Thuner/innen fühlen sich weniger sicher, als sie sind

Thunerinnen und Thuner fürchten sich etwas mehr davor, Opfer einer kriminellen Handlung zu werden, als die Bevölkerung im übrigen Kanton und in der ganzen Schweiz. Dies, obwohl sie weniger häufig beängstigende Situationen erlebten, und obwohl in Thun das Vertrauen in die Polizei und ihre Arbeit überdurchschnittlich hoch ist. Vor Unfällen fürchten sich Velofahrende am meisten. Diese müssten häufiger kontrolliert werden, findet rund die Hälfte der Bevölkerung. Erkenntnisse, die sich aus der Befragung von 504 Thunerinnen und Thunern ergaben, die im Rahmen einer nationalen Erhebung antworteten. Die Stadt Thun und Polizei Thun werden die Zahlen nun analyisieren und Massnahmen ableiten.

 

Im Auftrag der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz befragte das kriminologische Institut der Universität Zürich 2011 schweizweit rund 15’000 Personen zu ihren Erfahrungen mit Kriminalität, ihrem Sicherheitsgefühl allgemein und im Strassenverkehr sowie zu ihrer Zufriedenheit mit der Polizeiarbeit. In sieben Kantonen, so auch im Kanton Bern, sowie in 17 Berner Gemeinden inklusive der Stadt Thun wurden im Rahmen dieser nationalen "Opferbefragung" Vertiefungsstudien durchgeführt. Telefonisch und per Internet wurden in Thun 504 Personen befragt (Details vgl. Studie in der Beilage). Der Studienleiter, Prof. Martin Killias, zieht für Thun  - im Vergleich zum übrigen Kanton Bern und zur Gesamtschweiz - unter anderem folgende Schlüsse:

·         Obwohl Thun im generellen Vergleich mit dem Kanton Bern und der gesamten Schweiz gemäss Erhebung im Bereich Kriminalität "erfreuliche Zahlen" aufweist, liegt der Anteil verunsicherter Menschen in Thun höher als im schweizerischen Durchschnitt.

·         Erfreulich sind die Thuner Zahlen mit Blick auf die Häufigkeit von Einbrüchen, Einbruchversuchen sowie Diebstählen von und aus Fahrzeugen sowohl im Vergleich mit dem Kanton wie auch mit der gesamten Schweiz. Diebstähle von persönlichem Eigentum sowie Raubtaten jedoch kommen gemäss der Befragung in Thun etwas häufiger vor als in der Gesamtschweiz.

·         Die Zufriedenheit mit der Polizeiarbeit ist in der gesamten Schweiz sehr hoch, bei der Polizeipräsenz nehmen die Befragten im Kanton Bern allerdings eine Verschlechterung wahr. In Thun jedoch finden sich prozentual sogar mehr Personen als im schweizweiten Vergleich, die die Polizeiarbeit, die Polizeipräsenz und das Tempo der Polizeieinsätze positiv beurteilen.

"Thunerinnen und Thuner fühlen sich im Alltag weniger sicher, als sie es statistisch tatsächlich sind", bilanziert Gemeinderat Peter Siegenthaler, Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales der Stadt Thun. Zusammen mit der Abteilung Sicherheit und der Polizei Thun hat er die Thuner Ergebnisse insbesondere in den Bereichen Vandalismus, Littering, Drogenhandel, Nachtlärm, Veloverkehr und Zufriedenheit mit der Polizei näher untersucht. Die Erkenntnisse:

