Kunsteisbahn soll aus Grabengut verlegt werden

Die Eissporthalle im Grabengut in Thun soll verlegt und das für die Stadtentwicklung attraktive Areal am Nordrand der Thuner Innenstadt neu genutzt werden. Als neue Standorte bieten sich Thun Süd oder die Glättimühle in Steffisburg an. Dafür werden Investoren gesucht. Die Stadt wird sich mit rund 20 Mio. Franken an den geschätzten Gesamtinvestitionen von 36 Mio. bis 44 Mio. Franken beteiligen. Diesen Grundsatzentscheid fällte der Thuner Gemeinderat nach intensiven Abklärungen einer Projektorganisation, in der auch die heutige Betreiberin der Kunsteisbahn sowie die Curlinghalle AG vertreten sind. Sollte die Investorensuche in den nächsten 18 Monaten keinen Erfolg zeitigen, wird eine Sanierung der heutigen Eissporthalle im Grabengut erfolgen. Eine Sanierung der dortigen Kälteanlage wird aller Voraussicht nach in jedem Fall nötig werden.

Im Grabengut am nördlichen Rand zur Thuner Innenstadt prägen heute ein Parkhaus, eine Eissporthalle und eine Curlinghalle das Bild - alle drei im langjährigen Baurecht auf rund 20‘000 Quadratmetern Boden, der der Stadt Thun gehört. In einem Unterbaurecht entsteht gegenwärtig zudem ein "Aldi"-Laden auf dem Dach des Parkhauses. Die 50-jährige Kunsteisbahn ist betrieblich und baulich in einem schlechten Zustand, und die Kälteanlage für die Eissport- und die Curlinghalle muss gemäss Auflagen des Kantons saniert werden. Vor allem diese Tatsache gab den Anstoss, die Zukunft des aus Sicht der Stadtentwicklung attraktiven Areals grundsätzlich zu überdenken. Zu diesem Zweck wurde im Sommer 2009 unter dem Vorsitz von Gemeinderätin Ursula Haller und externer fachlicher Leitung eine Projektorganisation gegründet, in der diverse städtische Fachstellen, die Genossenschaft Stadion Lachen und Kunsteisbahn Thun (GSL+KET) wie auch die Curlinghalle Grabengut AG vertreten sind.

Acht Lösungsvarianten geprüft

Unter Berücksichtigung der Ziele des Eissportes, der Stadtentwicklung und der verfügbaren Finanzen wurden im Rahmen von mehreren Workshops zunächst acht, dann noch fünf Zukunftsvarianten geprüft und bewertet. Sie reichten vom Erhalt des Status Quo über Neunutzungen im Grabengut bis zu verschiedenen Szenarien an über einem Dutzend anderen Standorten (siehe Kasten). Basierend auf diesen Erkenntnissen hat der Gemeinderat nun einen Grundsatzentscheid gefällt:

·                   Das Areal Grabengut soll umgenutzt und eine neue Eissporthalle mit zwei Eisfeldern, davon eines mit Zuschauertribüne, an einem andern Standort erstellt werden. Favorisiert werden Thun Süd und das Areal Glättimühle in Steffisburg.

·                   Für die Neunutzung bzw. Neuüberbauung des Grabenguts und für die Realisierung einer neuen Eishalle werden Investoren gesucht. Die Kosten für eine neue Eishalle inklusive Landerwerb am neuen Standort belaufen sich auf geschätzte 36 bis 44 Mio. Franken. An der Investition für die neue Eishalle wird sich die Stadt ungefähr mit 20 Mio. Franken beteiligen.

·                   Bis zur Realisierung einer neuen Eishalle werden mindestens fünf Jahre vergehen. Um zu vermeiden, dass der Eissport im Grabengut vorübergehend eingestellt werden muss, wäre die Eiserzeugungsanlage im Grabengut zu sanieren. Der Kanton hat signalisiert, dass die Frist bei einem Neubau an einem andern Standort eventuell erstreckt werden kann. Ein entsprechender Antrag ist aber noch hängig. Die Kosten für eine neue Anlage auf Basis des Kältemittels CO2 werden auf rund 1,75 Mio. Franken veranschlagt.

·                   Falls sich innert 18 Monaten keine valablen Investoren finden lassen, will der Gemeinderat eine Gesamtsanierung der Kunsteisbahn Thun am bisherigen Standort vornehmen. Dafür wird mit Kosten von 9 bis 11 Mio. Franken gerechnet.

·                   Die bisherigen Abklärungen zeigen, dass die Curlinghalle auch ohne Kunsteisbahn auf dem Areal Grabengut bestehen bleiben kann. Im Rahmen des geplanten Investorenwettbewerbs wäre der allfällige Einbezug der Curlinghalle zu klären.

·                   Die städtischen Nettoinvestitionen liegen für eine neue Kunsteisbahn an einem anderen Standort sowie für die Rückfalloption ("Plan B", bzw. Sanierung der Eissporthalle am bisherigen Standort), in ähnlicher Höhe.

