Kleist in Thun 2011 - ein Halbjahr im Zeichen des deutschen Dichters

Unter dem Motto „Kleist in Thun 2011“ findet von Ende April bis November an vielen Spielstätten in Thun eine grosse Veranstaltungsreihe zum 200. Todestag des deutschen Dichters Heinrich von Kleist statt. 1802 und 1803 lebte dieser in Thun zweimal für einige Zeit auf einer kleinen Aareinsel, die aus Anlass des Jubiläumsjahres nun offiziell den Namen Kleist-Inseli erhält. Thun kooperiert im Jubiläumsjahr auch mit Frankfurt/Oder, Berlin und Zürich, die ebenfalls Aktivitäten zum 200. Todestag von Heinrich von Kleist lanciert haben.

 

Über das ganze nächste Halbjahr verteilt, finden ab Mittwoch 27. April in Thun Anlässe statt, die Heinrich von Kleists Werk auf vielfältige Weise präsentieren. Dass Kleists Persönlichkeit und dichterisches Werk in allen künstlerischen Sparten nachgewirkt haben, beweisen die Lesungen, Theater, Konzerte, Ausstellungen und Filme im Programm. Dieses hat sich, ausgehend von einer seit langem geplanten wissenschaftlichen Tagung zum Thema Heinrich von Kleist und die Schweiz, in den letzten zwei Jahren in Thun entwickelt. Erfreulicherweise haben sich dafür die Veranstalter und Institutionen Literaare, Kunstgesellschaft, Kunstmuseum, Schlosskonzerte, Schlossmuseum, Thun-Tourismus, die Konzerte Im Rathaus um 4, der Galerist Wilfried von Gunten und die Buchhandlung Krebser zur Zusammenarbeit entschlossen. Zudem ist Thun mit dem Kleist-Museum in Frankfurt/Oder, dem Museum Strauhof Literaturausstellungen in Zürich sowie der Schweizer Botschaft in Berlin mehrere Kooperationen eingegangen.

 

"Oberes Inseli" heisst neu "Kleist-Inseli"

Der deutsche Dichter Heinrich von Kleist, neben Johannes Brahms und Robert Walser einer der berühmtesten Gäste der Stadt Thun, soll mit der Veranstaltungsreihe sowohl in Thun wie auch darüber hinaus in Erinnerung gerufen und vergegenwärtigt werden. Im Sinn der Nachhaltigkeit soll Kleists Spur in Thun auch geografisch fixiert werden: Das „Obere Inseli“, das zu Zeiten Kleists noch ausserhalb der Stadt lag, sich inzwischen aber in der seither stark gewachsenen Stadt in Zentrumsnähe befindet, heisst ab 2011 offiziell „Kleist-Inseli“. Diesem neuen Namen haben sowohl der Thuner Gemeinderat wie auch das kantonale Amt für Geoinformation in den letzten zwei Monaten zugestimmt. Das Inseli in Privatbesitz wird im nächsten Halbjahr im Rahmen von zwei Stadtführungen zweimal öffentlich zugänglich sein.

 

Im Weiteren stechen im Thuner Veranstaltungsprogramm zwei Veranstaltungen besonders hervor:

 

 

„Nicht ich – über das Marionettentheater“

Anhand einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Text „Über das Marionettentheater“ von Heinrich von Kleist haben die Komponistin Isabel Mundry und der Choreograph Jörg Weinöhl ein szenisches Konzert für Instrumental- und Vokalensemble, Tänzer und Sopran entwickelt. Darin umkreisen sie das Verhältnis von Mensch, Maschine, Kunst und Natur aus wechselnden Perspektiven. Text, Musik und Tanz überlagern sich auf vielschichtige Weise. In einem Spiel von Bild und Abbild erfahren sie verschiedene Formen der Verkünstlichung bis hin zur Digitalisierung. Die Komposition thematisiert und erfährt gleichermaßen einen Prozess der Reflexion und Differenzierung: Und vollzieht damit, wovon der Text erzählt – eine mannigfaltige Selbstspiegelung.

 

„Kleist-Retraite“

In der Altersresidenz Tertianum Bellevue-Park, in Sichtweite des Kleist-Inselis, produziert die Theatergruppe Schauplatz International ein Stück mit dem Titel „Kleist-Retraite“. Die Idee: Nach 200 Jahren Literaturgeschichte haben die Figuren Heinrich von Kleists einen Urlaub verdient. Schauplatz International lädt sie in die „Kleist-Retraite" ein. Dort können sie sich erholen und zu jener Ruhe kommen, die Kleist selber in Thun gesucht hatte. Realität und Fiktion vermischen sich.

