Gemeinderat will mit Kanton und Investor über Kauf der Schadaugärtnerei verhandeln

Der Gemeinderat der Stadt Thun hat zur Frage der Schadaugärtnerei eine politische Neubeurteilung vorgenommen. Er will sich dafür einsetzen, dass das Areal der Schadaugärtnerei nicht überbaut wird. Deshalb will er mit dem Kanton und mit dem Investor über einen Kauf des Areals verhandeln. Er beantragt dem Stadtrat deshalb, eine Motion der BDP-Fraktion, welche dies verlangt, in der Form des Postulates zu überweisen.

Der Gemeinderat der Stadt Thun hat sich bisher immer für die Realisierung einer Überbauung auf dem Areal der früheren Schadaugärtnerei ausgesprochen. Dieses bisherige positive Bekenntnis zur geplanten Überbauung beruhte auf einer umfassenden Interessenabwägung und legte den politischen Fokus auf eine Wohnstrategie, die den gehobenen Wohnungsbau fördern will, sowie auf eine Stärkung der Steuerkraft bei den natürlichen Personen. Der Gemeinderat stützte sich dabei auf fachliche und politische Überlegungen, die auch aus heutiger Sicht nach wie vor nachvollziehbar und begründbar sind. Die sensiblen garten- und denkmalpflegerischen Fragen und die Verkehrsfragen, die sich im Areal der Schadaugärtnerei heute stellen, waren zum Zeitpunkt der damaligen Entscheide bereits bekannt.

 

In der Zwischenzeit sind aber einige neue Aspekte aufgetaucht, die es angezeigt erscheinen lassen, die bisherige Haltung zu überdenken und eine politische Neubeurteilung vorzunehmen. An einer Klausursitzung hat sich der Gemeinderat eingehend mit diesem Geschäft auseinandergesetzt. Er hat dabei seine bisherige Position überdacht. Gestützt auf diese Neubeurteilung, will sich der Gemeinderat dafür einsetzen, dass das Areal der Schadaugärtnerei nicht überbaut wird. Er hat zu diesem Zweck eine Task-Force eingesetzt und entsprechende Aufträge erteilt. Die folgenden Punkte haben den Gemeinderat zu dieser neuen Position veranlasst:

·       Bedeutung als Erholungsraum und Grünfläche für die Bevölkerung: Die Schadau als gesamtes Ensemble mit Scherzligkirche, Schloss, Park und Thun-Panorama ist in der Thuner Bevölkerung ausserordentlich beliebt. Der Gemeinderat will sorgsam mit diesem Gebiet umgehen.

·       Beachtung der Interessen zukünftiger Generationen: Der Gemeinderat will nachhaltig entscheiden und handeln. Er will insbesondere auch die Interessen zukünftiger Generationen wahren. Am Thuner Jugend-Zukunftstag vom 2. Juni 2012 haben sich die anwesenden Jugendlichen im Thuner Rathaus unter anderem auch für mehr Grün- und Freiräume in der Stadt Thun ausgesprochen. Sie haben auf ihr Unbehagen hingewiesen, dass in der Stadt Thun immer mehr Räume überbaut werden. Dabei wurde auch die geplante Überbauung Schadaugärtnerei erwähnt. Der Gemeinderat möchte diese Stimmen aus der Jugend ernst nehmen.

·       Möglichkeit der Entwicklung einer Kultur- oder Bildungsmeile: Mit dem Uferweg, der Scherzligkirche, dem Schloss, dem Schweizerischen Gastronomiemuseum, dem Thun-Panorama und dem KKThun entwickelt sich das Gebiet immer mehr zu einer Kulturmeile. Mit dem Schadau-Gymnasium und der Hotelfachschule Thun gibt es in diesem Gebiet zudem wichtige Bildungseinrichtungen. Es wäre denkbar, das Gebiet in diesen Bereichen noch weiter zu entwickeln. Ein Verzicht auf eine Überbauung würde hier Spielräume offen lassen.

·       Erfordernis von Lösungen für offene Verkehrsfragen: Im Bereich Schadau stellen sich zahlreiche Verkehrsfragen. Es sind auch Lösungen für den ruhenden Verkehr erforderlich (Parkierungsmöglichkeiten unter anderem für Besucherinnen und Besucher der Scherzligkirche, des Schlosses und des Thun-Panoramas).

·       Möglichkeit einer umfassenden Beurteilung im Rahmen der Ortsplanungsrevision: In der nächsten Legislatur soll eine umfassende Ortsplanungsrevision in Angriff genommen werden. Ein Verzicht auf eine Überbauung der Schadaugärtnerei würde es ermöglichen, die Frage der zukünftigen Nutzung dieses Areals in einem grösseren Gesamtzusammenhang anzuschauen.

·       Neues Fachgutachten: Eine private Plattform Interessengruppe Schadaugärtnerei IGS liess von Sibylle Heusser, dipl. Architektin ETH, ein Gutachten zur Bedeutung der ehemaligen Schadau-Besitzungen erstellen. Dieses Gutachten spricht sich für die Freihaltung der Gärtnerei aus. Es wird nun Sache der Rechtsmittelbehörden sein, zu beurteilen, ob dieses Gutachten zu einer anderen rechtlichen Beurteilung führt.

·       Einreichung einer Petition: Die Plattform Interessengruppe Schadaugärtnerei IGS hat zudem auch eine Petition „Stopp der unsensiblen Überbauung Schadaugärtnerei Thun“ eingereicht. In der Zwischenzeit sind über 4'400 Unterschriften gesammelt worden.

Gestützt auf eine Gesamtbeurteilung, ist der Gemeinderat deshalb bereit, solche Verhandlungen aufzunehmen. Der Gemeinderat will damit seine klare Absicht zum Ausdruck bringen, dass er angesichts der Bedeutung dieser Parkanlage zukünftige Entscheide in diesem Bereich sehr sorgfältig und umsichtig erarbeiten will. Er ist sich der Bedeutung dieses Gebietes bewusst. Historische Gärten sind Teil unseres kulturellen Erbes. Ein achtsamer und bewusster Umgang mit dieser wertvollen Parkanlage, der auch die vielfältigen Nutzungsbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt, ist unumgänglich. Der Gemeinderat will deshalb eine Gesamtsicht über die verschiedenen Nutzungen und die Gestaltung der gesamten Parkanlage erarbeiten, welche auch den Anforderungen des See- und Flussufergesetzes entspricht. Die Grundlagen für eine solche Gesamtsicht werden gegenwärtig in Zusammenarbeit mit den beteiligten kantonalen Fachstellen (Denkmalpflege, Amt für Gemeinden und Raumordnung) geklärt. Dabei ist auch die Tatsache in die Überlegungen einzubeziehen, dass Schadaupark und Schadaugärtnerei historisch eine gewisse Einheit bilden.

 

Der Gemeinderat beantragt dem Stadtrat, eine Motion der BDP-Fraktion, welche ebenfalls Verhandlungen über den Kauf des Areals Schadaugärtnerei verlangt, in der Form des Postulates zu überweisen (siehe Beilage).

 

Auskünfte an die Redaktionen

·         Stadtpräsident Raphael Lanz, Tel. 033 225 82 15

 

Thun, 3. Juli 2012