Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord

Vom Militär- zum internationalen High-Tech-Standort

Der Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Thun Nord ist der wichtigste Wirtschaftsstandort im Berner Oberland und einer von vier Premium-Standorten. Das rund 60 Hektar grosse Gebiet zwischen Selveareal und Lerchenfeldquartier, flankiert von Allmendstrasse und Aare, ist geprägt durch das Militär und die Rüstungsindustrie. Das Gebiet wird seit dem Jahr 2000 schrittweise von einem monofunktionalen Industrie- und Militärgebiet zu einem vielfältigen, zukunftsgerichteten Stadtquartier und Wirtschaftsstandort mit hoher internationaler Ausstrahlung umstrukturiert.

Gegenwärtig beherbergt der ESP Thun Nord rund 2'300 Arbeitsplätze. Längerfristig bietet er Raum für maximal 8'500 Arbeitsplätze mit einem Anteil Wohnnutzung. Diese Zahlen zeigen das Potenzial und unterstreichen die herausragende Bedeutung des ESP für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Thun und der gesamten Region.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der ESP Thun Nord ist ein zentraler Baustein der städtischen Wirtschaftsstrategie. Die Ansiedlung von wissensintensiven, forschungs- und entwicklungsnahen Unternehmen mit hoher Wertschöpfung steht im Vordergrund.

Das Vorhaben B5 Campus Thun (40'000 m² Geschossfläche) mit der Ankernutzerin Empa ist von grosser Bedeutung. Die Empa – eine renommierte Forschungseinrichtung des ETH-Bereichs – trägt zur nationalen und internationalen Sichtbarkeit Thuns im Bereich Hochtechnologie und Werkstoffforschung bei. Weitere Projekte wie die der neue Stadtteil (Tryber) entlang der Uttigenstrasse treiben die Entwicklung voran und schaffen Synergien zwischen Forschung, Entwicklung und industrieller Anwendung.

 

Städtebauliche Entwicklung und Infrastruktur

Der ESP Thun Nord ist ein Schlüsselgebiet der Thuner Stadtentwicklung und der Innenentwicklungsstrategie, welche die Stadt Thun in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Strategien und Projekten aktiv vorangetrieben hat.

Die städtebauliche Entwicklung des ESP Thun Nord folgt klaren Prinzipien der Nachhaltigkeit:

  • Nutzung und Angebot: Obwohl der Schwerpunkt auf Arbeitsnutzungen liegt, werden auch Wohnnutzungen integriert, um ein lebendiges Quartier zu schaffen.
  • Öffentliche Räume und Grünräume: Die Freiraumstruktur ist das tragende Grundgerüst des Areals. Der Aareraum soll als zugängliches Naherholungsgebiet und Lebensraum für Flora und Fauna aufgewertet werden.
  • Nachhaltige Mobilität: Die geplante S-Bahn-Haltestelle Thun Nord (Inbetriebnahme 2035) ist der Taktgeber der Entwicklung. Sie verbindet den ESP optimal mit dem regionalen und lokalen öffentlichen Verkehr. Ergänzt wird dies durch Verbesserungen im Fuss- und Veloverkehr.
  • Entwicklung über die Zeit: Das Entwicklungsgebiet unterliegt einem stetigen Wandel und muss auf Marktdynamik und geänderte Rahmenbedingungen reagieren können. Angestrebt wird nicht ein Endzustand sondere ein Entwicklung über die Zeit.

 

Historische Entwicklung und Charakter

Die Identität von Thun Nord ist tief in der militärischen und militärisch-industriellen Geschichte der Stadt verwurzelt. Thun wurde schweizweit zum Synonym für Militär und Rüstungsindustrie. Diese Tradition bildet die Grundlage für die heutige Transformation: Die Region entwickelte sich kontinuierlich vom Industrie- zum High-Tech-Standort. In Thun Nord besteht ein wirtschaftlich-industrielles Ökosystem an der Schnittstelle zwischen Forschung, Entwicklung und High-Tech-Anwendungen der industriellen Produktion.

Diese organische Entwicklung aus bestehenden Strukturen heraus verleiht dem Standort Authentizität und Glaubwürdigkeit im internationalen Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte.

 

Verkehrsdrehscheibe: S-Bahn-Haltestelle und tangentiale Buslinie

Längerfristig ist für die Entwicklung des ESP eine attraktive Einbettung in das kommunale und überkommunale Velo- und Fusswegnetz sowie die Verbesserung der Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr essenziell. Mit dem Ausbauschritt 2035 des strategischen Entwicklungsprogramms Eisenbahninfrastruktur (STEP AS 2035) des Bundes soll im ESP Thun Nord eine neue S-Bahn-Haltestelle realisiert werden. Diese soll durch eine tangentiale Buslinie, die von Steffisburg über den Bypass und weiter in den Südwesten von Thun verkehrt, ergänzt werden. Der dreijährige Versuchsbetrieb startete im Dezember 2025.

 

Planerische Absichten und Instrumente

Seit 2014 besteht ein kommunaler Richtplan, um die Entwicklungen im ESP Thun Nord aufeinander abzustimmen. Der Richtplan regelt die Grundsätze der Gebietsentwicklung und definiert unter anderem die Baufelder, die Grünräume und die Erschliessung. Mit dem Bypass Thun Nord, der das Entwicklungsgebiet über den Autobahnzubringer direkt mit der Autobahn A6 verbindet, ist das Kernelement der Erschliessung für den motorisierten Individualverkehr seit Ende 2017 in Betrieb und die direkte Anbindung an die Autobahn sichergestellt.

Das Areal befindet sich in der Zone mit Planungspflicht ZPP R Thun-Nord. Da die Entwicklung des ESP Thun Nord eine vertiefte Auseinandersetzung erfordert, wurde das Areal von der – am 1. Februar 2025 in Kraft gesetzte – Ortsplanungsrevision ausgenommen.

Beim ESP Thun Nord handelt es sich um ein äusserst komplexes Entwicklungsgebiet mit einer grossen Breite an zu bearbeitenden Themen und zahlreichen Projekten von verschiedenen Bauherrschaften und unterschiedlichen Abhängigkeiten. Beispielsweise ist die Konzentration der militärischen Nutzungen abhängig von Projekten ausserhalb des ESP. Diese Projekte müssen koordiniert und die Schnittstellen zwischen den Projekten abgestimmt werden.

Für die gemeinsame Entwicklung hat die Stadt zusammen mit den Grundeigentümerinnen einen gemeinsamen Entwicklungsprozess initiiert, der eine koordinierte und qualitätvolle Entwicklung sicherstellt.

Im Rahmen des gemeinsamen Entwicklungsprozesses führte die Stadt ein sogenanntes Werkstatt-Verfahren für das Kerngebiet rund um die geplante S-Bahn-Haltestelle Thun Nord durch. Dieses Verfahren ist ein Meilenstein im gemeinsamen Prozess zur Weiterentwicklung des ESP Thun Nord. Die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aus dem Werkstatt-Verfahren bilden die Grundlage für die weiteren Schritte.

 

Weitere Informationen zum kantonalen ESP-Programm und zum ESP Thun Nord finden Sie auch über www.esp-thunnord.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet..

 

Zuständige Projektleiterin Planungsamt

Sonja Gäumann
Projektleiterin Stadtplanung
033 225 83 75
Sonja.Gaeumann@Thun.ch