Projekt für einen zentralen Rettungsstützpunkt wird nicht weiter verfolgt

Seit Jahren sucht die Stadt Thun nach einem geeigneten Standort für einen zentralen Rettungsstützpunkt, wo Rettungsdienste, Feuerwehr und Zivilschutz gemeinsam untergebracht werden könnten. Im Fokus stand zuletzt ein Areal zwischen Weststrasse und Tal­ackerstrasse in Thun Süd. Dieses hat sich nun insbesondere aus Sicht der Feuerwehr Thun als ungeeignet erwiesen. Sie erachtet die Einrückroute durch ein Wohngebiet mit Begegnungs- und Tempo-30-Zone in Schulhausnähe als zu gefährlich. Der Gemeinderat hat daher entschieden, diesen Standort nicht weiter zu verfolgen – auch weil er politisch kaum Chancen hätte. Das Projekt für einen zentralen Rettungsstützpunkt wird nicht weiter verfolgt.

Seit 2003 ist die Realisierung eines gemeinsamen Stützpunktes für Feuerwehr, Zivilschutz und Rettungsdienste ein Legislaturziel des Thuner Gemeinderates. Ein neuer Rettungsstützpunkt sollte die heute dezentralen Standorte der Feuerwehr und des Zivilschutzes im Magazin am Frohsinnweg in Thun sowie den Rettungsstützpunkt Gesigen der Spital Simmental-Thun-Saanenland AG (STS AG) an der Autobahn A 6 zentral zusammenfassen. Nachdem sich mehrere Varianten nach näherer Prüfung zerschlagen hatten, stand in den letzten zwei Jahren ein 11‘000 Quadratmeter grosses Areal auf einer Parzelle der Burgergemeinde Thun unweit des Schulhauses Neufeld im Fokus. Bereits in der Botschaft zu der am 9. Februar 2014 durch das Volk abgelehnten Zonenplanänderung Weststrasse Süd wurde diese Parzelle als möglicher Standort für einen Rettungsstützpunkt oder eine Schulhaus-Erweiterung (als „Bereich B“) genannt. Nach eingehenden planerischen, verkehrstechnischen, rechtlichen und politischen Abklärungen sowie intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten und Betroffenen hat der Gemeinderat nun entschieden, auch diese letzte Variante nicht weiter zu verfolgen und das Projekt Rettungsstützpunkt an diesem Standort zu sistieren.

Akzeptanz auch bei Bevölkerung kaum zu erwarten

Die Hauptgründe für diesen Entscheid sind politischer Natur. „Das Kader der Feuerwehr Thun lehnt den Standort Neufeld aus nachvollziehbaren Gründen klar ab“, sagt Stadtpräsident Raphael Lanz. Sehr kritisch beurteilt hat die Feuerwehr insbesondere die Einrückrouten. Die einrückenden Miliz-Feuerwehrkräfte müssten auf der Talackerstrasse im Bereich des Einkaufszentrums Oberland eine Tempo-20-  sowie beim Schulhaus Neufeld eine Tempo-30-Zone passieren. „Die Feuerwehr liesse sich für diese Lösung nicht gewinnen, und es ist davon auszugehen, dass auch manche Anwohnerinnen und Anwohner aus den selben Gründen kritisch eingestellt wären“, bilanziert der Stadtpräsident die bisherigen Erkenntnisse des Gemeinderates.

„Der Gemeinderat erachtet die Planung eines derartigen Grossprojektes ohne Unterstützung der hauptbetroffenen Feuerwehr als nicht sinnvoll. Deshalb brechen wir lieber in dieser Phase ab, als später ein fortgeschrittenes Projekt mit möglicherweise hohen Kostenfolgen beenden zu müssen“, bilanziert Raphael Lanz. Auch rechtlich stellten sich Fragen, die das Vorhaben hätten verzögern können – es blieb juristisch unklar, ob ein Rettungsstützpunkt in dieser Zone für öffentliche Nutzungen ohne Umzonung zulässig wäre oder nicht. „Auch das Risiko langjähriger Beschwerdeverfahren wollte der Gemeinderat nicht eingehen“, ergänzt der Stadtpräsident.

Stützpunkte Frohsinnweg und Gesigen werden weiter genutzt

„Die Sicherheit der Bevölkerung bleibt aber auch ohne zentralen Rettungsstützpunkt auf allen Ebenen gewährleistet“, betont Lanz. Die Feuerwehr Thun und der Zivilschutz Thun plus sind in ihrem Feuerwehrmagazin am Frohsinnweg 5 zwar in engen Verhältnissen, können jedoch ihren Betrieb ohne Probleme weiterhin gewährleisten. Raphael Lanz: „Die Frage einer Nachfolgelösung für den Standort Frohsinnweg würde sich spätestens im Zusammenhang mit einer Professionalisierung der heutigen Milizfeuerwehr zwingend stellen. Dieser Schritt ist jedoch in den nächsten Jahren nicht geplant.“ Der Rettungsdienst der Spital STS AG wird weiterhin gemäss heutiger Aufstellung von seinen Stützpunkten in Gesigen und Saanenmöser sowie ab dem Spital Thun zu rettungsdienstlichen Einsätzen in seinem Versorgungsgebiet ausrücken.

Auskünfte an die Redaktionen:

Stadtpräsident Raphael Lanz, Tel. 033 225 82 15