Stadtrat entscheidet, ob an bester Lage am See ein gehobenes Hotel mit einem Pflegezentrum kombiniert werden soll

Nach intensiver, aber vergeblicher Betreiber- und Investorensuche für ein gehobenes Hotel an attraktiver Uferlage in Thun schlägt die Losinger Marazzi AG der Stadt eine neuartige Kombination aus einem Pflegeheim und einem Hotel vor. Ob die Stadtregierung mit der Losinger Marazzi AG einen neuen Kaufvorvertrag aushandeln soll, entscheidet das Stadtparlament am 21. August 2014.

Bereits 2006 schloss der Thuner Gemeinderat mit der damaligen Marazzi Generalunternehmung AG (heute Totalunternehmung Losinger Marazzi AG) einen Kaufvorvertrag für eine der am schönsten gelegenenen Parzellen, die Lachenwiese am Thunersee, ab. Hier, unweit des mittlerweile realisierten Kultur- und Kongresszentrums Thun (KKThun), soll an bester Lage ein Hotel entstehen. Der Stadtrat hiess den Kaufvorvertrag damals ohne Gegenstimmen gut. Seither stockt das Projekt jedoch. Zwar erhielt die Losinger Marazzi AG 2010 eine Baubewilligung für ein aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangenes Hotel mit rund 90 Doppelzimmern. Doch die Totalunternehmung fand trotz grosser Anstrengungen und mehreren Projektanpassungen weder einen Investor noch einen Betreiber. Nach mehrmaliger Verlängerung lief der Kaufvorvertrag im Herbst 2013 ab.

Gemeinderat will politische Diskussion führen

Im Mai dieses Jahres legte die Losinger Marazzi AG ein nochmals stark überarbeitetes Konzept unter dem Namen „buena vista“ vor: Es sieht eine Kombination aus einem Businesshotel mit 91 Zimmern und einem Pflegezentrum mit 75 Betten vor. Dem Gemeinderat ist bislang allerdings kein Projekt bekannt, bei dem dieses neuartige Konzept umgesetzt wurde. Er unterstützt die neue Idee grundsätzlich, lässt aber den Stadtrat darüber entscheiden, ob er die Exekutive mit der Aufnahme neuer Kaufverhandlungen beauftragen will. „Der Gemeinderat will damit die politische Diskussion anstossen, ob die Stadt an diesem Standort neben einem Hotel auch ein Pflegezentrum realisieren lassen will“, begründet Stadtpräsident Raphael Lanz das Vorgehen. „So haben wir die Gewähr, dass der Entscheid politisch möglichst breit abgestützt sein wird.“

Chancen des Konzeptes, …

Der Gemeinderat sieht sowohl Chancen wie auch Risiken des geänderten Konzeptes der Losinger Marazzi AG. Nebst den bisher bekannten Chancen zusätzlicher Hotelbetten für den Tourismus- und den Kongressstandort Thun, den Synergien mit dem KKThun und der Aufwertung der Uferpromenade am See könnte die Kombination mit einem Pflegebereich dem von der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) bestätigten Mangel an Alters- und Pflegeheimbetten entgegen wirken.

… aber auch Risiken

Risiken ortet die Stadtregierung unter anderem bei der fehlenden Erfolgsgarantie auf längere Frist. Der Gemeinderat befürchtet, das Hotel könnte bei schlechter Rentabilität zugunsten des Pflegebetriebs zurück gefahren werden, so dass längerfristig an touristisch bester Lage ein privates Pflegezentrum oder ein Privatspital entstehen würde. Unsicherheiten löst auch die Tatsache aus, dass die Firma Losinger Marazzi AG noch keinen Investor nennen konnte. Zurzeit werden aber Gespräche geführt. Zudem ist die für den Gesamtbetrieb vorgesehene Berner Firma Senevita zwar eine in der Branche anerkannte Betreiberin von Alterseinrichtungen, sie ist aber in der Führung von Hotelbetrieben noch unerfahren. Der Gemeinderat gibt auch zu bedenken, dass diverse weitere Fragen der Realisierbarkeit und des Pflegekonzeptes ungeklärt sind. Vertieft abgeklärt werden müssen zudem städtebauliche, architektonische und planerische Fragen.

Bei einem Ja neue Verhandlungen, bei einem Nein ein Marschhalt

Stimmt der Thuner Stadtrat dem Antrag des Gemeinderates zu, wird dieser mit der Firma Losinger Marazzi AG neue Verhandlungen für einen Kaufvorvertrag aufnehmen und das Projekt „buena vista“ vertieft prüfen. Der Betrieb eines Hotels soll gemäss Gemeinderat vertraglich langfristig sichergestellt werden, u.a. mit einer rechtlich abgesicherten Betriebspflicht. Sagt das Stadtparlament nein, soll ein Marschhalt eingelegt und im Rahmen der ab 2015 laufenden Ortsplanungsrevision erneut geprüft werden, wie die heute als Parkplatz genutzte Lachenwiese künftig sinnvoll genutzt werden kann.

Stadtratsunterlagen:

www.thun.ch/stadtrat - „Sitzungen / Traktanden / Protokolle“ – Sitzung vom Donnerstag, 21. August 2014

Auskünfte an die Redaktionen:

Stadtpräsident Raphael Lanz, Tel. 033 225 82 15

·     Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften, Tel. 077 405 48 18

·     Alec von Graffenried, Leiter Arealentwicklung Mittelland, Losinger Marazzi AG, Tel. 079 487 94 12