Kunst im Selve-Park: Erinnerungsstücke gesucht

Im neuen Selve-Park, der sich zurzeit noch im Bau befindet, wird auf der 35 Meter langen Betonbank am Ufer ein künstlerischer Akzent gesetzt. Eine Wettbewerbsjury hat das Projekt "schiessen & giessen. Geschichten erzählen" von Daniela Keiser und Arno Hassler aus Zürich aus sechs eingereichten Vorschlägen ausgewählt. Nun ruft die städtische Kulturabteilung dazu auf, alte Objekte, die an die Geschichte des Selve-Areals erinnern, für die Herstellung von Kopien zur Verfügung zu stellen. Die Gegenstände werden zu dreidimensionalen "Bildern" komponiert, in Messing kopiert und in die Betonbank eingelegt. Die Besitzer erhalten die Originale später zurück.

 

Im Rahmen des Baus des neuen Stadtparks auf dem ehemaligen Selve-Industrieareal nordwestlich der Thuner Altstadt lud die städtische Kulturabteilung sechs Kunstschaffende ein, eine künstlerische Arbeit für den Park oder das kurze Wegstück zwischen Aare und Konzepthalle 6 zu skizzieren. Das Projekt "schiessen & giessen. Geschichten erzählen" von Daniela Keiser und Arno Hassler aus Zürich wurde von einer siebenköpfigen Jury zur Realisierung ausgewählt. Die Jury setzte sich aus städtischen und externen Fachpersonen zusammen. Neben den Siegern wurden Dominik Stauch (Thun), George Steinmann (Bern und Thun), Kilian Rüthemann (Basel), Kerim Seiler (Zürich) und Ariane Epars (Cully, VD) zum Wettbewerb eingeladen. Zu den Auswahlkriterien gehörten die künstlerische Qualität, die technische und finanzielle Realisierbarkeit, funktionelle Aspekte sowie der Orts- und der sich wandelnde Kontextbezug. Weiter wurde darauf geachtet, dass die Arbeit den Kontakt zwischen Mensch und Kunst fördert und über eine rein darstellende Funktion hinausgeht.

 

Das nun gewählte Werk von Daniela Keiser und Arno Hassler hat die Jury überzeugt, da es unaufdringlich, schlicht und poetisch wirkt und einen direkten Ortsbezug aufweist. Das Kostendach für das gesamte Projekt - inklusive Jurierung, die Honorare der Kunstschaffenden sowie Material- und Handwerkskosten - beträgt 100'000 Franken. Der Kredit wurde 2010 vom Thuner Stadtrat genehmigt. Die Stadt Thun initiiert Kunstprojekte im öffentlichen Raum, wenn eine hohe Publikumsfrequenz zu erwarten ist und es wirkungsvoll inszeniert werden kann.

 

"Zum Geschichtenerzählen anregen"

Daniela Keiser, geboren 1963, und Arno Hassler, geboren 1954, leben und arbeiten in Zürich. Die Idee ihres Projekts ist, Gegenstände, die an die verschiedenen Zeitabschnitte des Gebiets als Weide, Waffenplatz, Produktionsstätte, Ausgehmeile und Wohnquartier erinnern, zu fünf dreidimensionalen "Bildern" anzuordnen und in Messing zu giessen. Mit der Materialwahl nehmen die Kunstschaffenden direkt Bezug zu den Selve-Metallwerken und somit zur Geschichte des Areals. Die Messing-Objekte, zum Beispiel eine Pistole, Munition und ein Fisch, werden in die 35 Meter lange Bank, die im Park aareseitig aufgestellt wird, eingelegt. Die Anordnung der Gegenstände erfolgt nicht chronologisch. Vielmehr sollen sie in Dialog zueinander gesetzt werden, Assoziationen wecken, zum Gespräch und zum Geschichtenerzählen anregen. Bei den Objektkompositionen wird auch dem haptischen und sinnlichen Element ein wichtiger Stellenwert beigemessen. Die Messinggegenstände sollen betastet werden, wodurch sich ihre Oberfläche im Laufe der Zeit verändert und sich eine Patina bildet. Schliesslich können sich die "Bilder" auch zu einem schönen Treffpunkt entwickeln.

 

Selve-Erinnerungsstücke gesucht

Vorgesehen ist, dass die Kunstschaffenden für die dreidimensionalen Bildkompositionen zusätzlich zu bereits vorhandenen Selve-Erinnerungsstücken auch an die Selve-Geschichte erinnernde Objekte der Thuner Bevölkerung in die Arbeit integrieren. Diese werden von der Kulturabteilung entgegengenommen (siehe Kasten), von den Kunstschaffenden fotografisch erfasst und dokumentiert. Anschliessend wählen Daniela Keiser und Arno Hassler einige Gegenstände aus und machen davon einen Abguss. Die Erinnerungsstücke werden anschliessend unbeschädigt wieder an die Besitzerinnen und Besitzer zurückgegeben. Die Objekte müssen zwingend tragbar sein.

