Verkehrsversuch Mittelzone Innenstadt "syt so guet"

Vom 22. August 2011 bis 21. August 2012 führte das Tiefbauamt Thun in der Innenstadt zwischen dem Guisanplatz und dem Sternenplatz (Kino Rex bis Coop Kyburg) einen Verkehrsversuch durch. Eine Mittelzone an Stelle der drei Fussgängerstreifen sollte die Verkehrssituation für die Fahrzeuglenkenden und die Fussgänger verbessern. Auslöser für den Verkehrsversuch waren die starken Passantenströme auf den Fussgängerstreifen, die regelmässig in den Spitzenstunden den Verkehr ins Stocken brachten sowie der Wunsch, den Fussgängern das freie Queren der Strasse zu erleichtern.

Die Mittelzone hilft den Fussgängern, ihr Ziel direkt anzusteuern. Sie müssen dazu nur eine Fahrspur aufs Mal traversieren,  so lassen sich auch kleine Lücken im Verkehr gut nutzen. Die Fahrzeuglenker kommen flüssiger durch die Innenstadt, da sie nicht mehr für jeden einzelnen Fussgänger anhalten müssen. Bei gegenseitiger Rücksichtnahme bietet dieses System allen Verkehrsteilnehmern Vorteile, wie das Beispiel der Bahnhofstrasse zeigt. Im Prinzip haben die Fahzeuglenker zwar Vortritt. Das Gesetz verlangt von ihnen aber ein angemessenes Verhalten. Wo Fussgängerstreifen fehlen, bedeutet dies: Rücksicht nehmen. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 50 km/h belassen, da die real gefahrenen Geschwindigkeiten wegen den engen Verhältnissen, den vielen Passanten und der kurzen Fahrstrecke weit tiefer liegen.

Der Verkehrsversuch dauerte ein Jahr. Mit Videoaufnahmen wurde überprüft, ob die gegenseitige Rücksichtnahme wirklich funktioniert und sich die Situation für alle verbessert. Der gewünschte Effekt ist eingetreten. Die durch Aufmerksamkeit, Höflichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme geprägte Verkehrskultur nach dem Motto "Syt so guet" hat sich im 160 Meter langen Versuchsabschnitt gut eingespielt. Der Thuner Gemeinderat hat von den positiven Resultaten und den Empfehlungen des Tiefbauamtes und der externen Berater Kenntnis genommen und entschieden, die Mittelzone mit den blauen Wellen vorerst als Übergangslösung bis zur definitiven Strassenraumgestaltung zu belassen.