Rechnung 2021: positives Ergebnis trotz Corona-Pandemie

Die Rechnung 2021 der Stadt Thun schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 5,5 Millionen Franken ab. Der Überschuss soll für zusätzliche Einlagen in die Spezialfinanzierung für den baulichen Unterhalt verwendet werden. Das Parlament befindet im Juni über die Rechnung.

Erfreulicherweise haben sich die befürchteten Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht in den Zahlen der Jahresrechnung 2021 der Stadt Thun bestätigt. Bei Ausgaben von 323,4 Mio. Franken und Einnahmen von 328,9 Mio. Franken schliesst die Erfolgsrechnung 2021 mit einem Ertragsüberschuss von 5,5 Mio. Franken ab. Budgetiert war ein Defizit von 15,3 Mio. Franken. Das ist gegenüber dem Budget 2021 eine Verbesserung von 20,8 Mio. Franken. «Es freut mich, dass die im Zusammenhang mit der Corona-Situation prognostizierten und budgetierten Mehrausgaben respektive Mindereinnahmen nicht eingetroffen sind», erklärt Gemeinderätin Andrea de Meuron.

Gemeinderat will Überschuss in baulichen Unterhalt investieren

Für das positive Ergebnis sind auf der Einnahmeseite höhere Steuererträge und die Auflösung des Asylfonds verantwortlich. Der Stadtrat hatte die Auflösung des Asylfonds im Mai 2021 beschlossen, was zu einem einmaligen, nicht budgetierten Mehrertrag von 3,5 Mio. Franken in der Erfolgsrechnung führte. Auf der Ausgabenseite tragen die tieferen Aufwendungen in den Bereichen Sach- und übriger Betriebsaufwand, Lastenausgleichssysteme, Personalaufwand sowie Zins- und Abschreibungsaufwand zum besseren Ergebnis bei. Aufgrund des erzielten Ertragsüberschusses beantragt der Gemeinderat dem Stadtrat eine zusätzliche Einlage in die Spezialfinanzierung «Baulicher Unterhalt Verwaltungsvermögen». Diese Massnahme sorgt für den nötigen finanziellen Handlungsspielraum, um die geplanten Unterhaltsarbeiten – vor allem im Bereich der Schulanlagen – in naher Zukunft finanzieren zu können. Die Jahresrechnung wird an der Stadtratssitzung vom 16. Juni 2022 behandelt.

Steuererträge 2021 über den Budgetwerten

Der gesamte Steuerertrag liegt mit netto 129,0 Mio. Franken um 8,5 Mio. Franken über dem Budgetwert 2021. Gegenüber der Jahresrechnung 2020 beträgt die Steigerung 2,3 Mio. Franken oder +1,8 Prozent. Mit 99,9 Mio. Franken liegen die Steuern der natürlichen Personen um 4,1 Mio. Franken über dem Wert aus dem Budget 2021. Die Steuern der juristischen Personen fallen um 0,3 Mio. Franken höher als budgetiert aus. Bei den aperiodischen Steuern liegen die Erträge bei den Grundstückgewinnsteuern (+2,8 Mio. Franken) sowie bei den Sonderveranlagungen (+1,0 Mio. Franken) über den Budgetwerten 2021.

Tieferer Personal- und Sachaufwand

Der Sach- und Betriebsaufwand liegt um 8,0 Mio. Franken unter den jeweiligen Budgetwerten. Minderaufwendungen sind insbesondere beim baulichen Unterhalt zu verzeichnen. Pandemiebedingt sind unter anderem auch Lieferschwierigkeiten bei Materialbestellungen oder zeitliche Verzögerungen beim Einkauf von Dienstleistungen Dritter (Honorare, Gutachten, etc.) eingetreten. Der Personalaufwand fällt gegenüber dem Budget 2021 um 1,8 Mio. Franken tiefer aus. Unter anderem ist dies auf nicht besetzte Stellen zurückzuführen.

Tiefere Beiträge an Lastenausgleichssysteme

Die Beiträge der Stadt Thun an die sechs Lastenausgleichssysteme zwischen dem Kanton Bern und den bernischen Gemeinden betragen total 63,2 Mio. Franken. Gegenüber dem Budget 2021 fallen diese Beiträge um 4,6 Mio. tiefer aus. Insbesondere die Sozialhilfe und der öffentliche Verkehr tragen zum besseren Ergebnis bei. Zu Beginn der Pandemiesituation ging man gerade bei diesen beiden Bereichen von wesentlich höheren Kostenanteilen zu Lasten der Stadt Thun aus.

Tiefere Investitionstätigkeit

Die Nettoinvestitionen fallen mit 11,2 Mio. Franken um 22,2 Mio. Franken tiefer als geplant aus. Ohne die nicht budgetierte Rückzahlung des Darlehens von 4 Mio. Franken der Energie Thun AG belaufen sich die Nettoinvestitionen auf 15,2 Mio. Franken, was einem Realisierungsgrad von
46,4 Prozent entspricht. Auch bei den Investitionen sind bei verschiedenen Projekten Verzögerungen durch die Pandemiesituation eingetreten. Zudem führten Beschwerden bei Planungs- oder Baubewilligungsverfahren zu zeitlichen Verschiebungen von Investitionsprojekten. Den Nettoinvestitionen steht eine Selbstfinanzierung aus der Erfolgsrechnung von 31,5 Mio. Franken gegenüber. Es entsteht somit ein Finanzierungsüberschuss von 20,3 Mio. Franken.

Solide Bilanz, kein Kurswechsel in der laufenden Legislatur

Einem Finanzvermögen von 305 Mio. Franken steht ein Fremdkapital von 210,9 Mio. Franken gegenüber. Das Nettovermögen beträgt somit 94,1 Mio. Franken. Das gesamte Eigenkapital der Stadt Thun beträgt 245,3 Mio. Franken. «Gerade in diesen turbulenten und unsicheren Zeiten ist es beruhigend, wenn die Stadt Thun auf eine grundsolide Bilanzsituation zurückgreifen kann», betont Gemeinderätin Andrea de Meuron.

Der Gemeinderat orientiert sich weiterhin an einer stetigen, vorsichtigen und nachvollziehbaren Finanzpolitik, die auf einer langfristigen Strategie basiert. Er plant aufgrund der anstehenden grösseren Investitionsprojekte und der unberechenbaren geopolitischen Lage trotz der positiven Jahresrechnung 2021 keinen finanzpolitischen Kurswechsel. «Der Gemeinderat ist bezüglich dem Ausgabenwachstum weiterhin vorsichtig und wird dieses nur zugelassen, wenn auch ein Mehrwert für die Bevölkerung und Wirtschaft erzeugt wird», so Gemeinderätin Andrea de Meuron.