 

 

 

Ausstellung der Projektskizzen

bis 28. Juni in der Konzepthalle 6

Alle eingereichten Projektskizzen des Wettbewerbs für Kunst im Selve-Park (vgl. Haupttext) werden von Freitag, 17. Juni, bis Dienstag, 28. Juni, in der Konzepthalle 6 an der Scheibenstrasse 6 in Thun ausgestellt.

Gesucht: Selve-Erinnerungsstücke

Wer von Hand tragbare, an die Selve-Zeit erinnernde Objekte besitzt, wird ermuntert, diese für das geplante Kunstprojekt während drei Wochen auszuleihen. Die Objekte werden unversehrt wieder an ihre Besitzerinnen und Besitzer zurückgegeben.

Abgabe der Gegenstände:

Montag, 20. Juni, von 17.00 bis 18.30 Uhr

Freitag, 24. Juni, von 12.00 bis 13.30 Uhr und 16.00-17.00 Uhr

Ort: Rathaus, Kulturabteilung, 3. Stock

Abholen der Gegenstände:

Dienstag, 5. Juli, 12.00-13.30 Uhr

Donnerstag, 7. Juli, 16.30-17.30 Uhr

Ort: Rathaus, Kulturabteilung, 3. Stock

 

 

 

 

 

 

Zwei Plastiken werden demontiert

und neu am Uferweg platziert

Seit den 1960er-Jahren steht beim Sternenplatz die anfänglich heftig umstrittene Eisenplastik des Berner Künstlers Bernhard Luginbühl (1929-2011). In der Thuner Bevölkerung ist das Objekt auch bekannt unter dem Namen "Büchsenöffner". Es wurde im Rahmen des Neubaus des Waaghauses geschaffen. Die Steinskulptur "Per Aria" von Heidi Locher (*1951) aus Oberdiessbach wurde Ende der 1980er-Jahre an der Seestrasse beim Schiffskanal platziert. Nun werden die beiden Kunstwerke demontiert und vorübergehend im Werkhof der Stadt Thun untergebracht, bevor sie Ende August am neuen Uferweg Bahnhof - Schadau, der zur Zeit noch erstellt wird, platziert und präsentiert werden. Die aussergewöhnliche Aktion wurde von der städtischen Kulturabteilung, in Absprache mit der Künstlerin Heidi Locher und mit Basil Luginbühl, einem der Söhne von Bernhard Luginbühl, vorbereitet.

Auslöser für die Umplatzierungen war einerseits, dass mit dem Bau des ersten Teilstücks des Uferwegs eine Art Kulturmeile entstehen soll, die an der Scherzligkirche, dem Schloss Schadau und dem Thun-Panorama vorbei bis zum Kultur- und Kongresszentrum KKThun führt. Auch bedeutet die Neuplatzierung eine deutliche Aufwertung der beiden Skulpturen, die an ihrem bisherigen Standort - auch durch die Veränderungen der unmittelbaren Umgebung - kaum mehr beachtet wurden. Am Uferweg können die beiden Plastiken aus einem neuen und unerwarteten Blickwinkel wahrgenommen werden.

 

Fototermine für die Redaktionen - Demontage der Kunstwerke:

 

·         20 Juni, ab 07.30 Uhr: "Büchsenöffner" beim Sternenplatz

·         20. Juni, ab 13.30 Uhr: "Per Aria" Seestrasse

·         Die Neuplatzierung am Uferweg erfolgt voraussichtlich Ende August.

 

 

Auskünfte an die Redaktionen

·       Marianne Flubacher, stv. Leiterin Kulturabteilung, Tel. 033 225 46 25 / 079 246 18 55

 

Thun, 17. Juni 2011

Die Steinskulptur "Per Aria" von Heidi Locher, heute an der Seestrasse beim Schiffskanal, wird ab kommenden Herbst am neuen Uferweg Bahnhof-Schadau zu sehen sein. (zvg/Christian Helmle)
Die im Volksmund "Büchsenöffner" genannte Eisenplastik von Bernhard Luginbühl, die heute beim Sternenplatz in der Innenstadt steht, wird ab Herbst 2011 ebenfalls ein Element der "Kulturmeile" Bahnhof-Schadau sein. (zvg/Christian Helmle)