Bedarf nach Eissportanlagen vergleichbar mit Schwimmbädern

Dass sich der Gemeinderat so dezidiert für eine neue Eissportanlage einsetzt, ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich der Eissport  grosser Beliebtheit erfreut. Die Eissporthalle Grabengut wird vom EHC Thun, EV Bomo Thun, dem Eislaufclub Thun und weiteren Vereinen genutzt, ebenso von Schulen aus Thun, Steffisburg und anderen Gemeinden sowie von der Bevölkerung, die das allgemeine Eislaufen geniesst. Eissportanlagen gehören zum Grundbedarf an Sportinfrastrukturen und sind mit Schwimmbädern vergleichbar. Das Bundesamt für Sport empfiehlt denn auch ein Eisfeld pro 25‘000 Einwohner. Das Einzugsgebiet der Kunsteisbahn Thun reicht über Thun hinaus und zählt über 100‘000 Einwohner. Angesichts der Bedeutung des Eissports gehört die Realisierung einer Kunsteisbahn an einem neuen Standort und die Neunutzung des Areals im Grabengut zu den Schlüsselaufgaben des Gemeinderates. Sie sind in der langfristigen Strategie Stadtentwicklung festgehalten.

Maximale städtische Investitionssumme steht fest

Das Engagement der Stadt muss sich jedoch an ihrem engen finanziellen Spielraum orientieren. Daraus ergibt sich, dass künftige Investoren sich mit 16 bis 24 Mio. Franken an der neuen Kunsteisbahn beteiligen müssen. Wichtig ist zudem, dass der Betrieb einer sanierten oder neuen Kunsteisbahn Thun künftig finanziell selbsttragend sein wird.

Entscheidend: Interesse künftiger Nutzer des Grabengutes

Gesucht wird nun ein Totalunternehmer, der seinerseits das Interesse potenzieller künftiger Nutzer im Grabengut abklären wird. Dieses hat einen direkten Einfluss auf den erzielbaren Ertrag und den möglichen Beitrag der Investoren an den Neubau der Eissporthalle. Der heutige Baurechtsvertrag der Stadt mit der Genossenschaft Stadion Lachen + Kunsteisbahn Thun, der Parkhaus Thun AG, der Curlinghalle Grabengut AG und einem privaten Verein läuft bis 2070. Ob und in welcher Form er übertragen werden kann, wird abgeklärt. Möglichst bald wird die Stadt einen Investorenwettbewerb ausschreiben. Einen weiteren wichtigen Entscheid im Rahmen des Investorenwettbewerbs wird der Gemeinderat im Sommer 2012 fällen.

Über die städtischen Investitionen werden bei beiden Varianten der Gemeinderat, der Stadtrat und die Thuner Stimmberechtigten zu entscheiden haben.

Wie Varianten geprüft und bewertet wurden

Das Projektteam "Zukunft Kunsteisbahn Thun" (s. Haupttext) hat sich nach einer Auslegeordnung möglicher künftiger Nutzungsmöglichkeiten für das Areal Grabengut prioritär mit drei Varianten auseinander gesetzt: a) mit der Sanierung und Optimierung der heutigen Eissportanlage im Grabengut, b) mit dem Bau einer neuen Eishalle im Grabengut als Stadthalle mit zusätzlicher Mantelnutzung sowie c) der vollständigen Neunutzung des Areals Grabengut mit Bau einer Eissportanlage an einem neuen Standort. Insgesamt wurden 13 Standorte für einen Neubau näher geprüft, 12 davon in Thun und einer in Steffisburg. Aufgrund einer ersten Selektion blieben die Standorte Thun Süd, ESP Thun Nord und Glättimühle in der engeren Wahl.

Diese insgesamt fünf Varianten - zwei im Grabengut und drei an einem neuen Standort - wurden mit einem detaillierten Bewertungsraster nach den gleichen Kriterien beurteilt. Dabei wurden folgende Kriterienkategorien angewandt: Nutzung Kunsteisbahn (Sport); Stadtentwicklung; Standort, Erschliessung, Umwelt und Recht; Finanzen. In dieser Bewertung schnitt die Variante einer Neunutzung des Areals Grabengut mit dem Neubau einer Kunsteisbahn am Standort Thun Süd knapp vor der Variante Neubau am Standort Glättimühle in Steffisburg am besten ab. Das Ergebnis der Bewertung der Varianten darf nicht als alleinige Entscheidgrundlage dienen, hilft aber, die Konsequenzen eines Entscheides abzuschätzen.

Weitere Unterlagen:

·         Powerpoint-Präsentation, Handout

·         Downloads: www.thun.ch/kunsteisbahn

 

Auskünfte an die Redaktionen

·       Ursula Haller, Vorsitzende der Projektdelegation, Vorsteherin der Direktion Bildung und Entwicklung, Tel. 033 225 83 93

·       Melchior Buchs, Alpgis AG, Gesamtprojektleiter, Tel. 033 224 04 30

·       Frank Heinzmann, Chef Amt für Bildung und Sport,
Tel. 033 225 84 01

·       Marco Molteni, Präsident GSL+KET, Tel. 033 334 85 85

Thun, 23. November 2010