·         Vandalismus als dringliches Problem beurteilt: Rund sechs von zehn Befragten stören sich in Thun an den Folgen von Vandalismus (58 %*), jede und jeder zweite (49 %) an herumliegenden Abfällen (Littering). Diese Werte liegen ähnlich wie im gesamten Kanton Bern, beim Vandalismus etwas höher als schweizweit. Auffällig ist, dass Vandalismus die 26- bis 38-Jährigen weitaus mehr stört als andere Altersklassen, nämlich 7 von 10 (in den andern Altersklassen 5 von 10). 37 % der in Thun Befragten erachten Vandalismus als eines der dringendsten Probleme in Thun - klar mehr als kantonal (29 %) und national (27 %). Deutlich weniger als im Kanton und national stört man sich in Thun zwar an Drogenabhängigen bzw. am Drogenhandel (27 % gegenüber 38 und 39 %). Dennoch erachtet jede oder jeder sechste diesen als dringendstes Problem, während die kantonalen und nationalen Antworten einen etwas tieferen Handlungsbedarf aufzeigen. Als etwas dringlichere Probleme als im Kanton und in der ganzen Schweiz beurteilt werden in Thun - nebst Vandalismus (s. oben) - die Jugendgewalt (23 %) und der Nachtlärm (12 %).

·         Velofahrende sollen mehr kontrolliert werden: 32 % der Velo- und Mofafahrenden fühlen sich unsicher im Verkehr - sie befürchteten in den letzten zwölf Monaten, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden. Der Wert liegt deutlich höher als kantonal und national, wo rund 25 % diese Befürchtung äusserten. Zugleich bestätigen Thunerinnen und Thuner einen kantonalen und nationalen Trend, die Fahrradfahrenden würden nicht genügend kontrolliert: Rund die Hälfte (47 %) finden dies, geringfügig weniger als im Kanton (50 %) und im ganzen Land (51 %).

·         Hohe Zufriedenheit mit Polizeiarbeit und -Präsenz: 60 % der erfahrenen Delikte gegen das Eigentum wurden gemäss der Erhebung in Thun angezeigt, deutlich mehr als im Kanton (45 %). Von den Anzeigenden waren 83 % mit der Arbeit der Polizei zufrieden, kantonal 72 %. Auch das allgemeine Vertrauen in die Polizei erreicht in Thun mit 70 % einen guten, mit den beiden andern Ebenen (73 und 74 %) vergleichbaren Wert. Je älter die Befragten, desto höher das Vertrauen. Als "sehr gut" erachten 15 %, als ziemlich gut 74 % die Überwachung ihres Wohnquartiers durch die Polizei - ähnlich wie die kantonal und national Befragten. Die Mehrheit der Befragten (86 %) ist der Meinung, dass sich die Polizeiarbeit in den letzten drei Jahren nicht verändert oder leicht verbessert hat. Zwei Drittel (66 %) sind mit der Polizeipräsenz zufrieden, 34 % jedoch erachten sie als ungenügend. 45 % finden, die Polizeipräsenz habe in den letzten drei Jahren zugenommen, gleich viele sprechen von gleich bleibender Präsenz. Kantonal finden demgegenüber nur 30 %, die Polizei sei präsenter, schweizweit 38 %. Allgemein gilt hier: Je jünger die Befragten, desto zufriedener sind sie mit der Polizeipräsenz: 82 % der unter 26-Jährigen beurteilen diese als genügend, während von den über 39-Jährigen "nur" 60 %, aber immer noch fast zwei Drittel, dieser Meinung sind. "Das Vertrauen und die Zufriedenheit der Bevölkerung in 'ihre' Polizei sind sehr hoch", bilanziert Hermann Jutzi, Chef Polizei Thun.

Für 2012 werden Massnahmen erarbeitet

Gemeinsam mit der Polizei Thun wird die Direktion Sicherheit der Stadt die Erhebung nun genau analysieren und Handlungsfelder sowie Massnahmen daraus ableiten. Diese werden in die gegenseitige Leistungsvereinbarung, die jährlich aktualisiert wird, einfliessen und umgesetzt.

 

 

* alle Zahlen gerundet - Details siehe Studie

 

Auskünfte an die Redaktionen

·       Peter Siegenthaler, Gemeinderat, Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales, Tel. 033 225 84 93

·       Erwin Rohrbach, Abteilungsleiter Sicherheit, Tel. 033 225 82 36

·       Hermann Jutzi, Chef Polizei Thun, Tel. 033 227 60 10

 

 

Thun, 9. November 2011