Uferpromenade bleibt am Wochenende für Velos offen

Seit Beginn der Umgestaltung der Hofstettenstrasse Anfang April darf die Uferpromenade zwischen Thun und Hünibach auch an den Wochenenden mit dem Velo befahren werden. Nun haben die Gemeinderäte von Thun und Hilterfingen die definitive Aufhebung des Velofahrverbotes am Wochenende beschlossen. Wichtige Entscheidungsgrundlagen waren Videoaufnahmen, die ein weitgehend konfliktfreies „Zäme ufem Quai“ dokumentieren, sowie eine Bevölkerungsumfrage, in der die Öffnung des Quais von einer beträchtlichen Mehrheit der Teilnehmenden begrüsst wird. Die definitive Öffnung wird demnächst publiziert. Wichtig dabei: Schnelle und eilige Velofahrende sollen künftig die verbreiterte Hofstettenstrasse benutzen, während der Quai gemächlichen Radlerinnen und Radlern offen steht.

 

Unter der Woche sind Velofahrende auf dem Quai zwischen dem Mühleplatz Thun und der Ländte Hünibach seit Langem eine Selbstverständlichkeit. Dies soll künftig auch am Wochenende so sein. Die Gemeinderäte von Thun und Hilterfingen haben beschlossen, das Velofahrverbot von Samstag 13.00 Uhr bis Sonntag 24.00 Uhr aufzuheben. Infolge der seit April dieses Jahres laufenden Umgestaltung der verkehrsreichen Hofstettenstrasse, die eine Ausweichroute für Velofahrende erforderte, konnte die Wochenendöffnung des Quais bereits während einiger Monate in der Praxis erprobt werden (vgl. Communiqué vom 30. März 2012).

 

Videoaufnahmen zeigen keine nennenswerten Konflikte

Von Thun und Hilterfingen in Auftrag gegebene Videoanalysen (vgl. Communiqué vom 28. August 2012) weisen auf eine hohe Toleranz und Rücksichtnahme zwischen Fussgängern und Velofahrenden hin. Es sind kaum heikle Situationen erkennbar, auch der Kantonspolizei liegen keine Meldungen zu Unfällen oder Fastunfällen vor. Der Vergleich der Fussgänger- und Veloströme zeigt, dass der Quai unterschiedlich genutzt wird. Zwischen dem Thunerhof und Hünibach sind Fussgänger und Velofahrende ähnlich zahlreich präsent. Auf dem stadtnahen Abschnitt zwischen Mühleplatz und Thunerhof sowie dem Restaurant Dampfschiff dominieren die Fussgänger, insbesondere am Wochenende (siehe Anhang "Zusammenfassung und Bilanz", Seiten 10 +11). Für Velofahrende wird der Fussgängerverkehr dann fast zu dicht, um noch effizient vorwärts kommen. Wo gute Alternativen bestehen, wird der Quai offenbar wieder verlassen und auf andere Routen ausgewichen. Die Videoaufnahmen zeigen aber auch, dass das Miteinander von Velofahrenden und Fussgängern auf dem Quai – unabhängig vom Wochentag – durchaus noch verbessert werden kann. Die Einmündungen und Zufahrten sind teilweise etwas unübersichtlich und verleiten durch ihr Gefälle zu überhöhter Fahrgeschwindigkeit.

 

Öffnung des Quais wird in der Umfrage mehrheitlich begrüsst

Zusätzlich zu den Videoaufnahmen wurde vor Ort sowie im Internet auch eine Bevölkerungsumfrage zur gemeinsamen Nutzung des Quais durch Spazierende und Velofahrende durchgeführt. 1046 Personen haben insgesamt an der Umfrage teilgenommen, davon wohnen fast 70% in Thun oder in der Gemeinde Hilterfingen (Seite 21). Die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse:

<s>·              </s>Rund 70% der Umfrageteilnehmenden sind mehr als einmal pro Woche auf dem Quai unterwegs (Seite 22). Fussgänger, Velofahrende und Personen, die mal zu Fuss, mal mit dem Velo unterwegs sind, halten sich wochentags ungefähr die Waage.<s></s>

<s>·              </s>Am Wochenende wird die Gruppe der Personen, die immer mit dem Velo unterwegs sind, kleiner (24%), während die „reinen“ Fussgänger 40% der Quaibesucher ausmachen (Seite 23). Die Umfrage liefert somit ein recht repräsentatives und aussagekräftiges Stimmungsbild der ortsansässigen, regelmässigen und häufigen Quaibesucher.<s></s>

