"Obon" gewinnt Wettbewerb für neues Krematorium

Das Interesse, für die Stadt Thun ein neues Krematorium zu entwerfen, war enorm: 138 Teams von Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros reichten diesen Herbst Projektideen ein. Nun hat das Preisgericht unter dem Vorsitz von Gemeinderat Konrad Hädener das Siegerprojekt bestimmt: Es empfiehlt das Projekt Obon eines Zürcher Teams zur Weiterbearbeitung. Der vorgeschlagene eingeschossige Flachbau besticht gemäss Jury durch „einfache, aber grosse architektonische Ausstrahlung“. Nun wird das Projekt weiterentwickelt. Nächsten Sommer wird der Stadtrat über einen Projektierungskredit befinden, im Herbst 2017 findet eine Volksabstimmung über den Ausführungskredit statt.

 

Am 20. November 2014 bewilligte das Thuner Stadtparlament einen Wettbewerbskredit für einen Neubau des Krematoriums, im Frühling dieses Jahres lancierte die Stadt Thun national und international einen Projektwettbewerb (gemäss Norm SIA 142 und GATT/WTO-Richtlinien). Das Echo war ungewöhnlich gross: 199 Teams aus Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros meldeten sich an, 138 Teams reichten im Herbst eine Wettbewerbsarbeit und ein Modell ein. Nach mehreren Beurteilungsrunden in einem anonymen Verfahren konnte die siebenköpfige Jury (s. Kasten) unter dem Vorsitz von Gemeinderat Konrad Hädener, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften der Stadt Thun, das Siegerprojekt bestimmen: Unter zahlreichen sehr guten Arbeiten überzeugte „Obon“ des Zürcher Teams Markus Schietsch Architekten GmbH und Schmid Landschaftsarchitekten GmbH am meisten.

 

„Ausdrucksstark, erfüllt vielfältige Anliegen“

In unmittelbarer Nähe zum Areal des Friedhofs Schoren am südlichen Stadtrand sieht „Obon“ einen einfach gestalteten, eingeschossigen Pavillon vor, dessen Fassade auf drei Seiten von Säulen geprägt ist. Der Bau weist gemäss Jurybericht eine „einfache, aber grosse architektonische Ausstrahlung“ auf und steht „in starkem Kontrast zur bewegten Landschaft der Berner Voralpen und zum Baumbestand in unmittelbarer Nähe“. „‘Obon‘ ist ein ausdrucksstarkes Projekt, das sowohl die Anliegen der Besuchenden wie auch des Friedhofbetriebs sehr gut erfüllt“, fasst Jury-Präsident Konrad Hädener die Qualitäten zusammen.

 

Als nächstes wird das Projekt optimiert

Das Projekt Obon wird in den nächsten Monaten in diversen Punkten optimiert – so etwa bezüglich der Proportionen des Säulenganges, der Art und Anlage der Baumbepflanzung oder bezüglich Energiestandard. Das neue Krematorium soll die Minergie-P-Anforderungen erfüllen. Im Sommer 2016 wird der Thuner Stadtrat über einen Projektierungskredit befinden. Im Herbst 2017 wird den Stimmberechtigten der Ausführungskredit vorgelegt – gemäss einer Grobkostenschätzung (+/- 20 %) wird der Neubau etwa 14,3 Mio. Franken kosten. Das Baubewilligungsverfahren wird parallel geführt. Mit einem Baustart kann ab Herbst 2018 und mit dem Bauabschluss etwa Anfang 2020 gerechnet werden.

 

Gebäude des alten Krematoriums kann weiter genutzt werden

Spätestens Ende 2020 soll das neue Krematorium in Betrieb genommen werden, da die beiden Öfen des alten Krematoriums im Stadtfriedhof gemäss Luftreinhalteverordnung und einer Verfügung des Kantons nur bis dann genutzt werden dürfen. Das heutige Krematorium betreibt die Stadt Thun seit 1975 auf dem Areal des Stadtfriedhofs im Schönauquartier. Mit den beiden alten Öfen konnte die Luftreinhalteverordnung in den letzten Jahren nicht mehr eingehalten werden. Der Kanton setzte der Stadt erstmals eine Frist bis Ende 2012, um die Anlagen zu sanieren. Ein bereits 2006 erarbeitetes Sanierungsprojekt verzögerte sich jedoch, da betriebliche, wirtschaftliche und gestalterische Fragen bei deutlich steigender Zahl der Kremationen nicht gelöst werden konnten. Der Gemeinderat prüfte schliesslich die drei Szenarien Sanierung, Neubau und Auslagerung. Er entschied sich für einen Neubau beim Friedhof Schoren, dem zweiten städtischen Friedhof, der im Gegensatz zum Schönau-Friedhof jedoch nicht mitten in einem Wohnquartier liegt. „Bei höheren Investitionen wird ein Neubau am Stadtrand Vorteile wie zeitgerechte Aufbahrungs- und Abdankungsräume, eine geringere Belastung der Umwelt, optimale Arbeitsabläufe und eine bessere Verkehrserschliessung aufweisen“, erläutert Gemeinderat Konrad Hädener die gewählte Variante. Abdankungshalle, Aufbahrungszimmer und Angehörigenraum werden am alten Standort weiterhin zur Verfügung stehen. Die weiteren Räume können anderweitig durch Stadtgrün genutzt werden.

