Ab 2012 Gratis-Grünabfuhr? Stadtrat entscheidet über neues Abfallreglement

In Thun soll ein zeitgemässes, gänzlich neues Abfallreglement die bisherigen Vorschriften, die seit 1992 gelten, ersetzen. Wichtigste Neuerungen sind die Gratis-Abfuhr des Grünguts in normierten Containern, die Vorschrift für Mehrweggeschirr an grossen Anlässen auf öffentlichem Grund sowie Bestimmungen für Restaurationsbetriebe, die Take-Away-Speisen verkaufen. Hauptziele sind die Vermeidung und Wiederverwertung aller im Abfall enthaltenen Wertstoffe. Stimmt der Thuner Stadtrat am 24. November zu, tritt das Reglement Anfang 2012 in Kraft.

 

Auslöser für die Erarbeitung eines neuen Abfallreglementes der Stadt Thun waren nicht nur die rasanten Veränderungen im Entsorgungsbereich in den letzten 20 Jahren, sondern auch eine stadträtliche Motion, die im November letzten Jahres überwiesen wurde. Diese beauftragte den Thuner Gemeinderat, das Abfallreglement von 1992 insbesondere im Bereich der rasch wachsenden Take-Away-Abfallmengen zu überarbeiten. Nun legt der Gemeinderat dem Stadtparlament für dessen Sitzung vom 24. November ein nicht nur bezüglich Take-Away-Betriebe, sondern gänzlich neu verfasstes Reglement vor. "Hauptziele sind die Reduktion der gesamten Abfallmenge, die Trennung und die möglichst weit gehende Wiederverwertung von Wertstoffen", erläutert der für das Abfallwesen zuständige Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften.

 

Für Einwohnerinnen und Einwohner sowie für Gewerbebetriebe wird sich, falls der Stadtrat zustimmt, vor allem dies ändern:

·         Grüngut gratis, nur noch in Norm-Containern: Grüngut, also Garten- und Rüstabfälle aus der Küche - aber keine Speisereste - werden neu gebührenfrei abgeführt. Dafür dürfen nur noch normierte Container benutzt werden, also keine Säcke oder Körbe mehr. So kann effizienter, kostengünstiger und für die Mitarbeitenden des Tiefbauamtes gesundheitsschonender entsorgt werden. Die Stadt plant mit den Firmen Immer AG und Gerber Stegmann AG Anfang 2012 eine Verkaufsaktion für verbilligte Grüncontainer. Zudem werden alle Haushalte bis 1. April Zeit erhalten, die Behälter zu beschaffen. Äste und Zweige dürfen weiterhin gebündelt abgeführt werden.

Das Tiefbauamt rechnet damit, dass die Grüngut-Menge steigen, dafür aber die Hauskehricht-Menge abnehmen wird. "Insgesamt dürfte die Abfalltrennung konsequenter umgesetzt werden", sagt Gemeinderat Roman Gimmel, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften. Das Grüngut wird als Energielieferant in die neue Vergärungsanlage im "Schluckhals" in Wimmis bei Spiez geliefert.

·         Mehrweggeschirr für grosse Anlässe auf öffentlichem Grund: Bewilligungspflichtige - meist grössere - Anlässe auf öffentlichem Grund müssen neu Mehrweggeschirr verwenden, also beispielsweise Teller mit Rückgabepfand. Erscheint dies nicht zumutbar, müssen andere geeignete Massnahmen zur Vermeidung und Verminderung des Abfalls getroffen werden.

Erfahrungen aus andern Städten zeigen, dass die Verwendung von Mehrweggeschirr die Abfallmengen massiv reduziert. Die Stadt Thun hat bereits mit mehreren grossen Veranstaltern Gespräche geführt, die zeigten, dass die Massnahme Akzeptanz findet. Sie wird auch aufgrund einer stadträtlichen Motion, die am 17. März 2011 überwiesen wurde, eingeführt.

·         Take-Away-Betriebe müssen Behälter bereit stellen: Imbissstände, Tankstellenshops, Läden mit verlängerten Öffnungszeiten und andere Take-Away-Betriebe müssen ihrer Kundschaft genügend Abfallbehälter für Kehricht und Separatabfälle bereit stellen. Nötigenfalls werden sie verpflichtet, liegen gelassene Abfälle einzusammeln und zu entsorgen.

