Schlossberg: Gemeinderat vor Vertragsverhandlungen für neue Nutzungen

Die Liegenschaften auf dem Thuner Schlossberg - mit Ausnahme des mittelalterlichen Donjons - neu nutzen und beleben, sei es touristisch, kulturell, sozial oder zum Wohnen hoch über der Stadt: Dafür haben drei potenzielle Partner bei der Stadt Thun Interesse angemeldet. Alle unterbreiteten interessante und realisierbare Vorschläge. Der Gemeinderat hat nun ein Projekt leicht favorisiert und nimmt mit dessen Urheber Verhandlungen für einen Baurechtsvertrag auf. Die beiden andern Interessenten bleiben aber im Rennen für den Fall, dass keine Einigung zustande käme.

Um das Wahrzeichen der Stadt Thun, das Schloss, gruppieren sich das alte, leer stehende Gefängnis sowie diverse Gebäude, in denen heute die kantonale Bezirksverwaltung mit den Büros des Gerichtskreises X und des Regierungsstatthalteramtes untergebracht sind (siehe Kasten). Seit einiger Zeit sucht die Stadt als Besitzerin Investoren, um diese Liegenschaften - ohne das alte Schloss - im Baurecht abzugeben und einer öffentlichen, vorzugsweise touristisch-kulturellen Nutzung zuzuführen. Drei Interessenten reichten entsprechende Konzepte ein. Eine breit abgestützte verwaltungsinterne Arbeitsgruppe prüfte die Projekte zusammen mit einem externen Projektcoach eingehend. Dabei zeigte sich, dass alle Vorschläge für Thun attraktiv und grundsätzlich realisierbar sind. Eine der drei Ideen sticht aber etwas hervor. Nun hat der Thuner Gemeinderat entschieden, mit diesem Interessenten unverzüglich Detailverhandlungen für einen Baurechtsvertrag aufzunehmen.

Die andern Bewerber bleiben "im Rennen"

Für den Fall, dass ein solcher aber nicht zustande kommt, bleiben die beiden andern Bewerber "im Rennen". Der Gemeinderat will sich angesichts der guten Qualität aller Bewerbungen die Option offen lassen, allenfalls mit den beiden andern Interessenten Vertragsverhandlungen aufzunehmen. Deshalb wird gegenwärtig auch noch kein Name eines "Wettbewerbssiegers" genannt.

Das nun favorisierte Projekt stammt von einer Unternehmerfamilie und sieht auf dem Thuner Schlossberg ein Restaurant, Künstlerateliers, Ausstellungsräume für das Schlossmuseum, Wohnungen und eine Akademie für KMU-Kader vor. Im alten Gefängnis soll ein Bed & Breakfast realisiert werden.

Der eine der beiden andern Bewerber sieht ein Familienhotel mit Restaurant, Wohnungen und einer Erlebniswelt für Familien vor. Der andere plant ein Hotel mit Restaurant und Seminarräumen sowie ein soziales Angebot für Jugendliche.

Falls alles nach Plan läuft, wird der Gemeinderat im Frühjahr 2010 den Baurechtsvertrag genehmigen. Anschliessend sollen der Stadtrat, die Medien und die Öffentlichkeit über das Ergebnis orientiert werden. Optimal wäre es, wenn die Baubewilligung 2010 erteilt werden könnte.

Seit 2000 touristische Nutzung angestrebt

Bereits seit dem Jahr 2000 setzt sich der Thuner Gemeinderat für eine vermehrte öffentliche und touristische Nutzung des Schlossbergs ein. Damals gehörten das "neue Schloss", das Abzugshaus, das alte Gefängnis und das Regierungsstatthalteramt noch dem Kanton Bern. In Zusammeanrbeit mit der Stadt Thun und externen Experten schrieb der Kanton die Schlossberg-Liegenschaften ohne den mittelalterlichen Donjon im Jahr 2002 für touristische und andere öffentliche Nutzungen aus. Diesen Wettbewerb gewann damals eine Initiantengruppe um den Basler Architekten Werner Hartmann. Doch eine Einigung kam nicht zustande. 2006 erwarb die Stadt die Schlossberg-Liegenschaften mit dem Ziel, die Umnutzung voran zu treiben. Seither ist der Kanton mit den Büros des Gerichtskreises X und dem Regierungsstatthalteramt eingemietet. Zwischen März und Oktober 2010 wird der Kanton den Schlossberg etappenweise verlassen und neue Bürogebäude im Selve-Areal beziehen.

Eine erste Ausschreibungsrunde der Stadt brachte 2008 wenig Echo. In einer zweiten Phase führten die Abteilung Stadtmarketing und das Amt für Stadtliegenschaften gezielte Gespräche mit möglichen Interessenten. Heute liegen drei Offerten von Interessenten vor (siehe oben).

Auskünfte an die Redaktionen:

Hansueli von Allmen, Stadtpräsident, Tel. 033 225 82 15 - bitte Rückruf verlangen

Philippe Haeberli, Leiter Abteilung Stadtmarketing,
Tel. 033 225 83 69 - 09.30 bis 16.00 Uhr

Thun, 24. November 2009