Parking im Schlossberg: öffentliche Mitwirkung hat begonnen

Um die Attraktivität der Thuner Innenstadt gegenüber Einkaufszentren "im Grünen" erhalten zu können, soll sie weiterhin für alle gut erreichbar bleiben – , ohne dass aber die Gesamtzahl der Parkplätze wächst. Zwei neue Parkieranlagen, das City Ost im Innern des Schlossbergs und das City Süd an der Mönchstrasse, die Aufhebung oberirdischer Parkplätze zugunsten attraktiver neuer Nutzungen sowie eine optimale Lenkung des Parkplatzsuchverkehrs sollen zur Erreichung des Ziels beitragen. Nun führen die Stadt und die Parkhaus Thun AG eine öffentliche Mitwirkung zum Schlossberg-Parking durch: Ab sofort bis Anfang August kann sich die Bevölkerung zum Parkhaus, zur Zufahrt und zur Fussgänger-Erschliessung äussern.

 

Vom 16. Juni bis 8. August kann sich die Bevölkerung zur Planung für eine neue Parkieranlage im Innern des Thuner Schlossbergs äussern. Doch es geht um mehr als nur eine Mitwirkung zu einem Bauvorhaben. Das geplante Parking City Ost im Schlossberg soll wesentlich zu einer gut erreichbaren, aber verkehrsarmen und attraktiven Innenstadt beitragen. Diese steht in zunehmendem Konkurrenzkampf mit gut erschlossenen Einkaufszentren an der Autobahn. Daher sollen die Obere Hauptgasse, der Rathausplatz, der Mühleplatz oder das Bälliz auch zu Fuss und per Velo besser erreichbar werden.

 

Parkplatz-Umnutzungen für höhere Attraktivität der Innenstadt

Mit einem Bündel von Massnahmen will der Thuner Gemeinderat vor allem auch den Parkplatz-Suchverkehr reduzieren, ohne aber die Gesamtzahl der Parkplätze zu erhöhen. Kernelemente des entsprechenden Parkraumkonzepts, das in einer Vernehmlassung bei Organisationen und Parteien im Winter 2009/2010 mehrheitlich gute Akzeptanz fand, sind ein neues Parking in einer Geschäftsüberbauung an der Mönchstrasse beim Bahnhof Thun (City Süd) mit maximal 140 öffentlichen Parkplätzen sowie eines im Innern des Schlossbergs mit rund 350 Plätzen (City Ost). Insgesamt etwa gleich viele oberirdische Parkplätze sollen zum Zeitpunkt der Eröffnung der neuen Parkieranlagen aufgehoben bzw. umgenutzt werden – auch zu Gunsten eines attraktiveren Stadtbilds.

 

Aarefeld-Parking bleibt vorerst bestehen

Über 200 Parkplätze wurden bereits zwischen 1998 und heute infolge der Realisierung von Überbauungen aufgehoben, weitere gut 240 Parkplätze werden mit der Inbetriebnahme der neuen Parkhäuser anderen Nutzungen wie Zweiradparkierung, Warenumschlag oder Aussenverkauf zugeführt. Insbesondere sollen die 80 Parkplätze des Aarefeld-Parkings hinter dem Kersch-Gebäude im Winkel Aarefeld– und Schulhausstrasse bis zur Inbetriebnahme des Parkhauses Schlossberg bestehen bleiben. Dieses Vorgehen hat der Gemeinderat aufgrund der Reaktionen der Innenstadt-Anwohnenden und
-Geschäftsleute auf das Parkraumkonzept gewählt.

 

Konkret äussern kann sich die Bevölkerung nun zur eigentlichen Parkieranlage im Schlossberg, zu deren Erschliessung und der dafür nötigen Zonenplanänderung. Der bautechnisch und bezüglich Ortsbild anspruchsvolle unterirdische Bau soll durch die Parkhaus Thun AG bis etwa 2017 realisiert und von der Stadt zu etwa einem Sechstel mitfinanziert werden. Einer Rückstellung von 6 Mio. Franken und der entsprechenden Zweckbestimmung hat der Stadtrat am 31. Mai zugestimmt. Es wird mit Gesamtkosten von 35 bis 40 Mio. Franken gerechnet.

