Die Stadt Thun will das Bahnhofgebiet weiterentwickeln

Der Bahnhofplatz Thun ist die wichtigste Verkehrsdrehscheibe der Region. In seiner heutigen Form und Bebauung stösst er jedoch zusehends an seine Kapazitätsgrenzen. Mit einer vorausschauenden Planung will die Stadt das Bahnhofgebiet weiterentwickeln. Zusammen mit ihren Partnern hat sie erste Visionen und Massnahmen für die künftige Entwicklung definiert. Der Gemeinderat hat den Verpflichtungskredit von 916‘000 Franken für die weiteren Planungsschritte und Teilprojekte zuhanden des Stadtrats verabschiedet. Dieser befindet am 22. September darüber.

 

Auf dem Bahnhofplatz Thun herrscht reger Betrieb. Schon heute stossen die Verkehrsanlagen an ihre Kapazitätsgrenzen. Für alle Verkehrsteilnehmenden ist es in Stosszeiten schwierig, die Übersicht auf dem Bahnhofplatz zu wahren. Im Wissen, dass der Personenverkehr in den nächsten 15 bis 20 Jahren weiter zunehmen wird, ist es daher unumgänglich, mit einer vorausschauenden Planung die Voraussetzungen zu schaffen, um das Entwicklungspotential des Bahnhofgebietes besser nutzen zu können. Den Verkehr zu optimieren sowie Thun als Wohn- und Lebensstandort zu stärken gehört auch zu den erklärten Liegislaturzielen 2015-2018 des Gemeinderates.

 

Neue Planung im Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof Thun

Das Gebiet Bahnhof-Aarefeld ist seit 1989 ein kantonaler Entwicklungsschwerpunkt (ESP Bahnhof Thun) und ein Schlüsselgebiet der Stadtentwicklung (vgl. Abbildung in der Beilage). Die Stadt strebt dort eine hochwertige Nutzung mit optimaler Verkehrsinfrastruktur an. Mit der Erweiterung des ESP bestätigte der Kanton im Jahr 2013 dessen Bedeutung.

2011 hat der Gemeinderat beschlossen, die Planung im Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof Thun aktiv an die Hand zu nehmen. Mit Unterstützung zweier externer Planungsbüros entwickelte die Stadt zusammen mit dem Kanton, den Transportunternehmungen SBB, STI und BLS sowie weiteren Anspruchsgruppen die Plattform ESP Bahnhof Thun. Damit konnte ein wichtiges Planungs- und Koordinationsinstrument geschaffen werden. Erste Ergebnisse dieser Zusammenarbeit liegen nun in einem Zwischenbericht vor (vgl. Kasten unten).

Die Teilnehmdenden der Plattform ESP Bahnhof Thun haben darin grob definiert, wie die künftige städtebauliche und verkehrstechnische Entwicklung im Gebiet aussehen soll und wie die einzelnen Arealentwicklungen und Verkehrsvorhaben aufeinander abgestimmt werden müssen. Zudem wurde ein Katalog mit Nutzungsansprüchen, Lösungsansätzen und noch offenen Fragen erstellt. Diese müssen nun im Rahmen der weiteren Planungsschritte geklärt, respektive in Teilprojekten konkretisiert werden. Dafür beantragt das Planungsamt einen Kredit von 916‘000 Franken. Es wird mit einer Kostenbeteiligung des Kantons von rund 64‘000 Franken für den Betrieb der Plattform gerechnet. Auch die Planungspartner sollen sich mit Beiträgen in der Grössenordnung von 435‘000 Franken beteiligen. Die Nettokosten für die Stadt beliefen sich demnach voraussichtlich auf rund 417‘000 Franken. Der Gemeinderat hat den Kredit zuhanden des Stadtrates verabschiedet. Dieser befindet am 22. September darüber.

