Querung bei Scherzligkirche: Gemeinderat setzt auf neue Fähre

Der Thuner Gemeinderat will eine neue Fähre über die Aare bei der Scherzligkirche planen und realisieren. Dafür hat er einen Projektierungskredit gutgeheissen. Andere Varianten einer Querung der Aare für den Langsamverkehr in Form einer Dreh- oder Teleskopbrücke oder eines vollautomatischen Horizontalliftes Mobri hat die Stadtregierung verworfen.

 

Der Gemeinderat der Stadt Thun will den Fussgängerinnen und Fussgängern im Gebiet Scherzligen eine neue Aarefähre mit attraktiven, ganzjährigen Betriebszeiten anbieten. Er hat einen Kredit über 140‘000 Franken für die Ausarbeitung eines Vorprojektes, eines Bauprojektes sowie eines Betriebskonzeptes bewilligt. Diese dienen als Grundlagen für die notwendigen Bau- und Betriebsbewilligungen sowie die Fährkonzession.

 

Seit vielen Jahren betreibt die Familie Schröder-Furer hier in den Sommermonaten eine Fähre. Lucie Schröder-Furer, die gegenwärtige Fährfrau, konnte aber bisher keinen Ganzjahresbetrieb anbieten. Sie wurde über das Vorhaben der Stadt Thun informiert.

 

Dem Entscheid des Gemeinderates war ein umfangreicher Bearbeitungsprozess vorausgegangen. Eine Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Interessengruppe Schadau/Scherzligen und der Gemeinde Hilterfingen hat unter der Leitung des Tiefbauamtes drei Querungsvarianten und –systeme geprüft und bewertet:

 

·         Fähre:Konventionelle, bediente Fähre mit beidseitigen Landungsstegen;

 

·         Mobri (mobile bridge):vollautomatische Personenkabine, welche auf Schienen im Sohlenbereich des Gewässers zwischen den beidseitigen Anlegestellen hin und her pendelt;

 

·         Bewegliche Brücke:vollautomatische, bewegliche Brücke mit Schwenk- oder Teleskoparmen, welche eine Öffnung für den Schiffsverkehr freigeben.

 

Im Rahmen einer Behörden- und Fachstellenkonsultation wurden diese Systeme 2013 den zuständigen Stellen von Bund und Kanton zur Vorbeurteilung vorgelegt. Diese vertiefenden Abklärungen zeigten klar, dass das Vorhaben im anspruchsvollen und sensiblen historischen Mündungsbereich des Thunersees in die Aare, in der Nähe der Scherzligkirche und des Schadauparks mit vielfältigen Anforderungen, Randbedingungen und Auflagen konfrontiert ist. Mit seinem Entscheid für eine neue Fähre verfolgt der Gemeinderat diejenige Variante, welche bekannt, bewährt und bewilligungsfähig ist. Sie weist am wenigsten Risiken auf und kann in den nächsten Jahren realisierbar werden. Eine Grobkostenschätzung geht zur Zeit von Realisierungskosten von etwa 1 Mio. Franken für eine Fähre mit behindertengerechten Anlegestellen an beiden Ufern und weiteren Infrastrukturen aus. Da die Fähre Scherzligen als Agglomerationsprojekt gilt, werden Bund und Kanton das Vorhaben zu insgesamt etwa 75 Prozent mitfinanzieren.

 

Zwei Lösungen, die am Schluss des Prozesses nebst einer Fähre im Vordergrund standen, hat der Gemeinderat schlussendlich verworfen: Eine bewegliche Teleskop- oder Drehbrücke würde das Landschaftsbild mit Alpenpanorama und offenem Seebecken sowie den Uferbereich stark beeinträchtigen und würde wohl kaum bewilligt. Das von einem Steffisburger Ingenieurbüro entwickelte Mobri – ein vollautomatischer Personen-Horizontallift – wäre eine Weltneuheit und wurde noch nirgends realisiert. Die Risiken eines vollautomatischen Betriebes in Verbindung mit der konzessionierten Schifffahrt der BLS sowie der Lastschifffahrt will der Gemeinderat nicht eingehen.

 

 

Auskünfte an die Redaktionen:

 

  • Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften, Tel.077 405 48 18

 

  • Rolf Maurer, Stadtingenieur, Tel. 033 225 83 52

 

 

Thun, 29. August 2014