 

Die weiteren Ränge

 

Im Rahmen des Wettbewerbskredits standen auch 155‘000 Franken Preisgelder für die ersten fünf bis acht Ränge der teilnehmenden Teams zur Verfügung. Damit werden diese für ihren Aufwand bei der Entwicklung der Projektidee entschädigt. Die Jury sprach dem erstrangierten Team beim Projektwettbewerb für das Krematorium 40‘000 Franken zu, für Rang zwei gibt es 30‘000 und für Rang drei 22‘000 Franken.

 

Die Jury rangierte nach Rang 1 für „Obon“ (siehe Haupttext) folgende weiteren Projekte: 2. „Amsel“ der Architekten-Kollektiv AG, Winterthur, und der Graber Allemann Landschaftsarchitektur GmbH, Pfäffikon; 3. „Angelico“ von Felgendreher Olfs Köchling (Bürofok), Berlin und 100 Landschaftsarchitektur, Berlin; 4. „7376“ von Barozzi / Veiga GmbH, Chur, und Parcal Heyraud – architecte Paysagiste, Neuchâtel; 5. „ragazzo della via gluck“ der ARGE MSM-A /rico wasescha, Zürich, und Graf Landschaftsarchitektur GmbH, Uerikon; 6. „Six Feet Under“ der Aviolat Chaperon Escobar Architectes Sàri, Fribourg, und Marceline Hauri, Planetage GmbH, Zürich; 7. „Eunoë“ von Bube, Rotterdam und Pola, Berlin; 8. „Uranos“ von Mauro Turin Architectes sàrl, Lausanne und Paysagegestion SA, Lausanne.

 

 

Die Jury

 

Ein siebenköpfiges Preisgericht aus drei Sachpreis- und vier Fachpreisrichtern hat in einem anonymen, mehrstufigen Verfahren die Rangierung der eingereichten Wettbewerbsarbeiten vorgenommen. Die drei Sachpreisrichter vertreten gemäss SIA-Normen jeweils den Auftraggeber, in diesem Fall die Stadt Thun. Es waren Gemeinderat Konrad Hädener als Jury-Präsident, Rolf Maurer, Leiter Tiefbauamt, und Thomas Zumthurm, Leiter Amt für Stadtliegenschaften. Die vier Fachpreisrichter entsprechen in ihren Qualifikationen den Wettbewerbsteilnehmenden. In der Jury für das Krematorium waren in dieser Funktion Marco Graber, dipl. Architekt ETH BSA SIA, Bern/Zürich, Simon Schöni, Landschaftsarchitekt FH BSLA SIA, Bern, Marc Syfrig, dipl. Architekt ETH BSA SIA, Luzern und als Fachpreisrichter Kasimir Lohner, dipl. Architekt ETH SIA, Thun vertreten. Beraten wurde die Jury von zehn nicht stimmberechtigten, teils externen, teils städtischen Experten. Mit der Wettbewerbsbegleitung bzw. Moderation des ganzen Prozesses beauftragt war H. Kasimir Lohner von der Lohner + Partner, Planung Beratung Architektur GmbH, Thun.

 

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten

 

Die Wettbewerbsarbeiten können im Dezember 2015 noch besichtigt werden. Ausgestellt sind sie im Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) in Thun-Allmendingen zu folgenden Zeiten:

-       16. bis 23. Dezember

-       28. und 29. Dezember

-       Montag bis Freitag jeweils von 15.00 bis 19.00 Uhr

-       Samstag und Sonntag jeweils von 12.00 bis 16.00 Uhr

Am Montag, 21. Dezember um 17.00 Uhr findet eine öffentliche Führung durch die Ausstellung statt. Zwischen 17.00 und 19.00 Uhr beantworten zudem zwei anwesende Mitglieder des Preisgerichts Fragen.

 

Fotos (JPG) zvg – Downloads auf www.thun.ch/krematorium :

 

-       je ein Modellbild der Ränge 1 bis 3 (Obon, Amsel, Angelico)

-       zwei Visualisierungen von „Obon“

 

Download Jurybericht und Medienmitteilung

 

-       www.thun.ch/krematorium

 

Auskünfte an die Redaktionen:

  • Jury-Präsident: Gemeinderat Konrad Hädener, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften, Tel. 0079 263 77 39
  • Wettbewerbsbegleiter: H. Kasimir Lohner, Lohner + Partner, Thun, Tel. 079 246 46 52
  • Siegerteam: Markus Schietsch, Markus Schietsch Architekten GmbH, Zürich, Tel. 044 444 38 40

 

 

Thun, 15. Dezember 2015

Modellbild des Siegerprojektes Obon: So wird dereinst das neue Krematorium beim Friedhof Thun-Schoren situiert sein.
Siegerprojekt Obon: Visualisierung der Aussenansicht des künftigen Krematoriums in Thun-Schoren.