Projekt zur rascheren Integration ins Arbeitsleben ausgewertet

Die Sozialen Dienste Spiez, Thun und Region Jungfrau wollen junge Erwachsene, die Sozialhilfe beziehen, mit diversen Massnahmen schneller ins Arbeitsleben integrieren. Potenzielle Problemfälle sollten früher bzw. rechtzeitig erkannt werden. Ein dreijähriges Projektunter der Leitung von Daniel Bock, Abteilungsleiter Soziale Dienste Spiez, ist nun ausgewertet worden.  Fazit: Die Unterstützungsmassnahmen werden weiter geführt.

 

Ein im jungen Erwachsenenleben verpasster Bildungsabschluss ist schwierig nachzuholen. Der Arbeitsmarkt verlangt von jungen Erwachsenen eine hohe Bereitschaft zur Anpassung. Gelingt ihnen die adäquate Reaktion auf das flexible Umfeld nicht, sind sie rasch von Sozialhilfe abhängig, weil andere Einkommensquellen fehlen. Gegen diese Entwicklung stemmten sich drei Sozialdienste im Berner-Oberland mit tatkräftiger Unterstützung anderer Organisationen, die ebenfalls für junge Erwachsene Dienstleistungen anbieten (bspw. Case Management Berufsberatung, Contact-Netz Oberland, Fachstelle Arbeitsintegration Thun (FAI), Schweizerisches Arbeiterhilfswerk, Volkswirtschaft Oberland, Berner Gesundheit, usw.). Im Wesentlichen wurde mit mehr Personalressourcen eine intensivere Begleitung der jungen Erwachsene möglich. Diese Begleitung umfasste die rasche und ressourcenadäquate Zuweisung in Abklärungsprogramme - bei fehlender Kooperation kamen diversifizierte Sanktionsinstrumente zur Anwendung. Mittels geeigneten und effizienten Coachinginstrumenten wurden die zuständigen Sozialarbeitenden befähigt, so dass sie mit ihren Hilfsangeboten an die Lebenswelten der Klienten ankoppeln konnten. Die Ergebnisse sind gut. Die im Projekt beteiligten jungen Erwachsenen sind alle beschäftigt, bzw. weisen eine Tagesstruktur auf. 

 

Die wichtigsten Ergebnisse aus der Projektzeit sind.

 

Ergebnis 1:    Beschäftigung / Tagesstruktur

 

Allen jungen Erwachsenen (18-25 Jahre), die im Rahmen des Projekts unterstützt und begleitet wurden, konnte  im Verlaufe des Projekts eine Tagesstruktur angeboten werden:

·         30% befinden sich in einer Ausbildung;

·         30% nehmen an einem Integrationsprogramm teil;

·         25% sind arbeitstätig;

·         10% halten sich in einer Organisation (Jugendhäuser) auf;

·         5% haben einen Antrag auf IV-Rente oder Umschulung gestellt.

 

Ergebnis 2:    Zusammenarbeit mit anderen Diensten

 

Die Zusammenarbeit mit den anderen Organisationen, die in diesem Feld Dienstleistungen anbieten, wurde intensiviert und koordiniert. Damit konnten Parallelitäten abgeschafft und gezielt Dienstleistungen organisiert werden (Verbesserung der Kosteneffizienz).

 

Ergebnis 3:    Image der Sozialen Dienste

 

Mit diesem aufwendigen Projekt versuchten  die Sozialen Dienste zu  bewiesen, dass sie keineswegs Klienten „verwalten“, sondern aktiv und kreativ Lösungen in einem schwierigen Umfeld mit begrenzten Mitteln suchen und finden.

 

Ergebnis 4:    Neues methodisches Konzept erarbeitet und eingeführt

 

Die Sozialen Dienste haben ein pädagogisches, lösungsorientiertes Programm für die Arbeit mit Jugendlichen auf den Arbeitsalltag in den Diensten adaptiert. Damit gelang es, an die Lebenswelten der jungen Erwachsenen anzukoppeln und ihren so wieder das Ruder ihres Lebensschiffs in die Hand drücken.

 

Fazit aus dem Pilotprojekt: Die drei Sozialen Dienste werden weiterhin diese spezialisierte Dienstleistung für junge Erwachsene anbieten. Die ersten Erkenntnisse sind ermutigend.

 

Welches sind für die Mitglieder der Steuergruppe des Projekts die wichtigsten Ergebnisse?

 

Ursula Erni, Gemeinderätin Spiez „Die Initialisierung einer Vernetzungsplattform mit anderen Organisationen und Institutionen war für eine wirkungsvolle Arbeit mit jungen Erwachsenen nützlich, insbesondere, wenn auch zukünftig durch regelmässige Treffen die Zusammenarbeit intensiviert wird und das Wissen und die Angebote weiterhin für alle transparent zur Verfügung stehen.“

 

Peter Siegenthaler, Gemeinderat Stadt Thun: „Durch die enge und individuelle Begleitung der jungen Erwachsenen durch spezialisierte Sozialarbeitende werden gute und nachhaltige Lösungen möglich. Dies immer auch unter Einbezug des Umfelds und der involvierten Fachstellen. Hinzu kommt, dass sich eine engere und intensivere Zusammenarbeit unter den involvierten Sozialdiensten ergibt.“

 

Roger Berthoud, Gemeinderat Unterseen: „Die individuelle Sozialhilfe ist ein dynamisches Konstrukt. Die Schwerpunkte der Bedürfnisse verändern sich, daher ist es wichtig, dass die Institutionen den regelmässigen Austausch auch weiterhin pflegen. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Vieles ist bereits vorhanden, es kann jedoch optimaler genutzt werden.“

 

 

Weitere Auskünfte an die Redaktionen:

 

Daniel Bock Abteilungsleiter Soziale Dienste Spiez, Tel. 079 / 503 21 16

  

Spiez / Thun / Interlaken, 6. Mai 2015