Entwicklungsschwerpunkte

Schlüsselgebiete der Stadtentwicklung

Die Entwicklungsschwerpunkte (ESP) sind zentrale Instrumente einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung in Thun. Sie verbinden strategische Raumplanung mit wirtschaftlicher Dynamik und schaffen die Grundlage für eine nachhaltige, polyzentrische Stadtentwicklung. Als Schlüsselgebiete der räumlichen Transformation verfügen sie über ein hohes Potenzial als Arbeits-, Dienstleistungs- und Wohnstandorte sowie als bedeutende Verkehrsdrehscheiben.

Thun verfügt über drei Entwicklungsschwerpunkte – ESP Thun Nord, ESP Stadtquartier Bahnhof Thun sowie ESP Thun West. Diese Gebiete sind im Stadtentwicklungskonzept STEK 2035 als Nebenzentren definiert und ergänzen das historische Zentrum Thun Mitte zu einem funktional differenzierten Stadtgefüge.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Entwicklungsschwerpunkte sind unverzichtbare Treiber der lokalen und regionalen Wirtschaftsentwicklung. Das Stadtentwicklungskonzept STEK 2035 skizziert ein quantitatives Wachstum von 3'500 zusätzlichen Arbeitsplätzen (Vollzeitäquivalenten) bis 2035. Gleichzeitig wird ein qualitatives Wachstum angestrebt: Die Ansiedlung wissensintensiver, forschungs- und entwicklungsnaher Unternehmen mit hoher Wertschöpfung pro Arbeitsplatz und Quadratmeter steht im Vordergrund. Diese quantitative und qualitative Entwicklung sieht auch die Strategie Stadtentwicklung des Gemeinderats vor. Damit werden nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern Steuererträge generiert, die lokale Kaufkraft gestärkt und Wertschöpfungsketten mit dem regionalen Gewerbe gefördert.

Aufbauend auf ihrer starken industriellen Basis entwickelt sich die Stadt Thun bereits seit längerem auch als Dienstleistungs- und Wissensstandort, an dem Hightech-Produktion, Forschung, Entwicklung und wissensintensive Dienstleistungen zusammenwirken. Die drei ESP ergänzen sich räumlich und inhaltlich und schaffen die unterschiedlichen Voraussetzungen für dieses Zusammenwirken. Im Zusammenspiel ermöglichen sie es Thun, sich im Standortwettbewerb als profilierter Standort für High-Tech-Industrie, Engineering, Softwareentwicklung, Mikromechanik und Materialwissenschaften zu positionieren.

 

Bedeutung in der Stadtentwicklung

Die Entwicklungsschwerpunkte verkörpern das raumplanerische Paradigma der Entwicklung nach innen. Sie nutzen bestehende Infrastrukturen optimal, verdichten strategisch wichtige Areale und schaffen urbane Mischgebiete, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit integrieren. Damit leisten sie einen zentralen Beitrag zur Stadt der kurzen Wege – einem Leitprinzip des STEK 2035.

Die polyzentrische Entwicklungsstrategie entlastet das historische Zentrum und schafft gleichzeitig neue Nebenzentren des öffentlichen Lebens. Diese stärken die Quartieridentität, verbessern die Nahversorgung und erhöhen die Lebensqualität für die wachsende Stadtbevölkerung. Zudem wird durch die strategische Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr die Pendlermobilität verbessert und die Verkehrsbelastung reduziert.

 

Historische Bedeutung

Historisch sind die Entwicklungsgebiete durch unterschiedliche Nutzungsgeschichten geprägt. Thun Nord entwickelte sich aus militärischen und industriellen Traditionen und transformiert sich heute zu einem internationalen High-Tech-Standort. Das Bahnhofquartier erfuhr als historische Verkehrsdrehscheibe verschiedene Entwicklungsphasen und etabliert sich nun als lebendiges Stadtquartier mit vorwiegend Dienstleistungs- und Wohnnutzungen. Thun West knüpft an die Tradition als Sport- und Freizeitstandort an und entwickelt sich zu einem vielfältigen Cluster mit regionaler und überregionaler Ausstrahlung.