 

Das Stück wird von der Theatergruppe zusammen mit Thunerinnen und Thunern gespielt. Interessierte sind weiterhin willkommen und können sich melden unter: info@schauplatzinternational.net

 

Prominente Unterstützung

Für das Patronat der Veranstaltungsreihe hat eine ganze Reihe von Persönlichkeiten ihren Namen zur Verfügung gestellt: Von lokaler bis nationaler Politikprominenz bis zu mehreren renommierten Kulturschaffenden, darunter der in Thun aufgewachsene Autor Lukas Bärfuss. Hauptfinanzierer von „Kleist in Thun 2011“ sind neben den lokalen Veranstaltern massgeblich die Stadt Thun und der Kanton Bern. Zudem haben mehrere kulturelle Stiftungen und Sponsoren Beiträge gesprochen.

 

Kleists Aufenthalte in Thun

 

Der deutsche Dichter Heinrich von Kleist (1777-1811) stammte aus einer preussischen Offiziersfamilie und wurde als 14-Jähriger Soldat. Nachdem er 1799 den Kriegsdienst verlassen hatte, studierte er einige Zeit in seiner Geburtsstadt Frankfurt/Oder, begann aber alsbald ein rastloses Reisedasein. Nachdem er 1801 einige Zeit in Paris gelebt hatte, das ihm als unpersönliche Grossstadt aber missfiel, fasste er den Plan, in der Schweiz im Geiste Rousseaus Bauer zu werden. Er kam im Winter 1802 nach Thun und liess sich im Frühling auf der Aare-Insel nieder. Er arbeitete an seinen ersten und berühmt gewordenen Werken Die Familie Schroffenstein und Der zerbrochne Krug sowie dem Fragment gebliebenen Robert Guiskard. Im Sommer 1802 musste er Thun wegen einer Krankheit verlassen, kehrte ein Jahr später aber vorübergehend zurück.

 

 

Programmübersicht

 

        „Krug in the Box“ Theater-Performance von Bridge Markland  / Mi 27. April, Thun-Panorama (veranstaltet durch: Kunstmuseum Thun)

        „Lieben und Töten, das kurze Leben des Heinrich von Kleist “ Junges Schauspiel Ensemble München / Fr 29. April, KKThun (Kunstgesellschaft Thun)

        „Das Käthchen von Heilbronn“ Referat von Erich Sidler / Di 17. Mai, Theater Alte Oele (Kunstgesellschaft Thun)

        „Ich will ein Bauer werden – Heinrich von Kleist und die Schweiz“ Ausstellung / Mi 25. Mai bis So 4. September, Schlossmuseum

        „Dichter sein in Thun“ Referat von Lukas Bärfuss / Fr 27. Mai, Rathaus (Literaare)

        „Ich will […] ein Bauer werden“ Wissenschaftliche Tagung / Mi 1. bis Sa 4. Juni, Tertianum Bellevue-Park

        Texte und Briefe von Kleist und Robert Walser Musikalische Lesung von Wolfgang Beuschel und Simone Keller / Mi 1. Juni, Tertianum Bellevue-Park

        Kleist-Stadtrundgang mit Jon Keller / Do 2. Juni sowie Sa 27. August, Treffpunkt Welcome-Center, Bahnhofplatz (Thun Tourismus)

        „Nicht ich – über das Marionettentheater von Kleist“ Musik und Tanz von Isabel Mundry, Jörg Weinöhl u.a. / Fr 3. Juni, KKThun (Schlosskonzerte Thun)

        „Kleist-Retraite“ Theater von Schauplatz International / 16.-26. Juni, Tertianum Bellevue-Park

        "Scherbenhaufen – ein Kleist-Krimi" Lesung von Stefan Hänni / Mi 17. August, Buchhandlung Krebser

        „Küsse mein Bild“ Performance von Miriam Sachs / Fr 19. August, Schlossmuseum

        „Kleist oder die Gewalt der Musik“ Konzert von Sabine und Tuomas Kaipainen u.a. / Sa 1. Oktober, Rathaus (Im Rathaus um 4)

        „An der Aare“ Ausstellung von Klaus Zwick / 6. Oktober bis 5. November, Kunstraum, Scheibenstrasse  (Wilfried von Gunten)

        „Erzählungen Heinrich von Kleists“ Lesung von Klaus Henner Russius / Di 25. Oktober, Theater Alte Oele (Kunstgesellschaft Thun)

        „Ich - die Akte Kleist“  arte-Film / Mo 21. November, Halle 6 (Literaare)

 

 

 

Weitere Informationen / Downloads mit Bildern für Medien

 

www.heinrich-von-kleist.org/kleist-in-thun-2011

 

 

Auskünfte an die Redaktionen

 

·         Tabea Steiner, Projektleiterin „Kleist in Thun 2011“, Tel. 031 371 60 66; E-mail kleistinthuntest@gmail.com

 

·         Philipp Burkard, Leiter Kulturabteilung der Stadt Thun,
Tel. 079 225 66 70 - bis 26.4. 2011
Tel. 033 225 83 96 - ab 26.4. 2011

 

 

Thun, 19. April 2011