Gemeinderat verfolgt Projekt einer Kontakt- und Anlaufstelle nicht weiter

Obwohl der Kanton die Finanzierung einer Kontakt- und Anlaufstelle zusichert, verzichtet der Thuner Gemeinderat auf die weitere Bearbeitung des Projektes.

 

Das Projekt einer Kontakt- und Anlaufstelle beschäftigt die Öffentlichkeit und die städtischen Behörden seit Jahren. Im Zusammenhang mit der seit Juni 2005 laufenden Aktion "Marathon" wurden auch flankierende Massnahmen zur Schadensminderung in der Randständigenszene verlangt. Das Strategiepapier zur Suchtpolitik, das dem Stadtrat im November 2005 zur Kenntnis vorgelegt wurde, sieht zu diesem Zweck die Schaffung einer Kontakt- und Anlaufstelle für Drogenabhängige vor. Zusammen mit dem Contact Netz Berner Oberland wurde deshalb das Projekt einer Kontakt- und Anlaufstelle an der Allmendstrasse 10 in Thun erarbeitet. Der Regierungsrat des Kantons Bern hat im Februar dieses Jahres, in Wiedererwägung eines früheren Beschlusses, die Übernahme der Investitionen für den Umbau der Liegenschaft in der Höhe von 200'000 Franken und der Betriebskosten für zwei Jahre in der Grössenordnung von insgesamt 1.5 Mio. Franken zugesichert. Für die Sicherheit und Ordnung um die Kontakt- und Anlaufstelle hätte die Stadt Thun mit einem Beitrag von Fr. 120'000.-- aufzukommen.

 

Nun hat der Gemeinderat entschieden, das Projekt einer Kontakt- und Anlaufstelle in Thun nicht weiter zu verfolgen. Er hat in Abwägung aller Vor- und Nachteile feststellen müssen, dass eine Kontakt- und Anlaufstelle an der Allmendstrasse nach bernischem Muster in Thun auf wenig Akzeptanz in der Bevölkerung stiesse. Damit würde aber eine der Voraussetzungen wegfallen, eine solche Einrichtung in Thun erfolgreich etablieren zu können. Dem Gemeinderat scheint zudem in Anbetracht von etwa 30 bis 40 Klienten das Kosten-Nutzen-Verhältnis äusserst ungünstig. Der Betrieb einer Kontakt- und Anlaufstelle nach vorgesehenem Konzept käme deutlich teurer zu stehen als in Bern oder Biel. Angesichts der nach wie vor angespannten Finanzlage kann sich die Stadt jährlich wiederkehrende Ausgaben für die Sicherheit und Ordnung im Umfeld einer höchst umstrittenen Kontakt- und Anlaufstelle an der Allmendstrasse nicht leisten, wenn im Gegenzug in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens Beiträge an soziale Einrichtungen mit präventivem Charakter gestrichen werden müssen. Schliesslich steht heute auch noch nicht fest, wie eine Kontakt- und Anlaufstelle in Thun nach Ablauf von zwei Jahren finanziert werden würde.

 

Der Gemeinderat von Thun widersetzt sich damit auch dem Druck der Stadt Bern, die eine Anlaufstelle in Thun zur Entlastung ihrer Einrichtung an der Hodlergasse befürwortet. Obwohl eine kürzlich erstellte Studie aufzeigt, dass Drogenabhängige aus der Region Thun die Anlaufstelle in Bern besuchen, führt der Gemeinderat von Thun die dortigen Probleme ebenso stark auf veränderte Konsumgewohnheiten bei allen Drogenabhängigen zurück.

 

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  • Lüscher Andreas, Vorsteher Soziales, Tel. 033 222 61 78 / 079 250 40 69

 

Thun, 14. Mai 2007