Eissportzentrum Grabengut: ein weiterer Schritt in Richtung Sanierung

Die Stadt Thun will das Eissportzentrum Grabengut sanieren. Nach der Wahl des Siegerprojekts aus dem Architekturwettbewerb beantragt der Gemeinderat dem Stadtrat die Genehmigung eines Planungs- und Projektierungskredits von 374’000 Franken. Das Parlament befindet am 20. September darüber.

Das Sanierungsprojekt des Eissportzentrums im Garbengut schreitet weiter voran. Ziel ist es, die Kunsteisbahn und die Curlinghalle zu einem zeitgemässen, attraktiven und identitätsstiftenden Eissportzentrum für alle zusammenzuführen. Im städtischen Sportleitbild ist festgehalten, dass der Bevölkerung und den Sportvereinen ein ausreichendes und zeitgemässes Angebot an Sportanlagen und Bewegungsräumen zur Verfügung gestellt werden soll. 2011 fiel der politische Entscheid, am Standort Grabengut festzuhalten. Der Gemeinderat hat die Sanierung als eine der Massnahmen definiert im Rahmen des Legislaturziels „Die Position als familienfreundliche Stadt mit hohem Freizeitwert ist gestärkt“. Anfang 2018 bestimmte die Jury das Projekt «Polo» des Teams rund um das Luzerner Architekturbüro Marques als Sieger des Architekturwettbewerbs (vgl. Medienmitteilung vom 1. Februar 2018). Das Projekt überzeugt sowohl städtebaulich wie auch architektonisch, funktional und wirtschaftlich. Am 20. September entscheidet der Stadtrat nun über die Genehmigung des Planungs- und Projektierungskredits von 374'000 Franken.

Verschiedene Varianten der Sanierung

Das Sanierungsprojekt sieht einen modularen Aus- bzw. Umbau des Eissportzentrums vor. Dies lässt es der Stadt offen, wie weit die Anlage ausgebaut und saniert werden soll. Insgesamt bestehen drei Varianten, wobei diese jeweils aufeinander aufbauen. Variante I sieht vor, das Haupteisfeld einzuhausen, was eine bedeutende Lärmentlastung für die Nachbarschaft bedeutet und eine bessere Ausnutzung des Eisfelds für den Betrieb ermöglicht. Ausserdem sollen neue geschlechtergetrennte Garderoben gebaut, Material- und Aufenthaltsräume geschaffen, die Haustechnik optimiert und der Energieverbrauch minimiert werden. Des Weiteren ist die Neugestaltung des Vorplatzes vorgesehen. Gesamthaft kostet Variante I 21 Millionen Franken (+/- 10% Kostenungenauigkeit).

Variante II (25,6 Millionen Franken) beinhaltet nebst den Massnahmen der Variante I im Wesentlichen die Gesamtsanierung der Curlinghalle und den Ersatz des Haupteisfelds. Variante III schliesst alle Massnahmen der Variante II ein und sieht im Wesentlichen die zusätzliche Einhausung des zweiten Eisfeldes (Aussenfeld) vor. Dies würde die Nutzungszeiten der Sportanlage deutlich erhöhen, da das zweite Eisfeld wetterunabhängig nutzbar wäre. Allerdings hat eine Umfrage bei den Nutzerinnen und Nutzern gezeigt, dass gerade das Schlittschuhlaufen unter freiem Himmel und in Zentrumsnähe sehr beliebt ist.

Gemeinderat spricht sich für Variante I aus

Der Gemeinderat und alle Projektbeteiligten sprechen sich klar für die Variante I aus. Sie entspricht den städtischen Bedürfnissen und bietet einen guten, nicht übertriebenen Standard. Die Variante I stellt sicher, dass der Betrieb zukunftsorientiert, effizient und mit hohem Freizeitwert weitergeführt werden kann, ohne einen allfälligen späteren Ausbau zu verunmöglichen. Die Realisierung der dringend fehlenden Räume ist mit Variante I gesichert (z.B. geschlechtergetrennte Garderoben, Lager, Aufenthaltsräume). Das Raumangebot ist gut abgestimmt, betriebliche Synergien sind möglich.

Das Sanierungsprojekt wird auch von der kürzlich gegründeten Interessengemeinschaft (IG) Eissportzentrum Grabengut, bestehend aus Thuner Eissportvereinen, unterstützt.

2022/2023 kann der Betrieb aufgenommen werden

Für die Realisierung des Projekts stellte die Stadt Thun im Aufgaben- und Finanzplan gut 25 Millionen Franken ein. Die Kosten für die Planung und Projektierung belaufen sich auf gesamthaft 1'750'000 Franken. Der Stadtrat hat am 20. September über den Investitionsanteil von 374'000 Franken zu entscheiden.

Der aktuelle Zeitplan sieht vor, bis im Jahr 2020 die Überbauungsordnung und die Projektierung durchzuführen. Damit werden die planrechtlichen Auflagen der Zone mit Planungspflicht erfüllt und die Details des Projektes ausgearbeitet. 2021 soll der Ausführungskredit beantragt werden (je nach Anteil Investition in Kompetenz von Stadtrat oder Volk). In der Saison 2022/2023 soll der Betrieb in der sanierten Anlage aufgenommen werden können.

 

Minimalvariante wäre schliesslich die teuerste Lösung

In einem Postulat (P 8/2018) vom 22. März 2018 forderten die Fraktionen SVP/FDP und BDP, eine echte Minimalvariante des Bauvorhabens Grabengut zu prüfen und die bestehende Anlage für maximal 10 bis 15 Jahre weiterzubetreiben. Nach der Gesamtbeurteilung kommt der Gemeinderat zum Schluss, dass sich die vermeintlich günstigste Minimalvariante 0 (3,6 Millionen Franken) jedoch als die teuerste erweist und damit keine sinnvolle Perspektive aufzeigt. Eine Minimalvariante im Sinne des Postulats könnte nur eine Übergangslösung sein. Denn wenn der Erhalt für lediglich 10 bis 15 Jahre gewährt und in Thun auch anschliessend Eissport betrieben werden soll, müssen die Kosten einer späteren Sanierung, eines Neubaus oder eines Totalabbruches ebenfalls einberechnet werden. Rechnet man zu den Kosten der Minimalvariante die Kosten von 45,1 Millionen Franken für einen Neubau an einem neuen Standort sowie die anfallenden Baurechtszinsen hinzu, ergibt sich eine Summe von brutto über 50 Millionen Franken. Finanzpolitisch ist eine solche Lösung für den Gemeinderat nicht vertretbar.