 

In den letzten Monaten wurden alle wichtigen bautechnischen Fragen in einem Gutachterverfahren – eine Alternative zu einem Wettbewerb – durch externe Experten untersucht und beantwortet. Als optimale Lösungen für das Parking im Schlossberg stehen folgende Elemente im Vordergrund:

·         Bergbauverfahren: Zwischen Schloss und Stadtkirche – aber nicht direkt unter diesen historischen Gebäuden – wird der viergeschossige unterirdische Baukörper etwa 84 Meter lang und 50 Meter breit, auf der Seite der Oberen Hauptgasse etwa 15.5 Meter und auf der Seite der Burgstrasse etwa 21 Meter hoch. Gebaut werden kann im konventionellen, erprobten Bergbauverfahren, also unterirdisch, wie man es von Zivilschutz- und Militäranlagen oder vom Tunnelbau her kennt. Um unter den privaten Grundstücken bauen zu können, sind von deren Besitzern Unterbaurechte einzuholen.

·         Anfahrt über Kreisel und Tunnel: Die Zufahrt erfolgt von Norden her über einen Kreisel im Bereich der Verzweigung Burgstrasse - Krankenhausstrasse und einen etwa 35 Meter langen Tunnel.

·         Drei Fussgänger-Eingänge: Fussgängerinnen und Fussgänger sollen das Parking über drei Zugänge erreichen: direkt von der Oberen Hauptgasse (Öffnung etwa in der Mitte zwischen Rathausplatz und Mühlepassage), vom Schlossberg her (Öffnung in der Gartenmauer vor dem Abzugshaus) und parallel zur Zu- und Wegfahrt von der Burgstrasse her. Das Parkhaus Schlossberg wird es auch ermöglichen, zu Fuss direkt vom Spital nördlich des Schlosshügels in die Altstadt zu gelangen, ohne den Hügel überqueren zu müssen. Auch wird man von der Altstadt her mit einem Lift direkt den Schlossberg erreichen können.

·         Äusserlich kaum sichtbar: Die baulichen Eingriffe dürfen weder das historisch gewachsene Ortsbild des Wahrzeichens der Stadt Thun noch die unverwechselbare Ambiance in den stark durchgrünten privaten Liegenschaften am Schlossberg stören. Das Parkhaus wird für Besucherinnen und Besucher des Schlossbergs kaum sicht- und wahrnehmbar sein.

 

Stadtrat wird über angepassten Zonenplan befinden

Die beiden Parking-Vorhaben werden nun bis zu ihrer Realisierung technisch und politisch parallel weiter geführt: Nach der Mitwirkung zum Schlossberg-Parking wird der entsprechend angepasste Zonenplan voraussichtlich Anfang nächsten Jahres öffentlich aufgelegt und dann dem Stadtrat zum Entscheid unterbreitet. Sollte das Referendum gegen den Stadtratsbeschluss ergriffen werden, würden Thunerinnen und Thuner darüber abstimmen. Das Baugesuch kann frühestens 2013 aufgelegt werden. Die Planung für das Parking City Süd, zu der bereits 2009 eine Mitwirkung stattfand, wird im Herbst dieses Jahres öffentlich aufliegen und im Frühjahr 2012 dem Stadtrat vorgelegt werden. Parallel dazu wird das Baugesuch aufgelegt. Frühestens ab 2013 bzw. 2017 könnten die Parkhäuser bereit stehen.

 

Heute andere Ausgangslage

als bei Parkhaus-Abstimmung 2001

 

Vor rund zehn Jahren, am 2. Dezember 2001, lehnten Thunerinnen und Thuner eine Doppelvorlage für den sogenannten Parkhausring an der Urne ab. Eine Überbauungsordnung für ein Parkhaus City Ost im Aarebecken und ein vollautomatisches Parkhaus City Süd an der Mönchstrasse lehnten 60 Prozent der Stimmenden ab. Die städtische Beteiligung über 8 Mio. Franken an der Gesamtinvestition von 24 Mio. Franken in Form eines zinslosen Darlehens sowie eines Investitionskredits für flankierende Massnahmen in der Höhe von 1 Mio. Franken wurde mit 62 Prozent Nein-Stimmen verworfen. Insbesondere das Parkhaus unter der Flusssohle im Aarebecken wurde im Abstimmungskampf angezweifelt, aber auch das Funktionieren des Hochregal-Parkings City Süd.

 

Heute ist die Situation anders: Die Projekte für die Parkieranlagen wurden grundlegend geändert. Die Innenstadt ist mit einer grossen zusätzlichen Begegungszone im Oberen Bälliz sowie einer Tempo-30-Zone auf dem Bahnhofplatz für Fussgänger attraktiver geworden. Konkretisiert wurde zudem mit dem Bypass Thun Nord eine Aarequerung, die die Innenstadt weiter entlasten und die Erreichbarkeit der Parkings an der Peripherie der Innenstadt verbessern wird. Heute ist die Planung des Bypasses, der ab 2015 realisiert sein soll, weit fortgeschritten und wird in der Stadt und Region Thun befürwortet.

