Rechnung 2020 mit schwarzer Null

Die Rechnung 2020 der Stadt Thun schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 3,9 Millionen Franken ab. Der Überschuss soll für zusätzliche Einlagen in die Spezialfinanzierung für den baulichen Unterhalt verwendet werden. Das Parlament befindet im Juni über die Rechnung.

Die Jahresrechnung 2020 der Stadt Thun schliesst ausgeglichen ab. «Dies ist auch auf den aus der Vor-Coronazeit basierenden Steuerertrag zurückzuschliessen», erklärt Gemeinderätin Andrea de Meuron. Bei Ausgaben von 316,9 Mio. Franken und Einnahmen von 320,8 Mio. Franken schliesst die Erfolgsrechnung 2020 der Stadt Thun mit einem Ertragsüberschuss von 3,9 Mio. Franken ab. Nebst dem positiven Steuerertrag tragen auch tiefere Aufwendungen in den Bereichen Personalaufwand, Sach- und übriger Betriebsaufwand sowie tieferer Zinsaufwand zum besseren Ergebnis bei. Aufgrund des erzielten Ertragsüberschusses beantragt der Gemeinderat dem Stadtrat eine zusätzliche Einlage in die Spezialfinanzierung «Baulicher Unterhalt Verwaltungsvermögen». Die Jahresrechnung wird an der Stadtratssitzung vom 24. Juni 2021 behandelt.

Beeinflussbare Ausgaben im Griff

«Der Blick auf die einzelnen Sachgruppen im Aufwand zeigt, dass die Stadt die beeinflussbaren Ausgaben im Griff hat», betont Gemeinderätin de Meuron. So liegt beispielsweise der Personalaufwand um 2,3 Mio. Franken oder der Sach- und Betriebsaufwand um 1,4 Mio. Franken unter den jeweiligen Budgetwerten. Weiter profitiert die Stadt nach wie vor vom tiefen Zinsniveau. Der Zinsaufwand liegt um 1,2 Mio. unter dem Budgetwert 2020.

Steuererträge 2020 leicht über dem Budgetwert

Der gesamte Steuerertrag liegt mit netto 126,6 Mio. Franken um 0,9 Mio. Franken über dem Budgetwert 2020. Mit 98,9 Mio. Franken liegen die Steuern der natürlichen Personen um 0,6 Mio. Franken unter dem Wert aus dem Budget 2020. Ebenfalls die Steuern der juristischen Personen liegen mit 11,4 Mio. Franken um 0,2 Mio. Franken unter dem Budget. Umgekehrt fällt der Ertrag bei den übrigen direkten Steuern zum Budget 2020 um 1,7 Mio. Franken höher aus. Der Mehrertrag ist vor allem auf höhere aperiodische Vermögensgewinn- und Erbschafts- und Schenkungssteuern zurückzuführen. Aufgrund der Corona-Situation rechnet die Stadt im Budget 2021 und den Folgejahren mit einem Rückgang der Steuereinnahmen, was sich entsprechend negativ auf die Selbstfinanzierung auswirken wird.

Lastenausgleichszahlungen unter dem Vorjahreswert

Die Beiträge der Stadt Thun an die sechs Lastenausgleichssysteme zwischen dem Kanton Bern und den bernischen Gemeinden betragen total 61,2 Mio. Franken. Dies sind rund 0,1 Mio. Franken weniger als in der Jahresrechnung 2019. Vom gesamten Steuerertrag von 126,7 Mio. Franken beträgt der Anteil der Lastenausgleichszahlungen 48,3 Mio. In der Rechnung 2019 lag dieser Wert noch bei 49,8 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Anteil aufgrund der Pandemie-Situation zu Ungunsten der Stadt entwickeln wird. Es ist damit zu rechnen, dass tieferen Steuererträgen höhere Kosten der Lastenausgleichsbereiche gegenüberstehen (z.B. öffentlicher Verkehr oder Sozialhilfe).

Nettoinvestitionen deutlich über den Planwerten

Die Nettoinvestitionen fallen mit 43,5 Mio. Franken um 11,9 Mio. Franken höher als geplant aus. Zurückzuführen ist dies auf die nicht budgetierte Umbuchung des Darlehens von 22 Mio. Franken der Energie Thun AG. Das Darlehen wird vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen transferiert. Der Realisierungsgrad beträgt unter Berücksichtigung dieses Darlehens 138 %. Den Nettoinvestitionen steht eine Selbstfinanzierung aus der Erfolgsrechnung von 19,1 Mio. Franken gegenüber. Es entsteht somit ein Finanzierungsfehlbetrag von 24,4 Mio. Franken. Anders gesagt: Die Nettoinvestitionen können zu 43,8 Prozent aus eigenen Mitteln finanziert werden.

Gesunde Bilanzsituation

Die Stadt Thun weist mit einer Bilanzsumme von 445 Mio. Franken nach wie vor eine solide Bilanz aus. Einem Finanzvermögen von 296,2 Mio. Franken steht ein Fremdkapital von 222,5 Mio. Franken gegenüber. Das Nettovermögen beträgt somit 73,7 Mio. Franken. Die Stadt Thun kann als einzige der grossen Berner Städte auf ein Nettovermögen zurückgreifen. Gemeinderätin Andrea de Meuron ist überzeugt, «dass eine gesunde Bilanz auch einen wichtigen Standortvorteil darstellt».

Vorerst keine Kurskorrektur für den städtischen Finanzhaushalt

Die Corona-Situation hinterlässt Spuren in den städtischen Finanzen. Im Planungszeitraum 2021 bis 2024 wird mit kumulierten Fehlbeträgen in der Erfolgsrechnung von 42,9 Mio. Franken gerechnet. Allein das Budget 2021 weist einen Aufwandüberschuss von 15,7 Mio. Franken aus. «Der Gemeinderat verfolgt eine langfristige Strategie und verzichtet– abgesehen vom bereits beschlossenen Stellenmoratorium und vom Verzicht auf die Dreifachsporthalle mit Wettkampfinfrastruktur – vorerst auf weitere Massnahmen und Kurskorrekturen», sagt Gemeinderätin Andrea de Meuron. Sie begründet dies mit dem gegenüber dem Budget 2020 besseren Rechnungsergebnis sowie der immer noch gesunden Bilanzsituation. «Zeichnen sich aber kurzfristig Trendänderungen ab, wird der Gemeinderat rechtzeitig und mit Augenmass die nötigen Massnahmen zur Stabilisierung des städtischen Finanzhaushaltes einleiten», fasst Gemeinderätin Andrea de Meuron die Situation zur künftigen Finanzpolitik zusammen.