<s>·              </s>71% der Befragten stimmen der Öffnung des Quais zu, 29% sind dagegen (Seite 27). Rund 60% der Befragten geben an, dass die Öffnung des Quais am Wochenende ihnen persönlich mehr Vorteile als Nachteile bringt, für 25% der Befragten ergeben sich mehr Nachteile (Seite 25).<s></s>

<s>·              </s>Dennoch haben die Velofahrenden die Fussgänger nicht einfach überstimmt: Rund 1/3 der „reinen“ Fussgänger sind ebenfalls für die Öffnung des Quais, obwohl sie selbst daraus keinen direkten Nutzen ziehen (Seite 28).<s></s>

<s>·              </s>Als wichtigste Nachteile einer Öffnung werden die Beeinträchtigung des Quai- und Landschaftsgenusses, die engen Verhältnisse, die Gefahr für Kinder und Hunde und das zu schnelle Fahren mancher Radfahrenden genannt (Seite 26).<s></s>

<s>·              </s>Die Gegner der Öffnung sind mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren deutlich älter als die Befürworter (43 Jahre). Dieses Ergebnis erstaunt nicht weiter: Wer beispielsweise schlechter hört oder weniger mobil ist, erschrickt mehr, kann notfalls schlechter ausweichen und fühlt sich entsprechend mehr gestört und verunsichert. <s></s>

Öffnung des Quais, aber kein Laissez-faire

Die Gemeindeexekutiven von Thun und Hilterfingen sind auf Grund der Videoanalysen und der Umfrageresultate zum Schluss gekommen, dass die gemeinsame Nutzung des Quais durch Fussgänger und Velofahrende am Wochenende ebenso gut funktioniert wie werktags. Das Velofahrverbot an den Wochenenden wird deshalb aufgehoben. Da die Hofstettenstrasse nach Abschluss der Bauarbeiten für eiligere Velofahrende deutlich attraktiver wird als die stark bevölkerte Uferpromenade, dürfte der Veloverkehr hier deshalb wieder etwas zurückgehen.

 

Mittels Öffentlichkeitsarbeit soll auch immer wieder darauf hingewiesen werden, dass die Hofstettenstrasse vor allem von eiligen, der Quai in erster Linie von gemächlichen, langsameren Velofahrenden genutzt werden soll. Die neue Verkehrsregelung mit der Signalisation "Fussweg, Velos gestattet" wird in den nächsten Wochen publiziert und einer 30-tägigen Beschwerdefrist unterstellt. Die Regelung soll im Frühjahr 2013 definitiv in Kraft treten. Während der Wintermonate und dem Baustellenbetrieb auf der Hofstettenstrasse gilt das heutige Provisorium.

 

Aufmerksamkeit, Höflichkeit, Toleranz - wie in Innenstadt

Die beiden Gemeinderäte sehen aber auch Handlungsbedarf: Für die heikleren Einmündungsbereiche sind geschwindigkeitsdämpfende Massnahmen zu prüfen. Die Velofahrenden auf dem Quai werden aufgefordert, auf ältere Personen und Familien besonders Rücksicht zu nehmen und deutlich, aber freundlich auf sich aufmerksam zu machen. Die Uferpromenade Thun bis Hünibach soll auch in Zukunft ein Ort zum Schlendern, Flanieren, Plaudern, Begegnen und Geniessen bleiben. Die beim Verkehrsversuch Mittelzone Innenstadt funktionierende Verkehrskultur mit Aufmerksamkeit, Höflichkeit, Toleranz und gegenseitiger Rücksichtnahme ist auch auf dem Quai angebracht.

 

Weitere Informationen: www.thun.ch/uferpromenade

 

 

Auskünfte an die Redaktionen:

 

  • Stadt Thun: Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften, Tel. 033 225 83 33
  • Gemeinde Hilterfingen: Roland Bühlmann, Gemeinderat, Ressort Energie und Umwelt, , Tel. 079 310 31 16

 

 

Thun, 16. November 2012

Die schnelleren Radler/innen sollen künftig vermehrt die ausgebaute Hofstettenstrase benutzen, die gemächlicheren den Arequai.