 

Parkraumplanung gut akzeptiert

Eine Vernehmlassung unter Parteien und Organisationen hatte im Winter 2009/2010 mehrheitlich Akzeptanz für das vom Thuner Gemeinderat vorgelegte Parkraumkonzept ergeben (vgl. Communiqué vom 5. Mai 2010). Insbesondere der Parkhausring an der Peripherie der Innenstadt mit den heutigen Parkhäusern City West (Aarestrasse) und City Nord (Grabengut) sowie den neuen Parkhäusern City Süd (Mönchstrasse) und City Ost (im Schlossberg) waren unbestritten. Auch ein Parkleitsystem und weitere Massnahmen wie die Angleichung der Parkier- und der Bustarife wurden klar befürwortet. Teilweise umstritten war die geplante Umnutzung oberirdischer Parkplätze und insbesondere die Aufhebung der 80 Plätze auf dem Aarefeld-Parkplatz hinter dem "Kersch-Gebäude". Deshalb beabsichtigt der Gemeinderat nun, diese bis zur Inbetriebnahme des Schlossberg-Parkhauses zu erhalten (vgl. Haupttext).

 

Mitwirkung dauert bis 8. August

 

Die Planungsgrundlagen der Parkierungsanlage Schlossberg und des Strassenplans Kreisel Burgstrasse/Krankenhausstrasse werden von Donnerstag, 16. Juni 2011 bis Montag, 8. August 2011 zur Einsichtnahme aufgelegt.

 

Die Unterlagen können im Erdgeschoss des städtischen Verwaltungsgebäudes an der Industriestrasse 2, 3602 Thun, von Montag bis Freitag, 08.00 bis 11.45 Uhr und 13.30 bis 17.00 Uhr (Freitag bis 16.00 Uhr) eingesehen werden. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, bis zum Ablauf der Auflage ihre Anregungen und Hinweise, aber auch ihre Kritik schriftlich und begründet bis spätestens Montag, 8. August 2011 dem Planungsamt der Stadt Thun, Industriestrasse 2, Postfach 145, 3602 Thun, mitzuteilen.

 

Hinweis: Einsprachen können nicht im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens, sondern erst bei der Auflage der Zonenplanänderung bzw. bei der Strassenplanauflage erhoben werden.

 

Für Auskünfte steht das Planungsamt der Stadt Thun zur Verfügung (Tel. 033 225 83 76). Für persönliche Auskünfte wird um eine Voranmeldung gebeten.

 

Orientierungsabend am Dienstag, 21. Juni

 

Am Dienstagabend, 21. Juli um 18.00 Uhr (bis längstens 20 Uhr) findet im Stadtratssaal des Rathauses Thun ein Orientierungsabend zum Thema Schlossberg-Parking statt. Über die Planung informieren und sodann Fragen beantworten werden Stadtpräsident Raphael Lanz, Gemeinderätin Marianne Dumermuth, Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung, Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften, sowie Beat Aeschbacher vom Ingenieurbüro Marchand + Partner. Der Geschäftsführer der Parkhaus Thun AG, Andreas W. Maurer, sowie weitere Fachleute werden ebenfalls anwesend sein.

 

Orientierungsabend zur Mitwirkung Schlossberg-Parking - Zonenplanänderung. Referenten: Stadtpräsident, Gemeinderatsmitglieder, Parkhaus Thun AG. Dienstag, 21. Juni, 18.00 - 20.00 Uhr, Rathaus Thun, Stadtratssaal, 1. Stock.

 

Unterlagen zu Handen der Redaktionen:

·         Parking Schlossberg Thun - Erläuterungsbericht zum Gutachterverfahren 2011 - PDF, siehe auch www.thun.ch/stadtplanung ‑ Aktuelle Planungen

 

Auskünfte an die Redaktionen

·       Stadtpräsident Raphael Lanz, Tel. 033 225 82 14

·       Gemeinderätin Marianne Dumermuth, Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung, Tel. 033 225 85 96

·       Hansueli Graf, Stadtplaner, Tel. 033 225 83 77

·       Andreas W. Maurer, Geschäftsleiter Parkhaus Thun AG, Tel. 033 222 78 26

·       Markus Wyss, Kreisoberingenieur (zu Strassenplan Kreisel Burgstrasse / Krankenhausstrasse), Tel. 033 225 10 71

 

Thun, 16. Juni 2011