Mit diesen Bestimmungen werden die Take-Away-Betriebe im Kampf gegen das Littering stärker verpflichtet. Seit Juni dieses Jahres führt das Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit der Direktion Sicherheit eine PR-Kampagne gegen das Littering durch. Unter anderem wurden im August die Abfälle eines Wochenendes in einer vier Meter hohen Säule sichtbar gemacht, und kürzlich dankten Mitarbeiter/innen des Tiefbauamtes und des Gewerbeinspektorates jenen, die ihre Abfälle korrekt in Abfallkübel entsorgten, mit einem kleinen Geschenk.

·         Neue Grossgebinde:  Neu können für die Entsorgung auch Abroll-, Press- und Unterflurcontainer eingesetzt werden. Für grössere Wohnbauten oder Überbauungen kann das Tiefbauamt die Verwendung von oberirdischen oder unterirdischen (Unterflur-) Containern vorschreiben. Da die Andockgebühr für Gewerbecontainer - die Gebühr pro Leerung - im schweizerischen Vergleich bisher zu hoch war, wird sie einheitlich auf 5 Franken herab gesetzt.

Im Stadtgebiet realisiert das Tiefbauamt seit Ende 2007 Unterflursammelstellen - bisher sind insgesamt acht in Betrieb. Für die Entleerung wird ein Spezialfahrzeug verwendet, das auch für die diversen Containertypen des Gewerbes eingesetzt werden kann.

·         Sperrgut wird einheitlich verrechnet: Sperrgut, welches nicht in einem offiziellen Gebührensack Platz findet, muss neu mit einer Grobsperrrgutmarke versehen und entsorgt werden. Zuvor wurde zwischen Klein- und Grobsperrgut unterschieden - kleines Sperrgut konnte bis zu einer bestimmten Grösse mit einer 110-Liter-Marke entsorgt werden. Diese für die Mitarbeitenden der Entsorgungsdienste aufwändige Differenzierung fällt weg.

Bisherige vier Angebote der Abfallentsorgung bleiben

Trotz der Neuerungen werden die vier Angebote der Abfallentsorgung - die Kehrichtabfuhr im Turnus, die Wertstoffsammelstellen, der Abfallsammelhof und die Beratung - weiter geführt. Vorerst unverändert bleiben auch die verschiedenen Kategorien der Grundgebühren. Eine Vereinfachung und Überarbeitung wird geprüft, sobald die vom Bund geplante Liberalisierung der Entsorgung im Gewerbebereich bekannt ist.

 

Gewerbebetriebe insgesamt entlastet

Die Grundgebühren für Gewerbebetriebe wurden leicht verändert. Kleinere Gewerbebetriebe werden etwas tiefere Gebühren bezahlen, solche mit über 3000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche etwas höhere. Wegen der Reduktion der Andockgebühren bezahlen künftig jedoch alle weniger. Infolge der Einführung der Gratisgrünabfuhr (minus 300'000 Fr.) und der Reduktion der Andockgebühren (minus 150'000 Fr.) wird die Stadt jährlich bei einem Gesamtbudget für die Abfallentsorgung von über 6 Millionen insgesamt 450'000 Franken weniger einnehmen.

 

Einführung per Anfang 2012 geplant - Grüncontainer ab April

Stimmt der Stadtrat am 24. November dem neuen Abfallreglement zu, wird es am 1. Januar 2012 in Kraft treten. Die Container für Grünabfälle jedoch müssen erst ab 1. April verwendet werden. Die Bevölkerung  wird im Dezember wiederum mit dem beliebten Abfallratgeber über Neues und auch Traditionelles informiert. Getreu nach dem Motto der Abfallvermeidung wird der Ratgeber 2012 weniger umfangreich sein und somit auf weniger Papier gedruckt.

 

 

Auskünfte an die Redaktionen

·       Roman Gimmel, Gemeinderat, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften, Tel. 033 225 83 33

·       Daniel Rychener, stv. Leiter Tiefbauamt, Tel. 033 225 83 74

 

 

 

Thun, 9. November 2011