Fussgängerstreifen

Im September 2013 überwies der Thuner Stadtrat einstimmig ein Postulat, das eine Überprüfung der Fussgängerstreifen auf städtischem Boden verlangte. Anschliessend wurde die Überprüfung der Fussgängerstreifen (FGS) durch das Tiefbauamt vorbereitet und das ausgewiesene Verkehrsingenieurbüro Swisstraffic AG in Ittigen, welches bereits die Untersuchungen der FGS auf Kantonsstrassen durchgeführt hat, mit der Untersuchung beauftragt. Fazit der Überprüfung: Von den 259 Fussgängerstreifen auf Thuner Stadtgebiet (ohne Kantonsstrassen) erfüllen rund zwei Drittel die Normen. 93 Fussgängerstreifen – gut ein Drittel – werden als nicht normgerecht eingestuft. Bei 27 von ihnen sind bereits Sanierungen geplant oder im Gang. Mit den Ergebnissen des Überprüfungsberichtes liegt Thun im Rahmen anderer grosser Gemeinden und der Berner Kantonsstrassen.

Nicht normgerechte Fussgängerstreifen werden priorisiert

Die Beurteilung der 66 als ungenügend beurteilten Fussgängerstreifen erfolgt nach Kriterien wie Fahrzeug- und Fussgängerfrequenzen, Schulwege und Unfallstatistik. Unter Berücksichtigung dieser Fakten wird ebenfalls entschieden, ob ein Fussgängerstreifen überhaupt berechtigt ist oder aufgehoben werden soll. Kommen die Fachleute des Tiefbauamtes zum Schluss, dass ein Fussgängerstreifen bestehen bleiben soll, werden mittelfristige Sanierungsmassnahmen festgelegt, projektiert und umgesetzt. Je nach Umfang sind Baubewilligungsverfahren notwendig. Beim häufigsten Schwachpunkt, den ungenügenden Sichtverhältnissen, spielen in manchen Fällen angrenzende private Gebäude, Zäune, Bepflanzungen oder Nutzungen eine grosse Rolle. Sind bauliche und/oder organisatorische Veränderungen nicht möglich, wird auch eine Aufhebung eines Fussgängerstreifens erwogen.

Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmenden hat abgenommen

Verkehrsfachleute stellen eine laufende Abnahme der Aufmerksamkeit sämtlicher Verkehrsteilnehmenden fest – Telefongespräche, Nachrichten auf dem Handy, das Navigationssystem oder Kopfhörer lenken vom Geschehen auf der Strasse ab. Zusätzliche Verkehrstafeln, komplizierte Verkehrsführungen oder neue Regelungen und Gesetze bringen gemäss Experten wenig. Als valable, sichere Alternativen zu Fussgängerstreifen haben sich in Thun Mittelzonen wie die blauen Wellen in der Innenstadt oder der Betonstreifen auf dem Bahnhofplatz erwiesen. Hier handeln die Verkehrsteilnehmenden eigenverantwortlich: Aufmerksamkeit, Rücksicht und Toleranz sind entscheidender als das Einhalten sturer Vortrittsregeln.