Angebote für Drogenkranke werden ausgebaut - Finanzierung gesichert

Mit einem schrittweisen Ausbau der Angebote des Spritzentausches, der Tagesstrukturen, des betreuten Wohnens und der Notschlafstelle wird die Betreuung der Thuner Drogenkranken verbessert. Diese Einzelmassnahmen ersetzen die ursprünglich geplante Kontakt- und Anlaufstelle in Thun und entlasten diejenige in Bern. Der zweijährige Versuch wird durch den Kanton finanziert.

Ein Bündel von schrittweise einzuführenden Massnahmen soll die Situation schwer Drogenabhängiger in Thun verbessern und die Kontakt- und Anlaufstelle in Bern entlasten. Der Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kantons Bern hat die Finanzierung des Ausbaus bestehender Angebote in Thun für eine Versuchszeit von zwei Jahren zugesichert (vgl. Communiqué des Kantons von heute, 10. Juni 2008). Da der Thuner Gemeinderat die Akzeptanz einer Kontakt- und Anlaufstelle in Thun bei der Bevölkerung als gering einschätzt, verzichtet er auf die Schaffung einer solchen, ebenso auf ein Café Social, wie es vom Kanton angeregt worden ist. Stattdessen werden bestehende Institutionen in Thun ihre Angebote ausbauen und damit nach Überzeugung von Stadt und Kanton ebenfalls eine Schadensminderung bewirken:

 
Contact Netz: Die Regionalstelle Thun-Oberland des "Contact Netz" wird die Öffnungszeiten des bestehenden Spritzenumtauschangebots, das aktuell an vier Tagen zu anderthalb Stunden geöffnet ist, auf fünf Tage zu je vier Stunden ausdehnen. Die Betroffenen werden beraten, können dort gebrauchte Spritzen tauschen, verweilen und diskutieren sowie alkoholfreie Getränke und Snacks konsumieren. Unter anderem bleiben der Handel mit und der Konsum von Drogen verboten.

 
Werkstatt 18: Ausgebaut wird auch das Angebot der Werkstatt 18 (von "Contact Netz") in Steffisburg um 14 Stunden pro Woche. Die zusätzliche Zeit umfasst die Arbeit in einem Atelier zur Schaffung einer Tagesstruktur sowie die Betreuung vor und nach dem Arbeitseinsatz. Auch in der Werkstatt 18 bleiben der Handel mit und der Konsum von psychoaktiven Substanzen verboten.

 
Verein Wohnhilfe: Im teilbetreuten Wohnen in der "Villa Schlossberg" stellte der Verein Wohnhilfe Region Thun bisher die Betreuung im Zeitraum von 11 bis 20 Uhr sicher. Diese Betreuung wird nun ausgebaut, was ermöglicht, den nur für die Bewohnerinnen und Bewohner benutzbaren (bisherigen) Konsumationsraum bis Mitternacht beaufsichtigt offen zu halten.

  
Notschlafstelle: In der Notschlafstelle an der Allmendstrasse 8 werden die Öffnungszeiten verlängert, um den Druck auf die Betroffenen, sich auf der Gasse aufhalten zu müssen, zu reduzieren. Bislang waren der Handel mit und der Konsum von psychoaktiven Substanzen durch die Hausordnung verboten. Nun soll der Konsum für die Nutzerinnen und Nutzer analog der Lösung in der Villa Schlossberg in einem eigens dafür eingerichteten Hygieneraum erlaubt werden. Der Handel wird weiterhin nicht toleriert.

 
Gassenarbeiter informiert Betroffene laufend

Diese Angebote sollen bis im Herbst dieses Jahres sukzessive eingeführt werden. Da zu erwarten ist, dass die Kontakt- und Anlaufstelle in Bern ab Herbst nicht mehr von Abhängigen aus Thun frequentiert werden darf, sollen die Betroffenen während einiger Monate durch einen vom Contact Netz Thun-Oberland eingesetzten Sozialarbeiter auf die ergänzten Angebote in Thun hingewiesen werden.

 
Finanzierung aus Suchtfonds

Die Finanzierung dieser Ausbauschritte erfolgt zu Lasten des kantonalen Suchtfonds aus den ursprünglich für eine Kontakt- und Anlaufstelle Thun bewilligten Mitteln. Es wird mit jährlichen Kosten von 565'000 Franken gerechnet. Dazu kommen einmalig 83'000 Franken für bauliche Anpassungen und die aufsuchende Sozialarbeit.

 
Auswertung im Herbst 2010

Nachdem die Finanzierung nun gesichert ist, werden die beteiligten Institutionen die Detailplanung vornehmen und insbesondere die Öffnungszeiten koordinieren. Die Wirkungen dieses Angebotsausbaus werden laufend, spätestens aber im Sommer 2010 durch die begleitende Steuergruppe ausgewertet. Über die Weiterführung der Abgebote und die Überführung in eine ordentliche Finanzierung durch die Lastenverteilung wird anschliessend entschieden.

 

Auskünfte an die Redaktionen:

·       Andreas Lüscher, Gemeinderat, Vorsteher der Direktion Soziales, Tel. 033 222 61 78 (c/o Verwaltung Gesamtkirchgemeinde Thun)

·       Markus Pfeuti, Leiter der Abteilung Soziales,
Tel. 033 225 84 46

 

Thun, 10. Juni 2008