 

Wichtigste Erkenntnisse aus der Plattform ESP Bahnhof Thun

Konkret haben die an der Plattform ESP Bahnhof Thun beteiligten Parteien folgende gemeinsame Entwicklungsvorstellung erarbeitet:

 

·         Das Areal «Rosenau-Scherzligen» ist durch seine unmittelbare Lage am Wasser und der Nähe zum Bahnhof das „Filet-Stück“ im ESP. Es ist besonders prädestiniert für Wohn- und Geschäftsbauten. Dieses Potenzial soll genutzt werden. Grosse Herausforderungen werden hier die künftige Organisation des Kiesverlads (Transportschiffe – Bahn) sowie die Verlegung der Seestrasse sein. Die eigentliche Arealentwicklung erfordert weitere Machbarkeitsabklärungen.

·         Das Areal «Aarefeld Nord» hat die Planungsgruppe als ideales bahnhofnahes Stadtentwicklungs- und Verdichtungsgebiet identifiziert. Bereits heute ermöglicht eine sogenannte «Zone mit Planungspflicht» eine Verdichtung zwischen dem Manor-Gebäude und der Aare. Auch hier bedarf es einer Konkretisierung für eine langfristige städtebauliche Entwicklung.

·         Auf dem Areal «Rampenstrasse» soll das bestehende Gebäude der SBB zugunsten einer dichteren Überbauung ersetzt werden und die Rampenstrasse weiterhin als Bahnhof-Zufahrt dienen.

·         Auf den Bereichen Bahnhofplatz/«Areal Seestrasse» und «Bahnhof Süd» steht die Neuorganisation der Verkehrsdrehscheibe Bahnhof im Zentrum. Geplant ist es, den Busbahnhof zu erweitern. Die städtischen sowie die regionalen Buslinien sollen dadurch neu angeordnet werden. Die zusätzlichen Flächen für den Busbahnhof müssen noch definiert werden. Ebenfalls zu bestimmen sind im Fall einer baulichen Veränderung die Standorte für den ruhenden Verkehr (Velo- und Autoparkplätze, Car-Abstellplätze) sowie Flächen und Bahnhofzugänge für die Fussgänger.

·         Die Seestrasse soll vom Schiffskanal an die Gleisanlagen verlegt werden. Die Linienführung und Etappierung sind noch zu konkretisieren.

·         Mit einer Neugestaltung der Schiffländte streben die Stadt und ihre Partner eine Verbreiterung von heute ca. 4 Meter auf ca. 10 Meter an.

·         Eine zusätzliche Personenunterführung Süd im Bahnhof soll geprüft und mindestens die bestehende Hauptpersonenunterführung ausgebaut werden.

·         Ein weiteres Ziel ist  ein neues Mobilitätszentrum für alle Verkehrsbetriebe. Lässt sich dies realisieren, soll das heutige eingeschossige Gebäude mit BLS- und STI-Verkaufsstelle sowie Kiosk (Valentini-Gebäude) abgebrochen werden. Als Alternative ist ebenfalls eine Integration in das Bahnhof-Aufnahmegebäude zu prüfen.

Ortsplanungsrevision und öffentliche Mitwirkung

Soweit dies vom Planungsfortschritt her möglich ist, werden die Planungsprojekte der Plattform ESP Bahnhof Thun mit denjenigen der Ortsplanungsrevision koordiniert. Inwieweit dabei bereits eine Bereinigung der baurechtlichen Grundordnung (insbesondere der Überbauungsordnung Aarefeld-Bahnhofplatz von 1991) für den gesamten ESP oder für Teilbereiche möglich ist, muss später entschieden werden.

Die öffentliche Meinung einzubeziehen, ist für den Gemeinderat und die weiteren Akteurinnen und Akteure des ESP äusserst wichtig. Sobald die Gesamtvorstellung über die Entwicklung des ESP weiter konkretisiert wurde und technisch umsetzbare Vorhaben zur Diskussion gestellt werden können, wird eine öffentliche Mitwirkung stattfinden.

 

Thun, 8. September 2016