

„Zeichen in Richtung Eigenverantwortung“

„Mit einer vernünftigen Umsetzung von technischen Sicherheitsmassnahmen soll ein Zeichen in Richtung Eigenverantwortung gesetzt werden“, sagt Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften. „Wir möchten nicht einfach pauschal bei allen Gefahrenstellen Massnahmen umsetzen, sondern vermehrt wieder die Bevölkerung – insbesondere Eltern und Lehrkräfte – an ihre Mitverantwortung erinnern."

 

Teil der Sicherheit im öffentlichen Raum

Die nun erfolgte Überprüfung der Kleingewässer dient der Sicherheit im öffentlichen Raum. Dazu gehören auch sichere und attraktive Verkehrs- und Schulwege, freundliche und beleuchtete Unterführungen sowie sicherheitskonforme Spielplätze.

 

 

Empfehlungen der bfu und der SIA

 

Als Grundlage zur Beurteilung von Brunnen und Biotopen wurde die bfu-Dokumentation "Gewässer" und die Dokumentation "Unfallsicherheit von Hochbauten" der SIA (Schweiz. Ingenieur- und Architektenverein) angewandt . Die Wassertiefe darf maximal 20 cm betragen. Bei Brunnen muss die Höhe des Brunnenrandes mindestens 75 cm betragen. Dieses Mass gilt sinngemäss auch für Biotope und Teiche. Schon eine geringe Wassertiefe kann für Kleinkinder eine tödliche, nicht erkennbare Gefahr darstellen. Einmal untergetaucht, sind Kleinkinder wegen der noch ungeübten Muskulatur auch bei geringer Wassertiefe nicht in der Lage, ihren recht schweren Kopf aus dem Wasser zu heben. Aber auch ältere und gebrechliche Menschen sind gefährdet.

 

Weitere Informationen: www.bfu.ch – Gewässer Dok bfu 2.026

 

 

Auskünfte an die Redaktionen:

 

  • Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften, Tel. 033 225 83 33
  • Toni Zimmermann, bfu-Sicherheitsdelegierter der Stadt Thun, Tiefbauamt, Tel. 033 225 83 60

 

Thun, 14. März 2014

Dieses Gitter in einem Brunnen bei der Schulanlage Dürrenast verhindert, dass kleine Kinder in zu tiefes Wasser geraten.
Eine Warntafel bei einem Teich bei der Musikschule Region Thun fordert dazu auf, Kinder nie unbeaufsichtigt ans Wasser zu lassen.