Hochwasser Thun: Situation weiterhin angespannt

Die Hochwassersituation in Thun bleibt angespannt. Der Seepegel steigt weiter und das Wasser ist an einigen Stellen über die Ufer getreten. Diverse Schadensmeldungen sind eingegangen, ein Altersheim musste evakuiert werden und das Strandbad wurde geschlossen. Seit letztem Freitag, 9. Juli ist das Regionale Führungsorgan (RFO) Thun plus im Einsatz. Die Bevölkerung wird gebeten, sich an die Anweisungen zu halten. Seit Mittwoch ist die Hochwasser-Hotline in Betrieb.

 

Die Hochwassersituation in Thun ist nach wie vor angespannt. Der Seepegel lag am Freitagmittag mit 558,67 Metern über Meer fast 40 cm über der Schadensgrenze. Gemäss Bundesamt für Umwelt gilt die höchste Gefahrenwarnstufe. Besonders gefährdet sind die Quartiere Gwatt und Dürrenast. Von dort gingen in den vergangenen Stunden diverse Schadensmeldungen ein. Dank den Lehren, die man aus den Hochwassern von 1999 und 2005 gezogen hat, dem Entlastungsstollen und den früh getroffenen Massnahmen hält sich der Schaden aktuell (noch) in Grenzen. Der Pegel liegt zudem noch deutlich unter den maximalen Pegelständen der vergangenen Hochwasser. Das Schwemmholz wird seit einer Woche laufend aus dem See entfernt. Aufgrund dieser Massnahme und der Installation der Hochwassersperren ist die Innenstadt bisher weitgehend verschont geblieben.

50 Einsätze von Schutz und Rettung

Das Regionale Führungsorgan RFO Thun plus koordiniert die Aufgaben. Die Kerngruppe sowie weitere Vertreter verschiedener Behörden- und Fachstellen treffen sich zweimal täglich zum Rapport. Schutz und Rettung Thun ist seit vergangenem Freitag, 9. Juli, im Einsatz. Hochwassersperren wurden errichtet und Schwemmholz wird laufend aus dem See entfernt. Die Situation wird rund um die Uhr beobachtet, um allfällige Massnahmen sofort auslösen zu können. Die Feuerwehr und der Zivilschutz konnten seither rund 50 Einsätze zur Schadensminderung abarbeiten. Im Einsatz stehen vor allem Tauchpumpen zum Schutz der Infrastruktur und Installationen der Gebäude. Bei einem Einsatz musste auch Öl aus dem Wasser entfernt werden.

Die Pumpwerke der Kanalisation laufen in den Gebieten Gwatt und Dürrenast auf Volllast. Da das Grundwasser in den nächsten Tagen noch weiter steigt, kann es in Kellern und Einstellhallen zu weiteren Schäden und auch zu Rückstaus in der Kanalisation kommen. Die Einsatzkräfte sind vor Ort und diverse Pumpen sind im Einsatz. Massnahmen zur Versorgung der Grundbedürfnisse (mobile Toiletten) werden getroffen.

Altersheim evakuiert, Strandbad bis auf Weiteres geschlossen

Der Strandweg zwischen Seewinkel und Gwatt ist aus Sicherheitsgründen gesperrt. Das Strandbad musste am Freitag, um 12 Uhr bis auf Weiteres schliessen. Bereits am Donnerstag, 15. Juli hatte der Regierungsstatthalter ein Schifffahrts- und Badeverbot für den Thunersee und die Aare verfügt. Der TCS Camping im Gwatt musste geschlossen werden. Zudem musste Schutz und Rettung das Altersheim Provivatis im Seewinkel evakuieren, da die Zufahrt für Rettungskräfte nicht mehr gewährleistet werden konnte. Die 16 Bewohnerinnen und Bewohner sind alle wohlauf und in der Hotelfachschule untergebracht.

Lageentwicklung, Ausblick auf kommende Tage

«Gemäss den aktuellen Einschätzungen der Fachleute von Bund und Kanton gehen wir davon aus, dass der Seepegel die für uns kritische Grenze voraussichtlich nicht erreichen wird. Die Lage wird sich aber nur leicht und über mehrere Tage entspannen», so Heinz Wegmüller, Chef RFO Thun plus. Die Bevölkerung ist daher dringend gebeten, sich an die Anweisungen der Einsatzkräfte zu halten und sich von Gewässern fernzuhalten. Für Fragen ist die Hochwasser-Hotline unter
033 225 35 20 durchgehend in Betrieb. Bei der Lindermatte im Gwatt ist zudem ein Infopoint eingerichtet, an dem sich die Quartierbewohnerinnen und -bewohner informieren können und Hilfe erhalten. Aktuelle Informationen gibt es laufend auf der Website der Stadt Thun.

 

Zahlen und Fakten

Pro Tag stehen 10-15 Angehörige der Feuerwehr im Einsatz. Diese leisten täglich 120-180 Einsatzstunden. 

Bis heute wurden 45 Angehörige des Zivilschutzes aufgeboten. Davon stehen pro Tag ca. 12 Personen im Einsatz.  

Bei der Hochwasser-Hotline gingen bis Freitagmittag 125 Anrufe ein. Am Infopoint auf der Lindermatte meldeten sich zwischen 30 und 40 Personen.  

Bis Freitagmorgen wurden über 3500 Sandsäcke gefüllt und der Bevölkerung abgegeben. Es wurden rund 80 Tonnen Sand verarbeitet.

Informationen:

Hochwasser-Hotline 033 225 35 20

Infopoint Lindermatte: 9-13 Uhr, 15-19 Uhr

www.thun.ch/hochwasser

www.alert.swiss