Thuner Drogenabhängige werden in Bern durch "Contact" Thun informiert

Wie bekannt, werden Drogenabhängige aus der Stadt Thun und dem Berner Oberland von der Kontakt- und Anlaufstelle Bern ab 1. November abgewiesen. Seit Juni und noch bis Ende November informiert und betreut ein Mitarbeiter der Thuner Beratungsstelle Contact die Thuner Drogenkranken vor Ort in Bern. Derweil sind die Hilfsangebote in Thun seit Sommer schrittweise ausgebaut worden.

 

In der Kontakt- und Anlaufstelle (K & A) in Bern informiert und betreut ein langjähriger Mitarbeiter der Thuner Beratungsstelle Contact Drogenabhängige, die aus Thun und dem Berner Oberland anreisen. Seit Juni macht er sie an einem Tag pro Woche auf die spezifischen, ausgebauten Angebote in Thun (siehe Kasten) aufmerksam. Zudem orientierte er sie darüber, dass die Stadt Bern ab 1. November keine Thuner Drogenkranken mehr in ihrer Anlaufstelle betreuen wird. Noch bis Ende November wird der Thuner Contact-Mitarbeiter seine Aufklärungs- und Betreuungstätigkeit in Bern weiterführen.

 

Gemäss einer 2006 durchgeführten Erhebung (vgl. Mitteilung vom 12. Dez. 2006) besuchen 30 bis 40 Drogenabhängige regelmässig die K & A in Bern - eine Grössenordnung, die gemäss den Beobachtungen des Thuner Contact-Mitarbeiters auch heute noch zutrifft. Die Stadt Bern verlangte im Jahr 2007 von der Stadt Thun, eine eigene K & A aufzubauen. Trotz zugesicherter Finanzierung durch den Kanton verzichtete der Thuner Gemeinderat aber darauf, da er die Akzeptanz einer Anlaufstelle in der lokalen Bevölkerung als zu gering erachtete (vgl. Mitteilung vom 14. Mai 2007). Im vergangenen Juni (vgl. Mitteilungen der Stadt Thun und des Kantons vom 10. Juni 2008) präsentierte die Stadtregierung als Ersatz für eine K & A in Thun sowie zur Entlastung der Berner Anlaufstelle einen schrittweisen Ausbau der bestehenden Thuner Angebote - des Spritzentausches, der geschützten Arbeitsplätze, des betreuten Wohnens und der Notschlafstelle. Für die Dauer von zwei Jahren finanziert werden diese Zusatzleistungen durch den Kanton. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) bewilligte 1,13 Mio. Franken für den Betrieb, während die einmaligen Investitionskosten von 83'000 Franken aus dem kantonalen Suchtmittelfonds finanziert werden. Die Ausweitung der Angebote wird am 1. November abgeschlossen sein.

 

Erweiterte Angebote zeigen Wirkung

Dass diese Ausweitung das Ziel, die Drogenkranken in Thun besser ansprechen zu können, auch erreicht, beweisen fünf Neu- und Wiederanmeldungen beim Contact Thun. Zwei Personen konnten erfolgreich in ein Substitutionsprogramm vermittelt werden. Auch die Arbeits- und Tagesstrukturen werden von mehreren Vermittelten bereits benützt.

 

Vermeidung von Härtefällen wichtig

Der Thuner Gemeinderat hat Verständnis für die Haltung der Stadt Bern, Drogenabhängige aus Thun nicht weiterhin in der bereits überlasteten Berner Anlaufstelle zu empfangen und zu betreuen. Deshalb sind die Unterstützungs-Angebote für Thuner und Oberländer Drogenkranke in Thun ausgebaut worden. Klar ist aber auch, dass es schwierig sein wird, die aus Thun und dem Oberland anreisenden Klientinnen und Klienten in Bern überhaupt zu erkennen, um sie abweisen zu können, da manche keine Papiere auf sich tragen. Es ist zu hoffen, dass die intensive Information und Unterstützung durch das "Contact" Thun in Bern, die noch bis Ende November läuft, Härtefälle vermeiden hilft. Gewähr dafür bieten auch die nach anfänglicher gegenseitiger Skepsis guten Kontakte zwischen den Drogenfachleuten der beiden Städte.

 

 

So werden die Thuner Angebote bis

1. November ausgebaut

 

Als Ersatzangebot für eine Kontakt- und Anlaufstelle wird in Thun das bestehende Angebot ausgeweitet. Zwischen Juni und 1. November 2008 - dem Beginn der Abweisung der Thuner Drogenabhängigen in Bern - erfolgt Schritt für Schritt folgender Ausbau:

 

Spritzenumtausch: Der Spritzenumtausch wird durch längere Öffnungszeiten erleichtert. Gleichzeitig wird eine Aufenthaltsmöglichkeit eingerichtet.

 

Werkstatt 18: Das bestehende Angebot an geschützten Arbeitsplätzen wird ausgebaut und optimiert, die Öffnungszeiten werden verlängert. Für nicht arbeitende Klientinnen und Klienten wird eine Aufenthaltsmöglichkeit eingerichtet.

 

Notschlafstelle: Die Öffnungszeiten werden verlängert. In einem überwachten Hygieneraum ist der Drogenkonsum für dort logierende Suchtkranke gestattet. Der Handel aber bleibt verboten.

 

Villa Schlossberg: Das Angebot des teilbetreuten Wohnens wird optimiert und die Betreuung ausgebaut. Bewohnerinnen und Bewohner können in einem bis Mitternacht beaufsichtigten Raum Suchtmittel konsumieren.

 

(Details siehe Medienmitteilungen von Stadt und Kanton vom 10. Juni 2008)

 

Auskünfte an die Redaktionen:

·      Andreas Lüscher, Gemeinderat, Vorsteher der Direktion Soziales, Tel. 033 225 70 07

·      Kurt Berger, Regionalleiter Contact Thun-Oberland

·      Madeleine Rupp. Geschäftsleiterin Wohnhilfe Region Thun, Tel. 033 222 68 22 - heute Vormittag

 

 

Thun, 31. Oktober 2008