Diese historisch gewachsenen Identitäten bilden die Grundlage für eine authentische, kontextbezogene Entwicklung, die bestehende Qualitäten bewahrt und weiterentwickelt.

 

Schweizweite, kantonale, regionale und städtische Bedeutung

Die Entwicklungsschwerpunkte sind in ein mehrstufiges Planungssystem eingebettet:

  • Bundesebene: Die Entwicklungsschwerpunkte entsprechen den Zielen des Raumplanungsgesetzes (RPG), insbesondere der haushälterischen Bodennutzung und der Siedlungsentwicklung nach innen.
  • Kantonsebene: Im kantonalen Richtplan sind der ESP Thun Nord und der ESP Stadtquartier Bahnhof Thun als kantonale Entwicklungsschwerpunkte verankert. Sie sind zentrale Bausteine der Entwicklungsstrategie des Kantons Bern für die Agglomeration Thun. Der kommunale ESP Thun West wird aufgrund seiner wachsenden Bedeutung ebenfalls als kantonaler ESP beantragt.
  • Regionsebene: Das Regionale Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept Thun Oberland West (RGSK TOW) positioniert die Gebiete als Schwerpunkte für Arbeitsplatzentwicklung, Sport und Freizeit. Die koordinierte regionale Entwicklung sichert Synergien und verhindert Konkurrenz zwischen Gemeinden.
  • Stadtebene: Das STEK 2035 definiert die Entwicklungsschwerpunkte als Nebenzentren und integriert sie in ein Gesamtsystem von fünf Strategiebereichen: Wohnen, Arbeiten, Mischgebiete und Zentren, Landschaft und Freiräume sowie Stadtraum und Mobilität.

Diese Mehrebenen-Governance gewährleistet eine kohärente, nachhaltige Entwicklung und maximiert die Hebelwirkung öffentlicher und privater Investitionen.

 

Planerische Absichten und Instrumente

Die Entwicklung der ESP erfolgt durch den gezielten Einsatz planerischer Instrumente, die Qualität sichern und partizipative Prozesse ermöglichen:

  • Entwicklungsleitbilder: Das räumliche Entwicklungsleitbild für das Stadtquartier Bahnhof Thun (2024) oder der Masterplan Siegenthalergut im ESP Thun West schaffen eine gemeinsame Orientierung für alle Akteure.
  • Richtpläne: Der kommunale Richtplan ESP Thun Nord (2014, aktualisiert 2019) koordiniert die Gebietsentwicklung und definiert Baufelder, Grünräume und Erschliessung. Der kommunale Gebietsrichtplan Stadtquartier Bahnhof Thun soll die räumliche Entwicklung gemäss Leitbild zu einem attraktiven und lebendigen Stadtquartier an hervorragender Lage koordiniert und verbindlich sicherstellen.
  • Zonen mit Planungspflicht (ZPP): Diese Instrumente sichern hohe städtebauliche Qualität durch detaillierte Vorgaben zu Nutzung, Dichte und Gestaltung, etwas für die Arealentwicklung Seestrasse im Stadtquartier Bahnhof.
  • Überbauungsordnungen (UeO): Konkrete Projekte werden durch UeO planungsrechtlich verankert, etwa für die Arealentwicklung B5-Campus Thun mit dem neuen Standort der Empa oder die Areale Rosenau und Scherzligen.
  • Qualitätssichernde Verfahren: Wettbewerbe, Studienaufträge, Testplanungen und weitere Verfahren gewährleisten hohe architektonische und städtebauliche Qualität unter Einbezug von Fachleuten, Grundeigentümerschaft und Bevölkerung.

Die Umsetzung erfolgt laufend und prozessorientiert. Diese Flexibilität ermöglicht es, auf Marktdynamiken zu reagieren, Zwischennutzungen zu ermöglichen und die Entwicklung an gesellschaftliche Bedürfnisse anzupassen. Gleichzeitig werden durch übergeordnete Prinzipien wie Nachhaltigkeit, hochstehende Bau- und Planungskultur sowie ökologische Qualität langfristige Qualitätsstandards gesichert.

 

Weitere Informationen zu dein einzelnen ESP finden Sie unter jeweiligem Link:

Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof Thun

Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord

Entwicklungsschwerpunkt Thun West