Seestrasse: Vorerst keine Änderungen - neue Lösungen werden gesucht

Das Ziel, den Bahnhofplatz in Thun vom Durchgangsverkehr zu entlasten, will der Gemeinderat zwar weiter verfolgen. Nachdem jedoch der bisherige Versuch mit "Zubringer gestattet" abgelaufen ist und die vorgeschlagene zusätzliche Zufahrtsbeschränkung stadteinwärts wenig Akzeptanz fand, belässt der Gemeinderat es vorerst bei der aktuellen Regelung mit einer Ampel in der Schadaukurve. Neue Lösungen werden gesucht.


Mitte März musste auf der Seestrasse in Thun das versuchsweise Verbot für Motorfahrzeuge und die Erlaubnis für Zubringer aufgehoben werden, da der Versuch abgelaufen und eine neue Regelung noch nicht genehmigt war. Nun lässt der Thuner Gemeinderat auch diese - ein zusätzliches Fahrverbot ab der Karl-Koch-Strasse stadteinwärts mit Durchfahrtserlaubnis nur für Busse und Taxis - fallen und zieht die entsprechende Verfügung zurück. Dies, nachdem 60 Beschwerden dagegen eingegangen waren (vgl. Communiqués vom 22. Januar, 3. März und 14. März 2008). Eine Ampel in der Schadaukurve schränkt die Durchfahrt jedoch weiterhin ein, und die Seestrasse bleibt gemäss Verkehrsrichtplan eine "Sammelstrasse ohne Durchgangsverkehr". Weitere, geeignetere Massnahmen und Lösungen sollen gesucht werden.


"Zubringer"-Regelung kaum kontrollierbar

Die Seestrasse zweigt in der Nähe des Strandbades von der Hauptstrasse Thun-Spiez (Frutigenstrasse) ab und führt am Schadaupark vorbei zum Thuner Bahnhofplatz. Um sowohl die Seestrasse wie auch den Bahnhofplatz vom Durchgangsverkehr zu entlasten, hatte die Stadt einen einjährigen Versuch mit einem Motorfahrzeug-Verbot, gestattetem Zubringerdienst und Erlaubnis für Bus und Taxi durchgeführt. Nach Ablauf des Versuchs Ende November 2007 wollte die Direktion Bau und Liegenschaften der Stadt Thun die Regelung verlängern und zugleich dem häufigen, polizeilich kaum zu ahndenden Missbrauch der Zubringer-Regelung einen Riegel schieben: Stadteinwärts ab Karl-Koch-Strasse sollten - wiederum versuchsweise - nur noch Busse und Taxis fahren dürfen.


"Zubringer gestattet": Nachteile für Anwohner

Nachdem diese Absicht einer teilweisen Sperrung stadteinwärts jedoch auf deutlichen Widerstand aus dem Quartier gestossen war und 60 Beschwerden ausgelöst hatte, prüfte der Gemeinderat die definitive Einführung der früheren Versuchsregelung. Dabei zeigte sich jedoch, dass diese angepasst werden müsste, damit sie rechtskonform wäre: An sämtlichen in die Seestrasse einmündenden Quartierstrassen müsste ein Motorfahrzeug-Verbot mit "Zubringer gestattet" signalisiert werden, was Quartierbewohnern gemäss Bundes-Signalisationsverordnung eine Wegfahrt über die Seestrasse stadteinwärts verbieten würde. Konkret wären also im Quartier Wohnende oder Arbeitende zu Umwegfahrten gezwungen. Damit zeigte sich, dass die bisherige Versuchslösung bei rechtlich korrekter Umsetzung noch mehr Nachteile aufweisen würde als eine gänzliche Freigabe der Seestrasse für Motorfahrzeuge, wie sie seit dem 14. März dieses Jahres gilt. Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, die aktuelle Regelung bis auf weiteres zu belassen.

 
Da die Seestrasse gemäss Verkehrsrichtplan eine "Sammelstrasse ohne Durchgangsverkehr" bleibt, muss mittelfristig eine neue Lösung gefunden werden. Gebremst wird der Durchgangsverkehr nach heutigem Regime durch eine Ampel vor und nach der Schadaukurve. Sie regelt einerseits die Durchfahrt der STI-Busse, die dort nicht kreuzen können, andererseits schaltet sie in regelmässigen Abständen auf Rot. Diese Massnahme soll verhindern, dass die Seestrasse als "Schleichweg" für die Zufahrt zum Bahnhof und zur Innenstadt attraktiv wird.

 

Thun, 30. Mai 2008